nach oben
Wohl ältester Kühlschrank in Pforzheim weicht Energiespar-Modell.
Wohl ältester Kühlschrank in Pforzheim weicht Energiespar-Modell © Privat
09.08.2011

Wohl ältester Kühlschrank in Pforzheim weicht Energiespar-Modell

PFORZHEIM. Man fühlt sich unweigerlich an Axel Hacke erinnert, den Star-Kolumnisten der „Süddeutschen Zeitung“ und erst jüngst als lesender Autor zu Gast in Pforzheim: Eine der Hauptfiguren seiner Glossen und eines seiner zahlreichen Bücher ist Bosch, der alte Kühlschrank, zuverlässiger Freund in der Küche, immer in panischer Angst, er könnte durch ein moderneres, stromsparendes Etwas ersetzt werden.

Zwar war Helga Rauchs Bosch weit davon entfernt, Hauptdarsteller in einer Autobiografie zu spielen, geschweige denn so etwas wie schwermütig oder gar nächtlicher Gesprächspartner zu sein. Aber zuverlässig war er, der Bosch. Nie kaputt gegangen, 53 Jahre lang. Nur die Klinke mit Tesa festgeklebt. „So was wie den würde man heute gar nicht mehr bauen“, sagt Helga Rauch, 72. Unverwüstlich, 1958 gekauft in der Nordstadt bei der früheren Firma Walz & Dehm, Ecke Zähringerallee/Salierstraße, drei Jahre nachdem die Familie Rauch aus Kempten im Allgäu in die Goldstadt gezogen war. Aber ein Stromfresser. Und seit kurzem nur noch Erinnerung. Den weißen Bosch gibt’s nicht mehr. Pforzheims mutmaßlich ältester Kühlschrank wurde dieser Tage entsorgt. Denn Helga Rauch hatte, wie rund 30 andere Pforzheimer, am Wettbewerb „Gesucht: Pforzheims ältester Kühlschrank“ teilgenommen, ausgerichtet vom Amt für Umweltschutz und dem Media Markt. Nun, in der neuen Wohnung von Helga Rauch – sie zog von der Blücher- an die Tunnelstraße – wird ein ungleich modernerer Siemens stehen, mit drei Tiefkühlfächern statt eines Fächleins, Energieeffizienzklasse A+++. Besser geht’s nicht. Angeblich spart der Neue gegenüber dem alten Bosch rund 250 Kilowattstunden im Jahr. Macht 60 Euro mehr im Geldbeutel.

Helga Rauch hätte es gestern gerne noch einmal gesehen, das altvertraute Trumm, bei der Übergabe des Siemens im Einkaufszentrum auf der Wilferdinger Höhe. Doch irgend etwas lief schief im Vorfeld des Pressetermins mit Verkaufsleiter Christian Guth und Juliane Albrecht vom Amt für Umweltschutz. Irgend jemand hatte wenig Sensibilität bewiesen und das Gerät entsorgt. Ein letztes gemeinsames Foto? Gibt es nicht. „Schade eigentlich“, sagt Helga Rauch.