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Die Architekten Falk Schneemann und Hans Göz diskutieren mit dem Ersten Landesbeamten des Enzkreises, Wolfgang Herz, und Pforzheims Bürgermeisterin Sibylle Schüssler (von links) das Bauen der Zukunft im Rahmen der Ausstellung „Zeitgemäß. Wohnen in Baden-Württemberg“.Foto: Frommer

Wohnen wird bald anders werden - Ausstellung zeigt Perspektiven auf

Pforzheim. Diese Zahlen spiegeln die Brisanz des Themas: Alleine in Baden-Württemberg fehlen hier und heute 88.000 Wohnungen. Zudem schätzen Experten den bis 2020 neu entstehenden Bedarf an Wohnraum auf jährlich 54.000 weitere Einheiten. Erschwerend kommt hinzu: Würden nur die eingangs genannten 88.000 Objekte als klassische Einfamilienhäuser ausgeführt – der damit einhergehende Bedarf an Bauland entspräche fast der Fläche Ludwigsburgs.

Ohne neue Ausrichtung, ohne Umdenken wird laut Experten bezahlbarer Wohnraum im urbanen Umfeld auf absehbare Zeit rar bleiben. Es sei denn, Politik, Investoren, Architekten und Stadtplaner, Ingenieure und private Hausherren suchen und schaffen rasch kreative und tragfähige Lösungen.

Individuelle Modelle

Die noch bis zum 13. Juni im Eingangsbereich des Neuen Rathauses zu sehende Ausstellung „Zeitgemäß. Wohnen in Baden-Württemberg“ stellt 29 neue Projekte kreativer Architektur für individuelle Lebensmodelle vor. Die Ausstellung ist eine Kooperation des Formats „PF what if. . . was wäre, wenn“ des Baudezernats mit der Kammergruppe Pforzheim-Enzkreis der Architektenkammer Baden-Württemberg. „Sie knüpft in idealer Weise an unsere Initiative ‚Wohnen‘ an“, machte Bürgermeisterin Sibylle Schüssler bei ihrer Begrüßung deutlich. Es gelte, so Schüssler weiter, den Wohnungs-Mix mit flexiblen Angeboten zu erweitern. Im Rahmen eines Impulsvortrags zeigte Architekt Falk Schneemann wesentliche Faktoren und Gestaltungspotenziale auf, die künftiges Wohnen beeinflussen werden. Parallel dazu zeigte er Beispiele für urbanes Wohnen: einen eigenen, preisgekrönten auf Garagen gesetzten Entwurf für Karlsruhe, eine Arkaden-Studie für den Pforzheimer Leopoldplatz von Hanna Hoss und neue Variationen des Themas „Hochhaus“ aus Tokio. „Super minimal. Klein“, beschrieb er die dort gefundenen Lösungen. Und: „Die Asiaten sind da etwas härter im Nehmen als wir“.

Klare Worte gefunden

Für die Kammergruppe der Pforzheimer Architekten sprach anschließend ihr Vorsitzender Hans Göz. Er fand klare Worte: „Wohnen ist ein existentielles Grundbedürfnis aller Menschen – und somit ist die Beschaffung von ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Daseinsvorsorge.“ Göz ging außerdem auf den demographischen Wandel und die Digitalisierung ein.

Weiter machte er deutlich: „Welche Wohnform wird sich in Zukunft durchsetzen? Diese Frage ist zumindest in einer Hinsicht einfach zu beantworten: Es wird nicht nur eine sein.“ Er rief nachdrücklich dazu auf, am Wohnungsmarkt auf Vielfalt zu setzen und „auf die soziale Durchmischung von Quartieren“. Wie vielfältig die Wohnformen bereits heute sind, so Göz weiter, zeige die jetzt der Öffentlichkeit zugängige Ausstellung.