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Winterreifenpflicht - In Deutschland werden Winterreifen knapp © dpa
03.12.2010

Winterreifenmangel nach beschlossener Winterreifenpflicht

BONN/PFORZHEIM. Ist das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht: Passend zur Winterreifenpflicht, die am Samstag in Deutschland in Kraft tritt, werden die Winterreifen knapp. Schuld sind die große Nachfrage – und die Hersteller, die bereits Sommerreifen produzieren. So ist das, wenn gleich zwei Ereignisse aufeinandertreffen. Etwa die beschlossene Winterreifenpflicht und der Wintereinbruch.

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Die lange erwartete Winterreifenpflicht tritt an diesem Samstag in Kraft. Sie wurde diesen Freitag im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Demnach müssen bei Schnee, Eis und Matsch alle Autos Winterreifen oder Allwetterreifen mit dem Matsch- und Schnee- Symbol haben. Sonst drohen Bußgelder von bis zu 80 Euro. Dann hat seit Mittwochabend auch noch der Winter mit Wucht eingeschlagen und jede Menge Schnee gebracht. Beides zusammen hat einen Ansturm auf Winterreifen einsetzen lassen, der so groß ist, dass die Pneus auszugehen drohen. Dazu kommt noch die enorme Nachfrage am Neuwagenmarkt. Die Autohersteller produzieren mit Vorlaufzeiten von mehreren Monaten – deshalb stellen die Reifenfabrikanten im Moment vor allem Sommerreifen her. Zumindest in Pforzheim und dem Enzkreis scheinen die Autofahrer aber gut gerüstet zu sein. Auf schneeglatter Fahrbahn ereigneten sich bis gestern nur sieben Unfälle in Pforzheim und dem Enzkreis, alle verliefen glimpflich. Insgesamt starteten die Autofahrer in der Region ohnehin recht diszipliniert in den Winter. Bei einer Stichprobe an der Autobahn-Raststätte hat die PZ auch kein Auto mehr mit Sommerreifen entdeckt.

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Alle, die bereits umgerüstet haben, dürfen sich glücklich schätzen. Denn wenn eine Ware rar wird, wird sie auch teuer. Und so müssen Käufer mit Preisaufschlägen von bis zu 70 Prozent rechnen, sagt Tanja Koch, Geschäftsführerin beim Pforzheimer Reifenhändler Gross. Einige Reifengrößen fallen für diesen Winter völlig flach. Auch Runderneuerte seien keine günstige Alternative, denn die Kosten einer qualitativ hochwertigen Aufbereitung lägen nur wenig unter jenen von Neureifen. Für Besitzer von Zweitwagen sei die beste Alternative daher, den Wagen einfach stehen zu lassen.

„Die Kunden fallen aus allen Wolken“, sagt Jürgen Trick, Geschäftsführer bei Reifen Pfisterer, von den Reaktionen auf den unerwarteten Preisaufschlag. Ein Billighersteller verlangte für seine Reifen gar den doppelten Preis der Michelin-Pendants. Allerdings beträfen die Schwierigkeiten vorwiegend exotischere Modelle. Die meisten gängigen Fahrzeuge könnten ohne Schwierigkeiten versorgt werden. Aber auch wenn die meisten Typen noch auf Lager sind, rät Trick seinen Kunden, Reifen zu kaufen, solange sie verfügbar sind.

Der Grund für die Reifenknappheit ist dabei durchaus erfreulich: die positive Entwicklung in der Autoindustrie. Der Aufschwung habe die Reifenhersteller überrascht, so Hans Herrmann, Geschäftsführer beim Autozentrum Dobler. Nach der Rezession des Vorjahres habe die Automobilbranche unerwartet schnell und stark an Schwung gewonnen und nach Reifen für Neufahrzeuge verlangt. Die hierauf verwendeten Kapazitäten fehlten der Reifenindustrie allerdings bei der Produktion von Winterreifen für den Einzelhandel, die daher nur sehr verzögert anlief. Dennoch seien 95 Prozent der Reifentypen verfügbar, auch wenn sich die Beschaffung dieses Jahr teilweise ausgesprochen schwierig gestaltet habe.


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