nach oben
Vergebens  hat die Junge Union Tiefensee erwartet. Der nahm den Hintereingang.
Vergebens hat die Junge Union Tiefensee erwartet. Der nahm den Hintereingang. © Ketterl
Nur auf dem Stadtplan   finden Dietlinde Hess (links) und ihre Bürgervereinskollegen die Umfahrung.
Nur auf dem Stadtplan finden Dietlinde Hess (links) und ihre Bürgervereinskollegen die Umfahrung.
10.02.2009

Westtangente Pforzheim: Die Bürgervereine grollen vernehmlich

Es sind die Spatenstiche, die Dietlinde Hess mit dem Ministerpräsidenten verbinden. Der eine bei Rutesheim, wo er ihr anschließend das Arbeitsgerät geschenkt hat. Vor allem aber der andere, auf den Dietlinde Hess so sehnsüchtig wartet und für den der bei Rutesheim geschenkte Spaten gedacht war – der symbolische Baubeginn der Westtangente.

Gemütslage auf 200

Weil der weiter auf sich warten lässt, möchte die Vorsitzende des Bürgervereins Dillweißenstein nun den baden-württembergischen Landesvater angehen. „Herr Oettinger wird bald von mir zu hören bekommen“, sagt Dietlinde Hess. Womöglich werde sie ihn besuchen. Dass diese Ankündigung einen drohenden Unterton hat, ist durchaus beabsichtigt. Und auch ihrer aktuellen Gemütslage geschuldet. „Die ist immer noch auf 200“, sagt Hess, als sie am Tag nach dem Besuch von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee mit Sprechern weiterer Bürgervereine die PZ besucht.

Die zwei CDU-Politiker Stefan Mappus und Gunther Krichbaum hatten im Vorfeld bekanntlich angekündigt, der SPD-Politiker Tiefensee werde in Pforzheim den baldigen Bau der Westtangente bekannt geben, was Tiefensee jedoch nicht tat. „Billig“, nennt Hess noch am Tag danach jene Ankündigungsaktion, und die Vertreter der weiteren Bürgervereine nicken dazu.

„Er braucht die Zusage“

Tiefensee hat Dietlinde Hess davon überzeugt, dass der Schlüssel zur Westtangente in Stuttgart liegt. „Er braucht vom Land die schriftliche Zusage, dass die Westtangente die oberste Priorität hat“, fasst die Bürgervereinsvorsitzende ihr Gespräch mit dem Minister am Rande des PZ-Forums zusammen. Denn es gebe in keinem anderen Bundesland so viele Straßen, bei denen man sofort mit dem Bau beginnen könne, wie in Baden-Württemberg.

Unter diesen müsste man eben sagen, dass die Westtangente früher und andere Straßen erst später gebaut werden sollen, skizziert Hess den Weg zum Baustart. „Offensichtlich fürchtet man die Prügel der anderen“, vermutet sie und spricht von mangelnder Zivilcourage.

Problem der ganzen Stadt

Auch das Rathaus halte sich da sehr zurück, findet Harald Bürkle vom Weststadt-Bürgerverein. Dabei sei das Thema ein Problem der ganzen Stadt, pflichten Regine Hahn (Nordstadt-Bürgerverein) und Bernd Zilly (Bürgerverein Mäuerach) bei. In der Nordstadt erhofft man sich Entlastung für die Heinrich-Wieland-Allee, und im nicht wirklich betroffenen Mäuerach geht der Blick in Richtung verstopfter City.

Vor allem aber in Dillweißenstein klagt der Bürgerverein über Leerstand der schönen alten Häuser entlang der Durchgangsstraße, über den Wegzug junger Familien in andere Stadtteile und darüber, dass sich der soziale Querschnitt der Bevölkerung gewandelt habe. „Es ist“, sagt Dietlinde Hess, „einfach ganz erschütternd“. Marek Klimanski