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Förster Carsten Schwarz leitet seit 2003 den Wildpark Pforzheim – die größte Tourismus-Attraktion der Goldstadt.  Foto: Meyer
Förster Carsten Schwarz leitet seit 2003 den Wildpark Pforzheim – die größte Tourismus-Attraktion der Goldstadt. Foto: Meyer
In den Narkosepfeil zieht Carsten Schwarz die individuell auf jede Tierart abgestimmte „Hellabrunner Mischung“, die möglichst schonend betäuben soll. Foto: Meyer
In den Narkosepfeil zieht Carsten Schwarz die individuell auf jede Tierart abgestimmte „Hellabrunner Mischung“, die möglichst schonend betäuben soll. Foto: Meyer
Trifft die Pfeilspitze auf, spritzt das Narkosemittel unter dem Plastikteil heraus.  Foto: Meyer
Trifft die Pfeilspitze auf, spritzt das Narkosemittel unter dem Plastikteil heraus. Foto: Meyer
Am Nanometer wird der Luftdruck für den Schuss individuell eingestellt.  Foto: Meyer
Am Nanometer wird der Luftdruck für den Schuss individuell eingestellt. Foto: Meyer
Pfeil, Narkosemittel, Dosierungstabelle – das Zubehör fürs Betäubungsgewehr.  Foto: Meyer
Pfeil, Narkosemittel, Dosierungstabelle – das Zubehör fürs Betäubungsgewehr. Foto: Meyer
Geschossen wird per Druckluftpatrone. Foto: Meyer
Geschossen wird per Druckluftpatrone. Foto: Meyer
02.02.2018

Wildpark-Förster Carsten Schwarz: Der Mann mit der fliegenden Spritze

Pforzheim. Wenn Förster Carsten Schwarz gerade auf Jagd geht, hat er keine Trophäen im Visier. Er sitzt auch nicht auf dem Hochsitz und sein Schuss tötet nicht. Schwarz ist mit dem Betäubungsgewehr unterwegs. Sein Ziel: Schottische Hochlandrinder. Drei von vier von einer Weide zwischen Neuhausen und Lehningen entlaufene Rinder konnte er zwischen Nagold und Würm bereits narkotisieren – Basis für den schonenden Rücktransport der Ausreißer in den Stall.

„Das vierte Tier taucht sicherlich bald wieder auf. Da muss man Geduld haben“, sagt. Schwarz. Der Leiter des Wildparks kennt sich aus mit den zotteligen Wesen mit den großen Hörnern. Im Wildpark leeren Mutige den Inhalt ihrer Futterbecher auf die lange ausgerollte Zunge der sanften Riesen. „Die Tiere sind friedlich und gemütlich“, weiß Schwarz. Eine direkte Gefahr für den Menschen gehe nicht von ihnen aus, da sie so scheu seien, dass sie in freier Natur dem Menschen lieber aus dem Weg gehen.

Schuss aus dem Auto

Das muss der Jäger bedenken, wenn er sie einfangen will. Vergangene Woche wurde er nach Neuhausen-Steinegg gerufen. Die Polizei wurde über die Sichtung eines Hochlandrindes informiert. Doch wie macht man dem Wiederkäuer klar, dass er in eine Transportbox laufen muss? Für die Polizei ist klar: Das zottelige Rind ist eine potenzielle Gefahr – nicht für Passanten, aber für den Straßenverkehr. Also muss es zurück in den Stall. Für das Tier am wenigsten aufregend geht das per Narkosepfeil. Doch als Schwarz bei Steinegg mit dem Betäubungsgewehr aus dem Auto steigen wollte, reagierte das Hochlandrind mit einer Fluchtbewegung. Also stieg er wieder ein, fuhr dem Tier langsam entgegen und konnte dann aus nächster Nähe aus dem Auto den Narkosepfeil abschießen.

Oft läuft es anders. Da muss sich der Wildpark-Förster anschleichen, die Windrichtung prüfen, jeden Baum als Deckung wählen. „Man muss vorausahnen, was das Tier als nächstes macht, wo es sich hinwendet“, sagt Schwarz. „Maximal 20 Meter Abstand“ will er zu den Rindern haben, wenn er abdrückt. Denn nur wenn der Narkosepfeil optimal auftrifft, stellt sich der gewünschte Betäubungszustand ein.

Ganz andere Flugbahn

Ganz optimal lief der Schuss aufs dritte Hochlandrind nicht. Es wollte einfach nicht eindösen. Bevor es wegrennen und den Verkehr gefährden konnte, hielt es Schwarz am Schwanz fest. Mit dem Ergebnis, dass er übers Feld gezogen wurde. Aber am Ende klappte der Transport im Hänger problemlos.

Vom Hochsitz aus einen Keiler auf 150 Meter zu treffen, sei nicht so schwierig. Die Kugel laufe ja mit hoher Geschwindigkeit in einer recht geraden Flugbahn. „Die fliegende Spritze“, so Schwarz über den Narkosepfeil mit dem roten Puschel am hinteren Ende, fliege ungleich langsamer und in einem Bogen. Hinzu kommt: Der Pfeil fliegt durch Luftdruck. Den muss der Schütze am Gewehr exakt einstellen.

Und es wird noch komplizierter: Schwarz hat zwar eine Tabelle, um seine „Hellabrunner Mischung“, so heißt das Narkosemittel, auf jede Tierart speziell einzustellen, doch nicht jedes Tier ist gleich groß und gleich kräftig. Hat es viel Stress? Dann muss der Wildpark-Förster etwas anders dosieren. Fliegt der Pfeil daneben, sind 30 Euro für den Narkosemix verschwendet und oft auch die Chance auf einen zweiten Schuss. Auf sechs Treffer, so Schwarz, käme etwa ein Fehlschuss.

Im Wildpark kennen die Tiere schon den schlanken Blonden. Wenn er mit dem Betäubungsgewehr herumläuft, ahnen manche, dass da etwas auf sie zukommen könnte. Dann ziehen sie sich im Gehege zurück. Oft bleibt dann nur ein Schuss aus dem Auto. Aber Schwarz versucht, „die fliegende Spritze“ möglichst zu vermeiden. Manchmal muss es jedoch sein, wenn zum Beispiel der Tierarzt untersuchen muss.

Im Facebook-Livevideo mit PZ-news-Redakteur Thomas Kurtz erzählt der Wildpark-Förster, worauf es beim Schießen mit dem Betäubungsgewehr ankommt und wie er mit solch einer Situation umgeht.

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