nach oben
Das lange Warten auf die Umgehung: 2014 war das für einen Aprilscherz gut. Am Stummel an der B 10 trafen sich Sprengmeister und eine Tunnelpatin (von links): Carol Braun, Fritz Sinzenich vom Weststadt-Bürgerverein, Stadtrat Jens Kück und Dietlinde Hess vom Bürgerverein Dillweißenstein. Foto: Ketterl
Falk-Plan 2012, der Zeit weit voraus: Die Umfahrung ist schon halb fertig (gelb) und der Arlinger-Tunnel im Bau. Foto: Ketterl
17.07.2015

Westtangente kommt – oder doch nicht?

Es ist mal wieder so weit: Jetzt endlich komme die Pforzheimer Westtangente, munkeln seit ein paar Tagen immer mehr Politiker in der Region. Der Bund werde in Kürze grünes Licht geben für den ersten Bauabschnitt der Umfahrung, auf die die Region seit über 30 Jahren wartet. Alle Hoffnung konzentriert sich auf Norbert Barthle (CDU), seit fünf Monaten Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Wird er nächste Woche bei seinem geplanten Besuch in Pforzheim die frohe Botschaft verkünden? Oder muss die Stadt noch lange auf den ersehnten Spatenstich warten?

Bildergalerie: Demonstration für die Westtangente

Schon seit 2003 liegen die fertigen Pläne für die Umgehung von der Wilferdinger Höhe ins Brötzinger Tal auf dem Tisch. Seither war die Region öfter aus dem Häuschen: Ein paarmal hieß es aufgeregt, der Bund gebe jetzt tatsächlich das Geld her für das etwa 70 Millionen Euro teure Vorhaben. Doch bisher folgte noch immer auf dem Fuß die Enttäuschung: Der Baubeginn rutschte wieder in weite Ferne.

Bildergalerie: Westtangente: Kein Anschluss unter dieser Verbindung

Wie sieht das Landesverkehrsministerium die Situation? Hinweise, der Bund stelle bald die Weichen für die Tangente, hat auch das Ministerium in Stuttgart bekommen. „Wir rechnen mit einer Zusage für dieses Straßenprojekt in Pforzheim, wir bereiten uns darauf vor, dann gleich die baureife Planung in Angriff zu nehmen“, heißt es im Ministerium. Klingt gut. Ist aber auch klar, hörte doch vor drei Wochen Minister Winfried Hermann (Grüne) bei der Freigabe der neuen A 8 in Remchingen erste Andeutungen vom Bundeskollegen Alexander Dobrindt. „Wir werden jetzt schauen, dass wir das Geld für diese wichtige Umgehung zusammenbekommen“, sagte CSU-Mann Dobrindt. Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) und Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum (CDU) waren da natürlich bester Laune. Dobrindt werde das richten, waren sich beide einig.

Bildergalerie: Bauarbeiten am Westtangenten-Knoten

Steht denn die Finanzierung? Hermann weiß, dass er sprungbereit sein muss. Denn der Bund hat 2016 zusätzlich zu den Haushaltsmitteln weiteres Geld aus einem Investitionstopf zur Verfügung. In einem Brief an Dobrindt forderte er jetzt eine „frühzeitige Mitteilung der Baufreigaben für neue Projekte“. Das sei die Voraussetzung „für eine sach- und termingerechte Umsetzung“. Wenn der Bund das Geld zur Verfügung stelle, vergingen noch ein bis zwei Jahre, bis die Bagger anrollen. So lange dauert es, bis die Ausschreibung fertig ist und die Arbeiten an die Baufirmen vergeben sind. Gleichzeitig steht auch noch der sechsspurige Ausbau der A 8 im Enztal auf dem Programm.

Bildergalerie: Bagger bereiten Bau der Westtangente vor

Hat die Westtangente höchste Priorität? Aus der Sicht des Landes: ja. Das Ministerium hat eine Rangliste für die Bundesstraßen-projekte erstellt. Inzwischen steht die bisher auf Platz 2 eingestufte Westtangente vorne. Auf Platz 1 war bisher die B 31, die Umfahrung der Innenstadt von Friedrichshafen. Vor einem Jahr gab Dobrindt aber den Startschuss für das Großprojekt am Bodensee.

Macht Dobrindt auch für Pforzheim vorzeitig das Schiff klar? Hermann sagt zornig: „Auf dem dienstlichen Weg, wie das in einer Behörde normalerweise läuft, hat uns der Bund die Freigaben bisher nicht mitgeteilt.“ Er beobachte nun „die Reiseroute von Staatssekretär Barthle durch den Südwesten“. Und: „Wir verstehen die Botschaft seiner Ziele und ziehen daraus unsere Schlüsse, wo demnächst Baufreigaben verkündet werden.“

Wer darf nun den Baubeginn ausrufen? Gespannt wartet die Region auf eine klar Aussage von Barthle am kommenden Dienstag in Pforzheim. Er spricht vor Mitgliedern der CDU-Ortsverbände – über die Verkehrsinfrastruktur. Wird das Thema damit aufs parteipolitische Gleis gesetzt? Alle sollten sich daran erinnern, wie lange der gemeinsame Weg bislang war, hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast im Vorfeld bereits moniert.

2009 ging so ein Ankündigungswirrwarr schon einmal schief. Die CDU-Größen Stefan Mappus und Gunther Krichbaum wollten dem damaligen Verkehrsminister Tiefensee (SPD) zuvorkommen und erklärten schon vor seinem Auftritt im PZ-Forum, er werde da den Bau der Westtangente bekannt geben. Doch es kam anders: Tiefensee kündigte lediglich den Bau einer Brücke an, die den Knoten der B 10 und der A8-Auffahrt verbessert. Wieder war es nichts mit der Westtangente für Pforzheim. Wie so oft eben.