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Die Polizei hat einen Raser durch die Region verfolgt. Welche Folgen hat das für den Mann? 

Wird die „Polizeiflucht“ des Mercedes-Rasers über B10 und A8 als verbotenes Autorennen angezeigt?

Pforzheim. Er war schon viel zu schnell auf der Autobahn. Und dann drückte er auch noch auf der B10 das Gaspedal so heftig in Richtung Fahrzeugboden, dass die ihn verfolgenden Polizisten die Tachonadel bei der 200er-Markierung zittern sahen. Dabei entwickelte sich eine filmreife Verfolgungsjagd, die erst in Eutingen durch einen Stop-Stick, dem Nachfolger des klobigen und gefährlichen Nagelgurts, beendet wurde. Einen Führerschein konnten die Polizisten am Donnerstagmorgen nicht einziehen, denn der 44-jährige Mercedes-Fahrer hatte keinen bei sich. Auf jeden Fall wird es eine Anzeige geben, doch mit was muss der Raser rechnen?

Vor der A8-Anschlussstelle Pforzheim-Ost zeigen die runden Schilder mit dem roten Rand die Zahl 80 an. Wer die Strecke kennt, weiß, dass hier ein Unfallschwerpunkt ist, dass es hier laufend kracht, weil kurz zuvor die Fahrspuren von drei auf zwei verengt werden, eine Rast- und Tankstellenausfahrt die Autos und Lkws abbremsen lässt und etwas weiter vorne eine der tückischsten Aus- und Auffahrten der Region stark bremsende oder zögerlich beschleunigende Fahrzeuge als Ursache für Auffahrunfälle produziert. Tempo 80 ist also keine Schikane, sondern ein Muss. Wer hier, wie der 44-jährige Deutsche 38 km/h zu schnell fährt und geblitzt wird, weiß schon, dass er die nächsten Wochen laufen, radeln oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen muss.

Pforzheim

Wilde Verfolgungsjagd die B10 bei Pforzheim rauf und runter endet am Stop-Stick zwischen Kieselbronn und Eutingen

Mit „verbotenem Kraftfahrzeugrennen“ den Straßenverkehr gefährdet

Wer dann noch vor dem mit blinkendem Blaulicht und schallendem Martinshorn nahenden Polizeiauto mit Vollgas flüchtet, verschlimmert das Ganze noch. Der 44-Jährige raste auf der B10 rauf und runter, fuhr bei Rotlicht auf der Kreuzung bei Niefern-Vorort in Richtung Kieselbronn und dann auch durch Eutingen, bevor ihm der Stop-Stick (mehr zum Thema: Wilde Verfolgungsjagd die B10 bei Pforzheim rauf und runter endet am Stop-Stick zwischen Kieselbronn und Eutingen) zwei Reifen seines Mercedes perforierte. Gelingt es der Polizei noch Autofahrer zu finden, die von dem Raser bedrängt und gefährdet wurden, können Kleinigkeiten darüber entscheiden, ob die Anzeige auf „Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“ oder „Gefährdung des Straßenverkehrs“ lautet. Das hat dann nichts mehr mit Punkten in der Verkehrssünderkartei und den klassischen Bußgeldern zu tun. Hier geht es um größere Geldstrafen oder im Extremfall auch um eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Doch es kommt noch dicker. Fälle wie diese „Polizeiflucht“ im Pforzheimer Osten können dem seit 13. Oktober 2017 geltenden Straftatbestand „Verbotene Kraftfahrzeugrennen“ unterfallen. Das bedeutet bei einem Schuldspruch eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren. Eine Polizeiflucht, so war es in einer Mitteilung der Pressestelle des Oberlandesgerichts Stuttgart (OLG) vom Juli 2019 zu lesen, „ist von einem spezifischen Renncharakter geprägt“, und das gelte auch, „wenn das Ziel des Wettbewerbs hier nicht im bloßen Sieg, sondern in der gelungenen Flucht liegt“. Die risikobezogene Vergleichbarkeit mit den sportlichen Wettbewerben liege auf der Hand, so die OLG-Mitteilung. 

Wo ist der Führerschein?

Das Motiv der Flucht vor der Polizeikontrolle ist noch nicht eindeutig belegt. Einen Hinweis könnte die Suche nach dem Führerschein liefern. Den konnte der 44-Jährige am Donnerstag nicht vorlegen. Er erklärte jedoch, einen zu besitzen. Erste Recherchen der Polizei ergaben allerdings, dass die Angaben des Mercedes-Fahrers bezüglich Namen und Ausstellungsort nicht zu stimmen scheinen. Anfragen bei den zuständigen Behörden verliefen negativ. Bei Redaktionsschluss war nicht bekannt, ob nun doch noch eine Fahrerlaubnis aufgetaucht ist.

Sollte er ohne gültigen Führerschein gefahren sein, verschlimmert dieses Vergehen noch einmal die ohnehin schon stattliche Untaten-Bilanz des Rasers. Da können sich auch juristische Laien ausrechnen, dass es hierfür zumindest ein mehrmonatiges Fahrverbot und eine nicht zu knappe Geldstrafe geben wird.

Thomas Kurtz

Thomas Kurtz

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