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Da soll’s langgehen: Dietlinde Hess und Fritz Sinzenich zeigen Freie-Wähler-Stadtrat Gerhard Sonnet den Verlauf der Westtangente.
Da soll’s langgehen: Dietlinde Hess und Fritz Sinzenich zeigen Freie-Wähler-Stadtrat Gerhard Sonnet den Verlauf der Westtangente.
30.09.2008

Wo bleibt die Westtangente? Zwei Stadtteile warten und zürnen

PFORZHEIM. Die Bürgervereine schlagen Alarm: Noch immer warte man vergebens auf den Bau der Westtangente. Während die Baugenehmigung sich ihrem Verfallsdatum nähere, werde die Lage immer schlimmer.

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Nein, beerdigen mag Dietlinde Hess ihre Hoffnungen auf die Westtangente nicht. Obwohl die Vorsitzende des Bürgervereins Dillweißenstein das zum Begraben nötige Gerät hätte: einen Spaten, den ihr Ministerpräsident Günther Oettinger persönlich geschenkt hat. Beim Spatenstich für die Ortsumfahrung Rutesheim. Zur Verwendung beim gleichen Anlass für Pforzheims Umfahrung. Doch die Spatenstich-Spaten kommen immer nur andernorts zum Einsatz.

Anderswo wurde gebaut

Das geht auch Fritz Sinzenich gehörig auf die Nerven, Dietlinde Hess’ Kollegen vom Bürgerverein Weststadt. „Wenn ich mir die Umgebung anschaue: Bad Wildbad hat seinen Tunnel bekommen, in Karlsruhe wird die Kaiserstraße untertunnelt, in Stuttgart sollen Milliarden vergraben werden, von den Ausgaben im Osten ganz zu schweigen“, sagt er. Und beide können nicht verstehen, warum die Westtangente Pforzheim weniger dringlich sein soll.

Über 14 000 Fahrzeuge seien es, die sich tagtäglich nagoldauf- wie abwärts durch den Stadtteil Dillweißenstein quälten, sagt Dietlinde Hess. Viele Anwohner der Hirsauer Straße, die das nicht mehr ertragen könnten, zögen weg, Wohnungen stünden leer, Hausbesitzer würden nichts mehr in ihre Häuser investierenr. „Das Niveau des Stadtteils sinkt“, befürchtet Dietlinde Hess.

„Heimliche Westtangente“

Dillweißenstein ist nicht der einzige Stadtteil, wo man mit einer Mischung aus Kummer und Sorge auf die Hängepartie um die Westtangente blickt. Im Westen der Stadt, berichtet Fritz Sinzenich, habe sich längst eine „heimliche Westtangente“ etabliert. Dicht an dicht laufe der Verkehr die kleine Ersinger Straße am Wallberg hinauf und hinunter, zwischen der Wilferdinger Höhe mit ihrem Autobahnanschluss und dem Pforzheimer Westen, wo sie auf die Kelterstraße mündet. Sowohl Fritz Sinzenich als auch Dietlinde Hess wissen gar nicht so recht, warum sich nichts tut, zumindest mit dem ersten Bauabschnitt der Westtangente. Nach mehreren Gerichtsverfahren ist die Planung für den Abschnitt von der Autobahn bis ins Brötzinger Tal rechtskräftig, und auch die formalen Hürden der Berliner Finanzplanung hat das Projekt genommen. Das Geld könnte fließen, die Bagger rollen. Doch ein Baubeginn ist nicht in Sicht, weil das Geld eben doch nicht fließt. Und Dietlinde Hess hat die Erfahrung gemacht, die jeder macht, der nach dem Warum fragt: Der Bund sagt, er habe dem Land Baden-Württemberg Geld für die Bundesstraßen und Autobahnen im Südwesten gegeben. Es sei Sache des Landes, hier Prioritäten zu setzen. Das Land sagt, der Bund gebe zu wenig Geld, als dass damit der Bau der Westtangente finanziert werden könne.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe, das den Bau betreut, sagt, dass die Ausschreibung der Arbeiten erst erfolgt, wenn die Finanzierung steht, und da gebe es nichts Neues.

ZUM THEMA: Westtangente

Seit den 70er-Jahren wird über eine Westumfahrung der Stadt Pforzheim diskutiert, seit den frühen 80ern gibt es Planungen. Der erste Abschnitt verläuft von der Autobahnanschlusstelle Pforzheim-West durch einen Tunnel am Stadtteil Arlinger vorbei ins Brötzinger Tal hinunter zur B 294. Der Bau soll rund 65 Millionen Euro kosten. Der zweite Abschnitt, ein Tunnel vom Brötzinger Tal ins Nagoldtal hinter Weißenstein, ist noch nicht in den Finanzplanungen des Bundes enthalten.