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Unschöne Bescherung: Hans-Peter Stanger am Rande des Bolzplatzes an der Glogauer Straße, der saumäßig umgepflügt wurde.  Foto: Ketterl
Unschöne Bescherung: Hans-Peter Stanger am Rande des Bolzplatzes an der Glogauer Straße, der saumäßig umgepflügt wurde. Foto: Ketterl
28.02.2016

Wildschweine kommen Wohngebiet im Haidach ganz nah

Was einmal eine Wiese war, gleicht einem Acker: Aufgewühlt und umgegraben haben Wildschweine einen Bolzplatz im Haidach an der Glogauer Straße. Bis hier wieder Kinder Fußball spielen können, wird es noch eine Weile dauern. Im Frühjahr will sich die Stadtverwaltung daran machen, den Schaden zu beheben. Eine Garantie dafür, dass der Platz dann heil bleibt, gibt es nicht.

Wie unerschrocken sich die wilden Wühler am Waldrand nahe dem Wohngebiet bewegen, weiß Eugen Schweizer zu berichten. Als der Anlieger jüngst um 2 Uhr noch einmal mit dem Hund seine Runde drehte, hatte er eine Begegnung der tierischen Art. Nur etwa 20 Meter von ihm entfernt hätten sich Schwarzkittel getummelt. Anstalten, vor Hund und Herrchen Reißaus zu nehmen, machten sie nicht. Erst als er laut gerufen habe, sei die Rotte weggetrottet, erzählt Schweizer.

Seit dem Herbst nähmen die Sauen den Bolzplatz ins Visier. Schweizer tun die Kinder leid, die nun nicht mehr kicken können. In diesem Bereich gebe es ohnehin nicht viele Möglichkeiten für Sport und Spiel. Hans-Peter Stanger bestätigt die Beobachtungen des Nachbarn: Immer öfter seien schon bei Einbruch der Dämmerung Wildschweine auszumachen.

Jäger haben’s schwer

Das Problem ist nicht neu. „Schweine wüten wie die Sau“, hatte die PZ bereits Mitte Dezember getitelt. Ähnliche Gräben wie nun an der Glogauer Straße taten sich am Großen Lückenweg auf. Die Wildschwein-Population sei „ein Stück weit außer Kontrolle geraten“, hatte Wildpark-Förster Carsten Schwarz auf PZ-Nachfrage betont. Ähnlich heftig wie beim letzten Höchststand vor einigen Jahren sei der Bestand explodiert. Laut Markus Haller, dem Leiter des Amts für Umweltschutz, sind die Sauen Gewinnler des Klimawandels und den damit einhergehenden milden Wintern.

Da Jäger auf Hilfsmittel wie Nachtsicht-Zielfernrohre verzichten müssen und auf reflektierenden Schnee sowie auf helle Mondphasen angewiesen sind, haben Schweine oft freie Bahn – obwohl die Jäger nach Hallers Angaben alles in ihrer Macht Stehende geben.

Im Frühjahr, sagt der städtische Sprecher Philipp Mukherjee, werde das Grünflächen- und Tiefbauamt den Bolzplatz richten lassen. Der Schaden müsse noch inspiziert werden, aber man gehe davon aus, dass der Rasen neu eingesät werden muss. Nach ersten Schätzungen könnten die Kosten 1000 bis 2000 Euro betragen.

Grundsätzlich könnten solche Flächen mit einem elektrisch aufgeladenen Weidezaun geschützt werden. Doch in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet und auf einem von Kindern genutzten Terrain sei dies nicht möglich. Auch ein normaler, ein bis eineinhalb Meter hoher Zaun, wie er andernorts zum Einsatz kommt, sei an der Glogauer Straße keine Option, weil sonst auch die jungen Fußballer nicht mehr auf das Gelände gelangen könnten. Man müsste selbstschließende Tore anbringen. „Aber die Tiere sind so intelligent, die kriegen die Tore auf“, weiß Mukherjee. Bleibt also nur, den Schaden zu beheben und zu hoffen, dass die Sauen künftig wieder im Wald oder auf anderem Terrain auf Futtersuche gehen.

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