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10.07.2008

Wie sieht das Auto der Zukunft aus? - Pforzheimer Studenten zeigen, wie sich Fahrspaß und Ökologie verbinden lassen

PFORZHEIM. In ihrer Ausstellung „Transportation Design“ im CongressCentrum Pforzheim beweisen Studenten der Hochschule Pforzheim: Im Fahrzeugbau kann umweltbewusste Technik mit ästhetischem Design und Spaß am Fahren unter einen Hut gebracht werden. Denn in der Zukunft ist alles möglich.

„Der Nomade“ heißt das VW-Modell von Peter Galek. Er studiert an der Pforzheimer Hochschule im siebten Semester „Transportation Design“. Für zwei Tage werden im CongressCentrum Pforzheim die Projekte von ihm und seinen Kommilitonen präsentiert. Dahinter steckt die Arbeit mehrerer Monate – Arbeit, die bis zur letzten Sekunde andauert. Am Freitag wird die Ausstellung eröffnet. Donnerstag Vormittag herrscht immer noch geschäftiges Treiben in den Räumen. Es wird geschraubt, geklebt, gebastelt – solange noch Zeit ist.

Die Studenten haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen, und zugleich die Realität, vor allem die Realität der Zukunft, im Auge behalten. Galek beispielsweise, baut sein Modell auf der Tatsache auf, dass die Welt sich verändert und zusammenrückt. „Die Globalisierung ist ein wichtiges Thema und das möchte ich hiermit umsetzen“, erklärt er.

„Was passiert, wenn kein Öl mehr da ist?“

„No fuel left for burning“ lautet der Name eines anderen Projekts. Dessen Erschaffer heißt Adrian Egger und präsentiert mit diesem Modell seine Diplomarbeit. „Stressig bis zum Schluss“ sei es, meint er – denn schließlich geht es hier nicht nur um die Zukunft des Fahrzeugbaus, sondern auch um die eigene Zukunft. Die Studenten möchten mit ihren Arbeiten die zukünftigen Arbeitgeber auf sich aufmerksam machen. Der Gedanke dieses Modells beschäftigt sich mit der Batterie. Der Verbrennungsmotor war gestern. „Batterien sind die Zukunft“, erklärt Egger voller Überzeugung. „Nur die Reichweite muss noch erweitert werden“, fügt er hinzu. Und genau das will seine Idee erzielen.

„Was passiert, wenn kein Öl mehr da ist?“, war die Frage, die er sich zu Beginn gestellt hat und die hier, in den Räumen des CongressCentrum Pforzheims, beantwortet wird. Er hat bereits recht konkrete Vorstellung, wann das Modell zum Einsatz kommen wird. Seine Arbeit sei „angelegt auf das Jahr 2025“. „Es hängt viel von der Entwicklung der Technik ab. Aber rein formal wäre es möglich.“ Und er ist überzeugt: „Das Auto hat definitiv eine Zukunft. Aber nicht in der Form, wie es heute existiert.“

Soziale Akzeptanz und Spaß am Fahren

Originell sind nicht nur die Ideen, sondern auch die Titel. „2W“ benannte Diplomand Florian Dobe sein Audi-Modell. Um Missverständnisse zu vermeiden, steht darunter in kleiner Schrift und eckiger Klammer: „to double you“. „Mein Auto hat zwei Modi“, erläutert Dobe. „Für den sportlichen Fahrstil, bei der sportiv-extrovertierten Version stehen die Räder offen. Langen und entspannten Fahrten dient der zweite Modus: Der ist strömungsgünstig, sorgt für Nachhaltigkeit, Gesundheit und Umweltfreundlichkeit.“ Zukunftsfähig sei sein Modell durchaus, sagt der Erfinder, setzt jedoch einschränkend hinzu: „In den nächsten zehn Jahren wird es allerdings wohl eher nicht auf den Straßen zu sehen sein.“

Einer ähnlichen Thematik widmet sich Ingo Scheinhütte. Sein Modell ist ein Porsche – und er weiß um die aktuelle Brisanz dieser Automarke. Folgerichtig heißt seine Arbeit: „Nummer 2. Die Porsche Kernwerte in Zeiten der CO2 Diskussion“. Denn er will zwar nicht die eierlegende Wollmilchsau erfinden, jedoch ein Auto, das die sportliche mit der umweltbewussten Fahrweise verbindet. „Wir müssen verzichten bei gewissen Sachen“, sagt er und meint damit vor allem eines: „Luxus.“ Im Vordergrund solle „das ursprüngliche Fahrerlebnis stehen, der Spaß auf der Straße.“ 20fache CD-Wechsler und anderer Firlefanz bleiben dabei auf der Strecke – ohne, dass ihnen eine Träne nachgeweint wird. Scheinhütte weiß: Anders geht es nicht. „Wenn nicht der deus ex machina kommt und alle unsere Umweltprobleme löst, dann wird dies das Auto der Zukunft sein.“ Ein Sportwagen, der dem Besitzer immerhin zweierlei bringt: „Spaß – und soziale Akzeptanz“.

Die Rolle der Ästhetik

Autos, die sowohl dem Fahrer als auch der Umwelt Freude bereiten. Was will man mehr? Den Studenten der Hochschule Pforzheim ist das bei weitem nicht genug. Denn für sie geht es nicht nur um Technik und Ökologie, sondern auch um den äußeren Glanz. Als zukünftige Kfz-Designer möchten sie die Zukunft nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch schöner gestalten. Und die Ästhetik spielt „eine große Rolle“, wie Lutz Fügener betont. Der Pforzheimer Professor für Transportation Design zeigt sich „sehr zufrieden mit den Ergebnissen, die man bisher sieht“ – auch unter ästhetischen Gesichtspunkten. „Wir befinden uns in einem revolutionären Prozess des Fahrzeugbaus.“

Seine Studenten sehen das genauso. „Dem Designer bieten sich neue Chancen durch die neuen Techniken. Der Verbrennungsmotor ist ausgereizt – durch das elektronische Modell haben wir ganz neue Wege“, erklärt Egger. „Das gibt eine neue Art der Dynamik für die Ästhetik, die der Schwere, die sich entwickelt hat, entgegenwirkt“, begeistert sich Scheinhütte über das unendliche Feld der Möglichkeiten, das die Zukunft vor ihm und seinen Kommilitonen ausbreitet. Auch für Dobe spielt die Ästhetik eine große Rolle. Er hat jedoch vor allem einen Anspruch: „Ich will nicht irgendetwas transformieren, nur aus Styling-Gründen. Das muss schon auch sinnvoll sein.“

Und genau hierin liegt die Faszination dieser Modelle. Dass Zweckmäßigkeit und Umweltbewusstsein mit solch ästhetischer Futuristik verbunden wird, ist selten. Fügener bringt es auf den Punkt: „Was man den Menschen verkaufen will, muss sie emotional anrühren.“