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Innungsobermeister Joachim Butz schaut sich den Gasboiler an und stellt fest, dass er in Deutschland gar nicht zugelassen ist.
Innungsobermeister Joachim Butz schaut sich den Gasboiler an und stellt fest, dass er in Deutschland gar nicht zugelassen ist. © Ketterl
18.07.2011

Wenn der Gasboiler Angst macht

Pforzheim. Das Leiden der Familie Kramer (Name geändert) scheint sich dem Ende zu nähern: Seit über einem halben Jahr macht ihnen ihr Gasboiler Ärger. Erst war der alte kaputt und musste ausgetauscht werden. Nach einiger Wartezeit wurde ein neuer eingebaut, auf den eine saftige Jahresrechnung folgte: 1500 Euro sollten die Kramers bezahlen – ein Drittel mehr als sonst.

Jürgen Kramer, der mit seiner Frau und drei Kindern – eines davon ist behindert – in der Nordstadt wohnt, forscht nach und bestellt einen Installateur ein. Der prüft den Boiler aus Gebrauchsfähigkeit und stellt eine Leck-Rate von über fünf Litern Gas pro Stunde fest. Zudem bezweifelt er, dass der Boiler überhaupt in Deutschland zugelassen ist. Sofort entfernt der Installateur den Zähler. Die Kramers sind alarmiert: „Ich hatte Angst, dass uns beim geringsten Funken das ganze Haus um die Ohren fliegt“, berichtet Kramer Ende vergangenen Jahres der „Pforzheimer Zeitung“. Damals herrschten Minustemperaturen, und die Familie hatte weder Heizung noch warmes Wasser. Zum Duschen fuhr die Familie zu Verwandten nach Mühlacker. Vor einer Woche wiederholte sich dieses Szenario. Die PZ organisierte ein Treffen in der Wohnung der Kramers, bei dem Joachim Butz, Obermeister der Heizungs- und Sanitärinnung, bestätigte: Der Boiler ist hierzulande nicht zugelassen.

Der Hausverwalter gab zu, dass sowohl er, als auch der Schornsteinfeger dem Schwarzarbeiter mit seinem illegalen Ofen auf dem Leim gegangen seien. Butz klärte den Verwalter auf und riet ihm zu einem zeitnahen Austauschs gegen ein Gerät mit ordentlicher Zulassung. „Das hier ist kein Einzelfall“, schildert Butz sein tägliches Geschäft. Es komme häufig vor, dass Vermieter sich im Internet günstige Gasöfen bestellen. Wenn dann bei Problemen der Fachmann gerufen wird, stelle dieser nicht selten fest, dass das Gerät hierzulande illegal ist. „So folgt auf den Geiz manchmal eine hohe Rechnung“, sagt Butz. dan

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