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17.07.2008

Weniger Atomstrom im Energie-Mix der Stadtwerke

PFORZHEIM. Seit Anfang diesen Jahres bieten die Stadtwerke Pforzheim (SWP) neue Strom-Zusammensetzungen an. Der Anteil der Kernenergie sei dabei insgesamt deutlich reduziert worden, so SWP-Geschäftsführer Wolf-Kersten Meyer. Darüber hinaus gibt es ein Öko-Angebot, das den Strom nur aus regenerativer Quelle beziehen soll.

Geradezu majestätisch ragen die schmalen Schornsteine des Pforzheimer Heizkraftwerks in den Himmel. Die großen Wassertanks blitzen im Sonnenlicht. Es ist ein gewaltiges Bauwerk, das da unweit des Enzauenparks steht. Und gewaltig ist auch seine Bedeutung für die Stromversorgung Pforzheims.

„Wir produzieren hier jährlich bis zu 250 Millionen Kilowattstunden Strom. Das ist etwa die Hälfte der Strommenge, die in Pforzheim verbraucht wird“, weiß Martin Seitz, Geschäftsführer des Kraftwerks. Der Rest kommt zu verschiedenen Teilen aus Kraftwerken der Umgebung – und seit Anfang 2008 nur noch zu einem geringen Teil aus Kernenergie.

Weniger Kernkraft im Energie-Mix

„Bis Anfang diesen Jahres hatten wir einen Energie-Mix, der sich an dem in Baden-Württemberg üblichem orientiert hat – mit hohem Kernenergie-Anteil“, erklärt Wolf-Kersten Meyer, Geschäftsführer der Stadtwerke Pforzheim. Seitdem wird Strom aus Kernenergie von den Stadtwerken nur noch als „Rest-Mix“ angeboten. „Das ist ein Produkt für Kunden, die sehr preis-sensibel sind“, verrät Meyer. „Dieses Produkt beziehen etwa 20 bis 30 Prozent unserer Kunden.“

Ein Großteil der Pforzheimer, nämlich etwa drei Viertel, erhält mittlerweile den Strom-Mix „Klima Plus“, der seit Anfang 2008 existiert. Diese Zusammensetzung verzichtet komplett auf Kernenergie und bezieht Strom nur aus fossilen und regenerativen Energiequellen – letzteres sogar zu 43 Prozent.

So genau könne jedoch gar nicht festgestellt werden, welcher Strom letztendlich zum Einsatz kommt, so Meyer. „Physikalisch gesehen wird der Strom immer aus dem nächsten Kraftwerk bezogen“, erklärt er. Soll heißen: Wer direkt neben einem Flusskraftwerk wohnt, bekommt seinen Strom von dort, ganz gleich, welche Energie-Verteilung in seinem Vertrag steht.

"Atomstrom ist kein Ökostrom"

Trotz der Atomenergie-Reduktion im Energie-Mix der SWP sieht Meyer Atomstrom als notwendig an. „Ich glaube, dass wir ohne Atomstrom derzeit in Deutschland nicht auskommen würden“, sagt er. „Dennoch denke ich, dass Atomstrom eine vorübergehende Quelle ist. Der Weg geht weg vom Atom.“ Zwar biete Atomstrom den Vorteil des geringen CO2-Ausstoßes, deswegen sei es aber noch lange kein Ökostrom. „Ökologisch ist nur, was nachhaltig nicht belastet. Bei Atomstrom entsteht ein Restmüll, und der ist ganz klar gefährlich.“

Ähnlicher Meinung ist auch Florentin Goldmann, CDU-Fraktionsvorsitzender im Pforzheimer Gemeinderat: „Die Atommüll-Lagerung ist der entscheidende Punkt, den es zu lösen gilt“, sagt er. Dennoch sei die CDU der Kernenergie nicht abgeneigt. „Der Atomstrom ist wahrscheinlich das einzige Mittel, die Klimakatastrophe aufzuhalten“, so Goldmann.

Grüne Liste für sofortigen Atomausstieg

Sibylle Schüssler, Fraktionssprecherin der Grünen Liste, plädiert hingegen für den sofortigen Atomausstieg. „Atomstrom ist teuer, gefährlich und vollkommen unnötig. Teuer deshalb, weil eigentlich die Gesamtkosten auf den Preis umgelegt werden müssten“, findet Schüssler. Sie hofft darauf, dass Atomstrom in Deutschland keine Zukunft hat. „Ich denke, dass nach wie vor ein großer Teil der Bevölkerung zur Meinung der Grünen steht“, sagt sie.

Außer der Kernenergie-freien Zusammensetzung „Klima Plus“ haben die Stadtwerke seit Januar eine weitere Neuigkeit zu bieten: „Öko Pur“. Bei dieser Strom-Qualität wird der Strom ausschließlich aus regenerativen Energien erzeugt. „Das sind im wesentlichen Zertifikate aus Skandinavien, wo überwiegend Wasserkraft zum Einsatz kommt“, erklärt SWP-Chef Meyer.

Grüne Liste-Sprecherin Schüssler begrüßt die neuen Strom-Zusammensetzungen der Stadtwerke. „Wir müssen aber noch mehr tun, der Ausbau regenerativer Projekte der Stadtwerke gehört dazu.“

Die Resonanz auf die Öko-Tarife der Stadtwerke ist bisher jedoch verhalten: Nur 50 SWP-Kunden haben sich bisher für den Öko-Tarif entschieden – weniger als 0,01 Prozent der SWP-Kundschaft. „Es sind kleine Zahlen, aber man muss bedenken, dass wir erst seit knapp vier Wochen dafür werben“, so Meyer.