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Wenig Interesse an Französisch: Nur an zwei allgemeinbildenden Gymnasien Leistungskurse

Pforzheim. Bonjour, Tristesse: Die große Leidenschaft für französische Sprache und Kultur herrscht nicht vor unter den Oberschülern der badischen Großstadt Pforzheim, Luftlinie 32 Kilometer von Frankreich und eigentlich traditionell schon durch die Schmuckindustrie frankophil. An keinem der klassischen Gymnasien reicht die Nachfrage für einen eigenen Leistungskurs ohne Kooperation oder Sonderform.

Am nach Schülerzahlen größten allgemeinbildenden Gymnasium der Stadt, dem Hilda, kommt für die nächste zweijährige Kursstufe bis zum Abitur kein Leistungsfach Französisch zustande, am Reuchlin-Gymnasium ebenfalls nicht. Schüler des Hebel-Gymnasiums können es als Leistungsfach immerhin am benachbarten Theodor-Heuss-Gymnasium besuchen, dem einzigen neunjährigen unter den allgemeinbildenden staatlichen Gymnasien in Pforzheim. Streng genommen ist das THG auch das einzige, das – in dieser Kooperation – einen ganz lupenreinen fünfstündigen Leistungskurs anbietet. Am Kepler-Gymnasium findet er in Form eines so genannten Aufsetzers statt. Die teilnehmenden Schüler besuchen den dreistündigen Basiskurs und zwei zusätzliche Stunden.

Nachfrage nach Spanisch

Am THG sei die Einrichtung eines Französisch-Leistungsfach-Angebots „ein inhaltlicher Knackpunkt“ gewesen, berichtet Schulleiter Stefan Mielitz. „Die Nachfrage nach Spanisch war deutlich höher“. In der Kooperation hat es dann gereicht.

Am Hilda-Gymnasium reichte die Nachfrage ebenfalls für einen Spanisch-Leistungskurs, nicht aber für Französisch. Hilda-Direktorin Edith Drescher, auch geschäftsführende Schulleiterin der Gymnasien, sagt indes, dass dieses Interesse in Wellen komme. Auch ihr THG-Kollege Mielitz sieht darin eine Momentaufnahme: Es sei zu früh, einen Trend herauszulesen. Kepler-Direktorin Heike Reifurth weist darauf hin, dass die neue Kursstufe Ergebnis einer erneuten Reform ist – Leistungsfächer zur Auswahl gebe es erst jetzt wieder, sie seien anders als die Leistungskurse des früheren Abiturs. Schüler müssen nun drei statt wie damals zwei nehmen – und ein Schwergewicht liegt dabei auf den Naturwissenschaften.

Bei der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG), die traditionell Preise an die besten Französisch-Abiturienten verleiht, kennt man das Phänomen. „Die Schüler sagen, in Spanisch bekommen wir leichter bessere Noten“, berichtet DFG-Vertreterin Bernhilde Starck. Französisch werde strenger benotet, alleine schon die Aussprache.

Anreize gefordert

Für die DFG-Preisvergabe seien Punkte, Noten und Leistungskursteilnahme weniger entscheidend als die lebendige Anwendung der Sprache und das Engagement. Ausdrücklich wirbt Starck dafür, die Sprache des nahe gelegenen Nachbarlands zu lernen, dies aber auch zu fördern. So sei es derzeit leichter, ein Stipendium für die USA zu erhalten als für Frankreich, kritisiert sie.

Marek Klimanski

Marek Klimanski

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