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Trostlos: Ein geschlossener Kiosk in der Obdachlsiedlung Unteres Enztal.
02.11.2009

Welle der Hilfsbereitschaft für Obdachlosensiedlung

PFORZHEIM. Rund 15 Prozent der Menschen in der Obdachlosensiedlung „Unteres Enztal“ sind im Seniorenalter und leben mit einfachstem baulichen Standard. Das bestätigt Wolf-Dietmar Kühn, Chef der Obdachlosenbehörde der Stadt. Die Senioren sind oft in der Siedlung unfreiwillig alt geworden. Nach einem Bericht der "Pforzheimer Zeitung" und auf PZ-news über die problematischen Lebensumstände der Menschen war die Reaktion der Leser überwältigend. Mehrere Hundert Euro kamen ebenso zusammen wie zahlreiche Sachspenden.

Bildergalerie: Obdachlosensiedlung im Unteren Enztal

Bildergalerie: Leben in der Obdachlosensiedlung im Eutinger Tal

Das Schicksal von Wilhelmine M., die am Existenzminimum lebt, dürfte also kein Einzelfall sein. Genaues weiß aber weder das Sozial- noch das Ordnungsamt. Jetzt ist das Wichernhaus als Obdachlosen-Einrichtung dabei, Informationen über die Bewohner zusammenzutragen.

Dach über dem Kopf

„Viele leben in der zweiten und dritten Generation hier, denn billigeren Wohnraum gibt es nirgendwo, sagt Kühn. Nur sieben Mietverträge zählt sein Amt, die meisten Menschen sind aus einer Notsituation heraus ins Eutinger Tal eingewiesen worden. Um der drohenden Obdachlosigkeit vorzubeugen, ist die Stadt verpflichtet, den Betroffenen ein Dach über dem Kopf zu geben und fließend Wasser. „Mehr nicht“, erklärt Kühn. Eigentlich seien die Unterkünfte nur für wenige Monate als Übergang gedacht, erklärt Ulrich Füting, Chef der Stadtbau. Die Betroffenen sollten mit Hilfe des Sozialamts schnell wieder auf die Füße kommen und in eine normale Wohnung ziehen. Fütings Unternehmen vermietet die Häuser der Siedlung an die Stadt.

Die Stadtbau besitzt 178 Wohnungen im Unteren Enztal, 40 Prozent stehen momentan leer. „Die Stadt hält einen Großteil der Wohnungen vor und zahlt dafür an die Stadtbau Miete in Höhe von 2,85 Euro Kaltmiete für den Quadratmeter“, bestätigt Füting. Fernwärme gibt es in keine der Wohnungen. „Die Leitungen zu legen, wäre zu teuer“, erklärt Füting. Denn dann würden die Kosten für die Miete für die Kommune steigen. Deshalb müssen sich die Menschen mit Gas- oder Holzöfen behelfen. Das Holz bekommen sie gestellt.

Keine Sozialarbeiter mehr

Gab es vor Jahren noch zwei Sozialarbeiter, die in der Siedlung zu den Bewohnern hingegangen sind, hat sich die Stadt aus Kostengründen davon verabschiedet. Die Kindertagesstätte wurde geschlossen, weil die Stadt keine Familien mehr mit Kindern dort einweisen wollte. De facto leben aber nach wie vor Mütter oder Familien mit Kindern in der Siedlung.

Sozialamtsleiter Rüdiger Staib möchte, dass der Soziale Dienst seines Amtes wieder eine Sprechstunde in der Siedlung anbietet. Ein entsprechende Konzept mit Kostenkalkulation wird er dem gemeinderätlichen Fachausschuss in den nächsten Wochen vorlegen.