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Studentin Dorothea Schwarz steht am Schwarzen Brett der Universität in Konstanz. Sie sucht wie Tausende andere zum Semesterbeginn eine Wohnung oder ein WG-Zimmer. Einfach ist das nicht, Wartelisten für Wohnheime sind lang.
Studentin Dorothea Schwarz steht am Schwarzen Brett der Universität in Konstanz. Sie sucht wie Tausende andere zum Semesterbeginn eine Wohnung oder ein WG-Zimmer. Einfach ist das nicht, Wartelisten für Wohnheime sind lang. © dpa
14.10.2013

Wohnungssuche für Studenten landesweit ein Lotteriespiel - Lage in Pforzheim entspannter

Die Wohnheime an den Universitäten in Baden-Württemberg platzen zu Semesterbeginn aus allen Nähten - und auch die Wartelisten sind lang. In Pforzheim ist die Situation dagegen entspannter. Die 493 Plätze des Studentenwerks sind zwar voll belegt, doch private Investoren und soziale Organisationen haben den Bereich für sich entdeckt und sorgen für zusätzlichen Wohnraum.

Allein in Heidelberg stehen auf der Wohnheim-Warteliste 5000 Suchende - das seien bis zu 1000 mehr als ein Jahr zuvor, sagte der Zuständige für die Immobilien des Studentenwerks, Rainer Weyand. Freiwerdende Plätze gebe es dagegen nur vereinzelt. Zum Wintersemester wurden Notunterkünfte für bis zu 50 Studenten eingerichtet. Vier bis sechs Studenten schliefen darin in einem Raum. «Das hat Jugendherbergscharakter», sagte Weyand. «Das nimmt man für eine gewisse Zeit in Kauf.» Kosten: 8 Euro für die erste Nacht, 4 Euro für jede weitere Übernachtung.

Vergleichbare Zustände wie in klassischen Studentenstädten gebe es in Pforzheim nicht, sagt Sabine Laartz, Pressesprecherin der Hochschule. So haben zum Beispiel ein privater Investor und eine soziale Organisation neuen studentischen Wohnraum geschaffen. An der Holzgartenstraße gegenüber der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim hat Bohner + Boos den Bau von 44 Appartments für Studenten vorangetrieben. Geblieben ist dort die Kindertagesstätte. Dadurch erhalte der Investor von den 5,2 Millionen Euro angesetzten Investitionskosten 1,2 Millionen Euro Fördergelder vom Land Baden-Württemberg.

Die Idee, studentisches Wohnen und Kinderbetreuung unter einem Dach zu vereinen, ist in Pforzheim nicht neu. Seit 1. März teilen sich Studenten das Gebäude an der Wurmbergerstraße 4 tagsüber mit Mitbewohnern im Kindesalter. Besitzer der Immobilie und Initiator des Projektes war der Caritas-Verband Pforzheim. Dass sich die Mieteinnahmen aus den 33 Studentenappartments gut zur Finanzierung der drei Millionen Euro eignen, die zur Sanierung des 40 Jahre alten Gebäudes nötig waren und die gänzlich aus eigenen Mitteln bereitgestellt werden mussten, freut auch den Caritas-Chef.

Dass das Wohnproblem für Studenten in Pforzheim nicht so groß ist wie anderswo liege, so Hochschulsprecherin Sabine Laartz, auch an der hohen Pendlerdichte. Dass viele Studenten morgens nach Pforzheim fahren und abends zurück nach Hause bringe auch eine Entlastung für den

Wohnungsmarkt.

Auch in Tübingen ist die Situation angespannt: 3670 Wohnheimplätze gibt es dort, davon waren nach Angaben einer Sprecherin zu diesem Wintersemester 1474 Plätze frei. Beworben haben sich darauf allerdings 3900 Studenten. Zusammen mit weiteren Wohnheimen unter anderem in Hohenheim, Reutlingen und Rottenburg betreut das Studentenwerk Tübingen-Hohenheim etwa 5600 Plätze. Momentan seien aber alle belegt, seit Mitte September herrsche Bewerbungsstopp. In Hohenheim gibt es 1050 Wohnheimplätze, im Wintersemester waren 444 davon frei. Rund 800 offene Bewerbungen gibt es derzeit noch.

In Konstanz sind ebenfalls alle Wohnheimplätze des Studentenwerks Seezeit vergeben. Rund 1100 Bewerber hätten kein Zimmer bekommen, sagte eine Sprecherin. Im Laufe des Wintersemesters werde zwar noch eine Wohnanlage mit weiteren 232 Plätzen in Betrieb genommen. Aber auch hier müssen die Studenten bangen: Die Plätze werden unter den rund 400 Bewerbern ausgelost.

Rund 600 Studenten stehen in Ulm derzeit auf der Warteliste. Die mehr als 1500 Wohnheimplätze seien komplett belegt, sagte eine Sprecherin. «Da ist aber noch viel Bewegung drin, manche bewerben sich mehrfach.» Zudem gebe es auch Studenten, die an einer anderen Universität noch einen Nachrückerplatz bekämen. «Deren Zimmer wird dann auch wieder frei.»

Besser sieht es in diesem Jahr in Karlsruhe aus: Die Unistadt steht bei der studentischen Wohnmisere nach Angaben des Studentenwerks «nicht ganz so schlecht» da. «Die Situation ist ruhig, aber sie könnte besser sein», sagte Studentenwerkssprecher Thomas Mosthaf. Rund 5000 Studentenwohnheimplätze gibt es in der Stadt, davon 2400 vom Studentenwerk, 2600 von privaten oder kirchlichen Einrichtungen.

Jährlich hat das Studentenwerk etwa 1000 Plätze frei - dem stehen jedoch 3000 bis 4000 Bewerbungen gegenüber. Wer hier nicht unterkommt, steht aber nicht auf der Straße. Viele bewerben sich den Angaben zufolge doppelt, pendeln oder kommen privat unter. Das große Problem in Karlsruhe sei, dass 90 Prozent der Studienanfänger im Oktober anfangen, sagte Mosthaf. «So viel Leute auf einmal kann man schwer unterbekommen.» Bis März oder April des folgenden Jahres hätten die meisten aber etwas gefunden.