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Nach dem 23. Februar 1945 bot sich am einst eng bebauten Schloßberg (links der Bezirksamtsturm, rechts der Leitgastturm) eine Trümmerwüste. Foto: Stadtarchiv
Nach dem 23. Februar 1945 bot sich am einst eng bebauten Schloßberg (links der Bezirksamtsturm, rechts der Leitgastturm) eine Trümmerwüste. Foto: Stadtarchiv
Der Denkmalexperte Emil Lacroix (rechts) und der Bildhauer Oskar Loos auf der noch dachlosen Schloßkirche. Foto: Stadtarchiv
Der Denkmalexperte Emil Lacroix (rechts) und der Bildhauer Oskar Loos auf der noch dachlosen Schloßkirche. Foto: Stadtarchiv
Unter großer Teilnahme der Bevölkerung konnte die Schloß- und Stiftskirche St. Michael am 22. September 1957 wieder eingeweiht werden. Foto: Stadtarchiv
Unter großer Teilnahme der Bevölkerung konnte die Schloß- und Stiftskirche St. Michael am 22. September 1957 wieder eingeweiht werden. Foto: Stadtarchiv
14.09.2017

Wie Phönix aus der Asche: Schloß- und Stiftskirche St. Michael vor 60 Jahren wieder eingeweiht

Pforzheim. Als die 368 Flugzeuge der Royal Air Force am Abend des 23. Februar 1945 bei ihrem Angriff auf Pforzheim ihre zerstörende und tödliche Fracht von über 1300 Tonnen Spreng- und Brandbomben abgeworfen hatten, lagen weite Teile in Schutt und Asche. In dem Inferno fanden unter Trümmern in der Flammenhölle rund 17 600 Menschen den Tod. Auch Kulturdenkmale waren an jenem Freitagabend bei diesem verheerenden Einsatz der Alliierten nicht ausgenommen worden – auch nicht die Schloß- und Stiftskirche St. Michael, Pforzheims „steinernes Geschichtsbuch“ und Begräbnisstätte das badschen Markgrafenhauses (von 1535 bis 1860).

Nachdem die französische Besatzung im Juli 1945 durch US-Truppen abgelöst worden war, erwies es sich als ein Glücksfall, dass der in Karlsruhe ansässige zuständige Kommandeur William Buchwalter van Nortwick und Robert B. Little, der Chef der Militärregierung in Pforzheim, ein großes Verständnis für Denkmalpflege hatten. Alfred Kirchenmaier, der als ehrenamtlicher Denkmalpfleger schon vor dem Krieg tätig war, erhielt den Auftrag, einen ausführlichen Bericht über den Grad der Zerstörungen an den wichtigsten Kunstdenkmälern im Stadt- und Landkreis Pforzheim zu erstellen. Über die Schloß- und Stiftskirche St. Michael – die Ursprünge des heutigen Baus gehen auf um das Jahr 1200 zurück, in der Sakristei befand sich die Bibliothek des Humanisten Johannes Reuchlin (1455–1522), und hier wurde 1556 für Baden die Reformation ausgerufen – notierte Kirchenmaier in seinem Kriegsschadenbericht vom 10. September 1945: „Schwerste Sprengbomben-Einschläge in nächster Nähe und Brandmittel haben die Schloßkirche zur Ruine gemacht. Die Umfassungsmauern stehen noch. Das Dach mit seinem berühmten Gebälk ist weggebrannt. Über den Haupt-, den Seitenschiffen und nördlichen Diagonalchor hielt das Deckengewölbe, über dem Chor-Quadrat, dem Stiftschor, dem südlichen Diagonalchor und der Margaretenkapelle ist es heruntergestürzt. In die Kapelle von 1487 stürzten zugleich auch schwere Mauer-Quadersteine . . . meterhoher Schutt und Trümmerstücke liegen in den Räumen ohne Decke. Die Westfassade ist erhalten, ebenso der Turm, beide bis zum Dachansatz, auch die Südfassade mit dem Rosettengiebel, die nördlichen und südlichen Gadenfenster und -wände. Total zerstört ist die Sakristei mit dem ganzen Inhalt der Reuchlin-Kammer, der Lettner ist beinahe vernichtet, Teile seine Architektur und die zerschlagene Petrusfigur liegen im Trümmerhaufen. An verschiedenen Stellen ist das Steingefüge der Kirche innen und außen stark erschüttert und hat Risse . . . dank der Bemühungen von Dr. Lacroix vom Badischen Landesdenkmalamt sind die an der Stifts-Chor-Wand und auf dem Fußboden eingemauerten monumentalen Epitaphien und die Tumba des Markgrafen Ernst erhalten geblieben, die dort nicht eingemauerten erlitten schwere Schäden . . . “ Grabsteine im Innern der Schloßkirche waren teilweis rauchgeschwärzt, die Schrift abgeblättert, die Kruzifixe aus dem
16. Jahrhundert waren vernichtet, Grabsteine am Außenbau waren umgestürzt und zerbrochen. Unberührt bleiben die vermauerten Gruftgänge und die beiden Räume mit den Särgen, in denen Mitglieder des Hauses Baden bestattet sind.

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