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PZ Mitarbeiter Francisco Bas nutzte ein Startangebot – und kam günstig wie nie auf die Iberische Halbinsel. Foto: Ketterl
PZ Mitarbeiter Francisco Bas nutzte ein Startangebot – und kam günstig wie nie auf die Iberische Halbinsel. Foto: Ketterl
16.10.2015

Wettbewerb im Fernbusbereich: Für 4,50 Euro nach Barcelona

Für 4,50 Euro kann man eine Fünf-Zonen-Karte im Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis lösen, sich ein Frühstück beim Bäcker um die Ecke kaufen – oder mit etwas Glück nach Barcelona fahren. Das hat Francisco Bas ausprobiert. „Wir hatten davon im Radio gehört“, erinnert sich der PZ-Mitarbeiter, der sich noch immer ein wenig über das absurd billige Schnäppchen wundert – auch wenn es ein Eröffnungsangebot der neuen Strecke war. „Und dann gleich per App gebucht.“ 20 Kilogramm pro Person waren bei der Fahrt zum Familienbesuch erlaubt. 18 Stunden dauerte der Trip in die spanische Metropole, von wo aus es dann, zu normalen Preisen, weiterging.

Das Dumping-Angebot vermittelt einen Eindruck davon, welcher Konkurrenzkampf auf dem Fernbusmarkt herrscht. In diesem Fall kam Francisco Bas der Versuch, von Megabus zupass, auf dem europäischen Kontinent Fuß fassen. Auf der Insel und in Nordamerika ist das britische Unternehmen bereits etabliert – und auch dort für aufsehenerregende Kampfpreise bekannt.

Einstieg in den Busmarkt

„Solche Angebote sind jenseits jeder wirtschaftlichen Rationalität“, sagt Richard Eberhardt, Pforzheimer Unternehmer und Präsident des Internationalen Bustourismusverbands, eine Preisspirale nach unten sieht er dadurch aber nicht. „Diese sogenannten Eye-Catcher-Preise sollen eben für Aufmerksamkeit sorgen. Auch bei den Flugpreisen gibt es Angebote, bei denen es unvorstellbar ist, dass die auskömmlich sind.“

Allerdings muss man sich den Versuch, den Bekanntheitsgrad auf diese Weise zu erhöhen, erst einmal leisten können – oder es sind einfach noch mehr Plätze frei, als dem Unternehmen lieb sein kann. Die Möglichkeit, die Kosten zu senken, sind begrenzt. „Es dürfte schwer sein, jemanden zu finden, der für den Mindestlohn fährt“, sagt Eberhardt. Die Bezahlung liege deutlich höher. „Das ist absolute Unterkante.“ Und die Nachfrage nach Fahrern steige eher, als zu fallen.

Effizienz steht im Mittelpunkt

Ein Bereich mit Luft nach unten ist der Komfort. „Qualitätsunterschiede sind sicher bemerkbar“, sagt Eberhardt. Maßnahmen wie etwa enge Bestuhlung im Doppeldecker mit bis zu neunzig Plätzen spielten da eine Rolle – nicht aber die Sicherheit, betont der Verbandschef. Tatsächlich berichtet Bas von einem Team aus zwei Fahrern, die unterwegs wechseln. Unsicher habe er sich nicht gefühlt. Am Vierersitz mit Tisch in der Mitte sei es zudem unerwartet gut auszuhalten gewesen.

Der Luftweg, auf dem er sonst seinen Vater besucht, sei natürlich bequemer, sagt Francisco Bas – aber eben selbst im günstigsten Fall deutlich teurer. Ganz zu schweigen von der Fahrt mit dem eigenen Auto. Und so konnte er endlich einige Sachen mitnehmen, die er in der elterlichen Heimat gekauft hatte. Er könne sich vorstellen, noch einmal mit Bus in Richtung Süden loszuziehen – doch ganz so billig dürfte es nicht mehr werden, die Zeit der fast verschenkten Tickets ist vorbei. 40 bis 50 Euro will Megabus inzwischen für die Route, die zweimal am Tag bedient wird.