nach oben
Aus dem Jugendknast wird bald ein Abschiebegefängnis. Foto: PZ-Archiv
Aus dem Jugendknast wird bald ein Abschiebegefängnis. Foto: PZ-Archiv
30.07.2015

Weiter Kritik an Knastpolitik: Suchtberatung und Bezirksverein schlagen Alarm

Pforzheim. Ein Aus für die Pforzheimer Jugendstrafanstalt, die in ein Abschiebegefängnis umgewandelt werden soll, bedeute auch ein Aus für professionelle und ehrenamtliche Hilfe für junge Strafgefangene, fürchten Dietrich Wagner, Geschäftsführer der bwlv-Beratungsstelle, und Markus Rapp, Geschäftsführer des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege. Die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Alkohol- und Medikamentenprobleme und der Bezirksverein trügen ein breites Spektrum von ergänzenden und fachspezifischen Hilfen für die jungen Straftäter in die Anstalt in der Rohrstraße in Pforzheim.

Viele der jungen Gefangenen hätten Suchtprobleme, die Teil ihrer Straffälligkeit seien oder die ein Wiedereinstieg in die Gesellschaft erschwerten, so Wagner. Hier frühzeitig auf dem Weg in ein suchtfreies Leben zu unterstützen, nennt er eine zentrale Aufgabe der Suchtberatung in Haft.

Der Bezirksverein für soziale Rechtspflege bietet sowohl in Haft Beratung zur Neuorientierung und Entlassungsvorbereitung wie auch nach der Haft Perspektiven für ein Leben ohne Straftaten an. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Bezirksvereins leisteten einen wichtigen Beitrag, um den Vollzug möglichst lebensnah und damit am Ziel der Resozialisierung ausgerichtet gestalten zu können, berichtet Rapp. Projekte wie „Streetart hinter Mauern“ oder verschiedene Gruppenangebote und Gesprächsrunden werden durch ehrenamtlich Engagierte getragen.

Kontakt zur Familie sei in vielen Fällen alles, was den jungen Gefangenen noch bleibe, wenn die „falschen“ Freunde sie fallenlassen oder sie sich vom alten Umfeld abwenden wollen. „In Pforzheim kann meine Familie mich noch besuchen, aber ob sie es schaffen, nach Adelsheim zu kommen, das weiß ich nicht“, so ein junger Strafgefangener – stellvertretend für viele.

Leserkommentare (0)