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Stadtmission Wichernhaus - Rudolf Wirtz, Giso Wege und Uli Limpf (von links)
Stadtmission Wichernhaus - Rudolf Wirtz, Giso Wege und Uli Limpf (von links)
Äpfel vor dem Wichernhaus der Stadtmission präsentiert das Leitungsteam Rudolf Wirtz, Uli Limpf und Giso Wege (von links) zum Verkauf.
Äpfel vor dem Wichernhaus der Stadtmission präsentiert das Leitungsteam Rudolf Wirtz, Uli Limpf und Giso Wege (von links) zum Verkauf.
01.01.2017

Wichernhaus hat Konjunktur

Als die Kroatin mit einem fünfjährigen Kind und schwanger aus ihrer Heimat nach Keltern zurückkommt, hat ihr Vermieter die Wohnung geräumt. Die 26-Jährige war Monate zuvor ohne Nachricht einfach verschwunden.

Dann verbringt die Frau einige Nächte in einem Pforzheimer Hotel, bevor sie in eine Wohnung des Wichernhauses eingewiesen wird, um Obdachlosigkeit zu verhindern. 160 Frauen und Männer hat die Obdachloseneinrichtung der Stadtmission an der Westlichen 120 in diesem Jahr aufgenommen. Und sie hat immer öfter mit solchen gestrandeten EU-Bürgern zu tun, deren Versorgung finanzielle Fragen aufwirft.

Wohnungen im Stadtgebiet

Denn sie hätten in den ersten Jahren ihres Aufenthalts weder Anspruch auf Sozialhilfe noch auf Krankenversicherung. Im Fall der 26-Jährigen übernehme letzteres die Stadt, sagt Gieso Wege. Der Sozialarbeiter leitet seit April zusammen mit Stadtmissionar Uli Limpf und Rudolf Wirtz (kaufmännischer Bereich) das Wichernhaus mit seinen 31 genehmigten Übernachtungsplätzen. Damals ging der langjährige Leiter Jürgen Ransiek in Ruhestand. Es gelang nicht, einen Nachfolger zu finden.

Das Sozialgesetzbuch biete Hilfen zur Überwindung besonderer Schwierigkeiten nach den Paragrafen 67,68 und 69 an, so Wege. Ob der aber auch für diese EU-Bürgerin gelte, sei unklar. Das Haus verliert nach Ansicht der Verantwortlichen immer mehr an Bedeutung für Not-Übernachtungen. Dafür hält das Wichernhaus inzwischen mehrere Wohnungen und Häuser im Stadtgebiet bereit. Jetzt soll ein weiteres in Ispringen dazukommen, in dem auf drei Etagen je zwei Einzelzimmer plus Gemeinschaftsräume für eine ambulante Versorgung entstehen. Die Bewohner leben selbstbestimmt, können aber bei Bedarf auf einen Sozialarbeiter zurückgreifen.

Auch die anerkannten Flüchtlinge treten als Personengruppe immer stärker in Erscheinung und Limpf glaubt, dass sich der Trend verstärken könnte. Auch da gelte es, die rechtlichen Zuständigkeiten zu klären. Die Fachstelle im Haus hat im laufenden Jahr rund 900 Hilfesuchende beraten und in manchem Fall drohende Räumungsklagen verhindern können. Der Beratungstreff in der Siedlung Eutinger Tal kann ebenfalls mit einer von der Stadt bezuschussten Stelle den Bewohnern als Anlaufstelle dienen.

Wie es mit den Beschäftigungsprojekten weitergeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Das Abernten der 1000 Apfelbäume in Bauschlott, das vor allem mit Ransiek einherging, sei nicht jedermanns Sache, sagt Limpf. Zur Arbeit zwingen könne er keinen. Mit dem Wechsel der Mitarbeiter im Haus denken die Verantwortlichen jetzt über das Herstellen von Holzbänken in der Werkstatt und mehr Entrümpelungen nach.

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