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In Heilbronn ist ein 31-Jähriger in einer Ausnüchterungszelle der Polizei gestorben. Der Pforzheimer Fall ist mittlerweile aufgeklärt.
In Heilbronn ist ein 31-Jähriger in einer Ausnüchterungszelle der Polizei gestorben. Der Pforzheimer Fall ist mittlerweile aufgeklärt. © dpa-Archiv
16.06.2010

Wieder Tod in Arrestzelle - Pforzheimer Fall aufgeklärt

HEILBRONN/PFORZHEIM. In einer Ausnüchterungszelle des Heilbronner Polizeireviers ist am Montagmorgen ein 31-jähriger Festgenommener gestorben. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen derzeit von einer natürlichen Todesursache aus. Erst im März war in Pforzheim ein 43-Jähriger in der Arrestzelle gestorben – das Gutachten zu diesem Todesfall ist nun bei der Pforzheimer Staatsanwaltschaft eingegangen.

Der 43-Jährige war betrunken auf einem Gehsteig in Pforzheim entdeckt und in eine Ausnüchterungszelle des Polizeireviers Pforzheim-Nord gebracht worden. Dort starb er an einer Lungenentzündung. Das Gutachten der Gerichtsmedizin in Heidelberg kommt nun laut Christoph reichert, Oberstaatsanwalt in Pforzheim, zu dem Ergebnis, dass den Polizeibeamten nichts vorgeworfen werden könne. „Der Mann ist laut Rechtsmedizin an einer Lungenentzündung gestorben, die aufgrund seiner starken Alkoholisierung für die Polizisten nicht erkennbar war“, sagt Reichert. Der Vorfall werde also keine Strafrechtlichen Konsequenzen haben. Vor zwei Jahren war ebenfalls ein Betrunkener in der Ausnüchterungszelle des Polizeireviers Pforzheim-Nord gestorben – damals hatte der Rentner einen Herzinfarkt erlitten, obwohl ihm zuvor die Haftfähigkeit bescheinigt wurde.

Der Mann, der nun in Heilbronn starb, wurde nach Angaben der Polizei in der Nacht zum Montag im Stadtgebiet Heilbronn von einer Polizeistreife kontrolliert. Dabei stellten die Beamten fest, dass gegen ihn ein Vollstreckungshaftbefehl vorlag. Der 31-Jährige war wegen Diebstahls zu vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Deshalb wurde er festgenommen. Da ein Atemalkoholtest einen Wert von knapp über zwei Promille ergab, wurde er zunächst zur Ausnüchterung in einer videoüberwachten Zelle des Heilbronner Polizeireviers untergebracht. Bei den regelmäßigen Zellenkontrollen, die sowohl persönlich als auch über den Bildschirm erfolgten, bemerkten die diensthabenden Beamten an dem Mann nichts Auffälliges. Um 5.55 Uhr schlief der 31-Jährige auf der Liege, drei Minuten später war auf dem Bildschirm der Wache zu sehen, dass er plötzlich auf dem Boden lag. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und des Notarztes reanimierten Polizeibeamte den Mann, der nicht mehr atmete. Trotz weiterer Maßnahmen der Sanitäter konnte der Notarzt kurz darauf nur den Tod feststellen.

Inzwischen liegt der vorläufige Obduktionsbericht vor. In diesem gehen die Gerichtsmediziner von einem natürlichen Tod aus. Offensichtlich handelte es sich um ein Herzversagen aufgrund von Vorerkrankungen in Verbindung mit einer Viruserkrankung. Auf Weisung der Landespolizeidirektion Stuttgart wurde die Kriminalpolizei Ludwigsburg mit der weiteren Bearbeitung des Falles betraut.