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Kein fremdenfeindlicher Hintergrund: Der Brand im Wohnhaus an der Belfortstraße, in dem viele türkischstämmige Pforzheimer leben, wurde nach Aussagen der Polizei wohl von einem nicht in Pforzheim lebenden Türken gelegt.
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07.04.2008

Wohnhaus in Flammen gesetzt - Verdacht auf Brandstiftung

PFORZHEIM. Montag, 2.44 Uhr, Belfortstraße 6: ein Wohnhausbrand in einem Gebäude, in dem sechs türkische und eine griechische Familie wohnen, macht die Nacht zum Tag. Vermutlich war ein Brandstifter am Werk.

Vom Explosionsknall aufgeweckt, sah Tuncel Öncü, wie ein brennender Mann in seine Wohnung rannte. Beim Versuch, ihn festzuhalten, zog er sich selbst Brandverletzungen an den Händen zu. Der Mann habe offensichtlich den Ausgang gesucht, aber ihn in seiner Panik nicht gefunden, sagte Öncü. Sein Nachbar, Egüp Keskin, hat einen Benzinkanister, einen Geldbeutel und eine Schachtel Zigaretten mit Feuerzeug gefunden.

Der 38-jährige Arbeiter Keskin schildert, wie er die schrecklichste Nacht seines Lebens erlebt hat. „Ich hörte einen Knall, schreckte aus dem Schlaf, riss das Fenster auf und sah zwei Personen weglaufen“, erzählt er. „Als ich Rauch roch, schnappte ich mir meine drei Kinder und lief mit ihnen durch das Treppenhaus. Ich sah einen geschockten Mann mit schweren Brandverletzungen“, so Keskin.

„Bitte hilf mir“

Wegen des Verdachts der Brandstiftung habe er den Mann, der kein Mieter des Hauses gewesen sei, am Arm so lange festgehalten, bis die Polizei eingetroffen sei. Der Mann habe immer nur gestammelt: „Bitte hilf mir.“ Nach PZ-Informationen soll es sich um einen in Pforzheim wohnenden Ausländer handeln.

Keskins 18-jähriger Sohn Kadir habe die Polizei verständigt. „Meine Frau Nray hat in der ersten Aufregung gesagt, dass sie jetzt unbedingt ausziehen wolle, aber wir werden hier wohl doch wohnen bleiben, denn ich glaube nicht, dass die Tat einen ausländerfeindlichen Hintergrund hat“, so Keskin.

Er vermute eher, dass er einen kranken Mann festgehalten habe. Das habe er auch den Reportern einer türkischen Zeitung erklärt, die ihn interviewt hätten.

Wie die Polizei mitteilt, soll der 31-jährige Verdächtige das Haus angezündet und einen Schaden in Höhe von rund 50 000 Euro verursacht haben. Der Verdächtige war kurz nach dem Ausbruch des Feuers festgenommen worden. Er erlitt schwere Brandverletzungen, schwebt nach den Aussagen der Polizei aber nicht in Lebensgefahr. Ob der Mann Mittäter habe, sei unklar.

Das offenbar mit Hilfe von Brandbeschleunigern gelegte Feuer wurde nach kurzer Zeit gelöscht. Mehrere Wohnungstüren des sechsstöckigen Gebäudes waren den Angaben zufolge aufgrund einer Verpuffung beschädigt. Außerdem habe es im Keller an verschiedenen Stellen gebrannt. Zehn Anwohner wurden in Sicherheit gebracht.

In vier Minuten am Brandort

Die Feuerwehr teilt mit, dass der Löschzug der Hauptfeuerwache unter Einsatzleitung von Hans-Peter Boog bereits nach vier Minuten die Einsatzstelle erreicht habe. Im Keller habe es an mehreren Stellen gebrannt. Parallel zur Brandbekämpfung unter Atemschutz wurden der Treppenraum und alle Wohnungen abgesucht. Das Feuer konnte bereits nach zehn Minuten gelöscht werden. Im Einsatz waren die Berufsfeuerwehr und die freiwillige Feuerwehr- Brötzingen-Weststadt mit sechs Fahrzeugen und 19 Einsatzkräften.

Der für die Reinigung des Gebäudes nach dem Brandschaden beauftragte Sebastian Heineking, Mitarbeiter der Firma City-Truck, war mehrere Stunden mit Säuberungsarbeiten beschäftigt und forderte angesichts der großen Arbeitsbelastung zwei zusätzliche Hilfskräfte an, da auch Treppenhaus-Wände zu säubern waren.