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Thomas Rampp, Leiter des Instituts für Naturheilkunde, traditionelle Chinesische und Indische Medizin der Kliniken Essen-Mitte, beschreibt, wie man die Heilkraft des Wassers im Alltag nutzen kann.  Foto: Gleiser 
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Schluck um Schluck sich selbst Gutes tun: Wasser sei ein Trainingspartner und Reinigungsmittel für den menschlichen Körper, sagt der Naturheilkundler, der die Wassermedizin als Ergänzung zur Schulmedizin sieht.  Foto: Klose 

„Wie Wasser heilt“, verrät der Mediziner Dr. Thomas Rampp im PZ-Autorenforum

Seine Botschaft ist klar: Man sollte die heilende Kraft des Wassers viel öfter nutzen, um gesund zu werden oder zu bleiben, sagt Thomas Rampp. Am Donnerstag, 19. März, kommt der Leiter des Instituts für Naturheilkunde, traditionelle Chinesische und Indische Medizin an den Kliniken Essen-Mitte nach Pforzheim und stellt im PZ-Forum sein Buch „Wie Wasser heilt“ vor. Im Interview zeigt er die vielen Facetten des Wassers auf und sagt auch, was der bewusste Verzehr von Avocados mit einem verantwortungsvollen Umgang mit dieser kostbaren Ressource zu tun hat.

PZ:Herr Dr. Rampp, wieviel Wasser haben Sie Ihrem Körper heute schon gegönnt?

Dr. Thomas Rampp: Da dieses Interview am Morgen stattfindet, habe ich bisher einen halben Liter Wasser getrunken, gleich nach dem Aufstehen zimmerwarm in kleinen Schlucken auf nüchternen Magen im Sinne der japanischen Wasserkur.

Sie sagen, Wasser sei das beste Medikament der Welt. Warum?

Es gibt Wasser von innen und von außen, kalt oder warm, Wasser flüssig, fest oder als Dampf, Wasser als Getränk, Einlauf oder Wickel, Wasser als Trainingspartner und Reinigungsmittel. Die Liste kann noch weiter fortgeführt werden, und hinzukommt, dass Waser in vielen Gegenden zum Glück auch noch ausreichend und preisgünstig zur Verfügung steht.

Inwieweit spielt Ihre eigene Biografie eine wichtige Rolle für den Stellenwert des Wassers in ihrer beruflichen Laufbahn?

Im „Kneippland Unterallgäu“, wo ich aufgewachsen bin, war der Wasserdoktor allgegenwärtig. Die Leute kannten viele Zitate von Kneipp, und zahlreiche Orte verfügen über Kneippsche Wassertret-Anlagen. Meine Mutter schwamm bis ins hohe Alter im kalten See, und meine Großeltern fuhren jedes Jahr zur Kneippkur mit ihren Wasseranwendungen.

Sind das die Gründe dafür, dass sich das weitaus größte Kapitel in Ihrem Buch der Kneippschen Lehre widmet?

Die tiefe Überzeugung Kneipps, dass körperliche und seelische Gesundheit untrennbar miteinander verbunden sind und seine pragmatische, naturverbundene Art, gesundheitliche Probleme anzugehen, haben mich nachhaltig geprägt. Er war tatsächlich ein Visionär, und insbesondere heutzutage kann seine Lehre in idealer Weise zur Lösung der Probleme unserer modernen Lebensweise beitragen.

Inwieweit kann naturheilkundliche Wassermedizin eine Ergänzung zur Schulmedizin sein?

Einfache Kneippsche Wasseranwendungen kann jeder problemlos zuhause durchführen, die japanische Wasserkur zur Stoffwechselentlastung und Vitalisierung ist kinderleicht. Einläufe, Meeresrauschen, Aquafitness und Co. sind effektive Selbsthilfe-Strategien und von jedermann leicht nutzbar.

Warum beleuchten Sie in Ihrem Buch alle Facetten, die mit Wasser zu tun haben?

Die Erdoberfläche besteht zu zwei Dritteln aus Wasser, und auch der menschliche Körper besteht zu zwei Dritteln aus Wasser. Wir sind auf Wasser angewiesen, ohne Wasser verdursten wir nach kurzer Zeit. Das Leben und somit auch der Mensch kommen aus dem Wasser, und wir wachsen bis heute im Mutterleib in einer wässrigen Lösung heran. Die Menschheitsgeschichte ist also untrennbar mit dem Element Wasser verknüpft.

Wieso spielt das Wasser in anderen Kulturen wie der indischen und chinesischen Medizin eine größere Rolle als bei uns?

Es handelt sich dabei um traditionelle Heilverfahren, deren Denkweisen noch sehr naturverbunden und alltagsorientiert sind. Der Mensch ist dabei Teil einer universellen Ordnung, die im Einklang mit der Natur und den Elementen sein soll, und hierzu zählt auch das Element Wasser.

Nehmen wir Wasser vielleicht auch als viel zu selbstverständlich hin, weil es für uns jederzeit in bester Qualität verfügbar ist?

Ich denke, das ist bisher so gewesen. Seit den trockenen Sommern der letzten Jahre jedoch ist vielen Menschen bewusst geworden, dass es auch in unserer Region zu Wasserknappheit kommen kann.

In ihrem Buch spielt Wasser ja nicht nur als Heil- und Nahrungsmittel eine Rolle, sondern Sie machen auch auf die Nutzung für wirtschaftliche Zwecke aufmerksam. Was ist ihr Appell?

Aus dem Mittelalter kennen wir den Begriff der Allmende. Mit diesem bezeichnet man Nutzflächen und Ressourcen – unter anderem auch Wasser–, die im Besitz der Allgemeinheit stehen. Wer heute den Zugang zum Wasser regelt, entscheidet über Sein und Nichtsein. Was passiert, wenn dies ausschließlich private Unternehmen sind, die das Wasser nicht deshalb bereitstellen, weil es zum Leben gebraucht wird, sondern nur dann, wenn es sich gewinnbringend verkaufen lässt? Lebenswichtige Gemeingüter wie Wasser sollten daher nicht nur durch eine reine Marktlogik verteilt werden, sondern öffentlicher und demokratischer Kontrolle unterliegen.

Wie können wir alle einen Beitrag leisten für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser?

Wir alle können im Alltag Wasser einsparen. Das fängt bei der Klosett-Spülung an, geht weiter mit dem täglichen Duschen und setzt sich beim Einkaufen fort. Für ein Kilo Rindfleisch werden je nach Erzeugung bis zu 15.000 Liter Wasser benötigt, 1000 Liter für zwei bis drei Avocados und 11.000 Liter für ein Kilogramm Baumwolle. Es gibt also sehr durstige Lebensmittel und sehr durstige Alltagsgüter, dem könnten wir beim täglichen Einkauf zumindest etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.

Auf was dürfen sich die Besucher des PZ-Forums freuen?

Da es ja um das Thema Wasser geht, denke ich, dass der Abend nicht allzu trocken wird und für jeden Besucher etwas dabei ist. Um es mit einem Zitat von Kneipp zu sagen: „Lernt das Wasser richtig kennen, und es wird euch stets ein verlässlicher Freund sein.“

Eintrittskarten

für Thomas Rampp am Donnerstag, 19. März, ab 19 Uhr im PZ-Forum (Ecke Post-/Luisenstraße) gibt es für neun Euro (sechs Euro mit PZ-Abocard) telefonisch unter (0 72 31) 93 31 25 oder online unter www.pz-forum.de.

Nicola Arnet

Nicola Arnet

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