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© Symbolbild: dpa
13.07.2011

Wollten United Tribuns 15 Maschinenpistolen besorgen?

Der Rocker schweigt, lächelt auf der Anklagebank, sucht Blickkontakt zu seinen Kumpels im Zuschauerraum oder schüttelt fassungslos den Kopf, wenn Aussagen verlesen werden, die ihn belasten. Immerhin geht es beim Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Karlsruhe um versuchten Totschlag, gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch und illegalen Waffenbesitz.

Die Kammer versucht – gestern mit der Vernehmung von Polizisten –, Licht ins Dunkel zu bringen. Denn noch ist unklar, ob der Vize-Chef der Pforzheimer „Hells Angels“ im Laufe einer Massenschlägerei auf Mitglieder der verfeindeten Türsteher-Clique „United Tribuns“ geschossen hat. Und wenn ja, ob es in Tötungsabsicht geschah. War er überhaupt dabei bei der Auseinandersetzung am frühen Morgen des 27. November vergangenen Jahres auf einem Parkplatz in der Nordstadt? Fragen über Fragen.

Keine Aussage

Nur ein „Tribun“ hielt seine bei der Polizei gemachte Aussage aufrecht, der „Hells Angel“ habe – maskiert, aber erkennbar – in voller Absicht gefeuert. Fast alle anderen Zeugen des Vorfalls machen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, weil gegen sie noch ermittelt wird. Schwer Verletzte gab es schließlich auf beiden Seiten.

Wenigstens scheint jetzt klar zu sein, dass die Version der „Tribuns“ nicht stimmt, wonach man beim traditionellen gemütlichen Ausklingen der Nacht nichts ahnend auf die „Hells Angels“ gestoßen sei. Denn der Chef der „Tribuns hatte eine halbe Stunde vor dem Aufeinandertreffen in einem Handy-Telefonat mit zwei „Angels“ die Rocker aufs Übelste beleidigt. Daraufhin setzten sich knapp 20 „Hells“ in Bewegung und verließen die Party im Vereinsheim an der Karolingerstraße – offiziell, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Unklar ist allerdings auch, was den „Tribun“ so gegen die „Hells“ aufgebracht hatte.

Die Ermittler waren nach eigenen Angaben elektrisiert. Aufgrund abgehörter Telefonate fürchteten sie, in Pforzheim könne ein regelrechter Krieg zwischen den Gruppierungen ausbrechen. Die Information, die „Tribuns“ hätten sich 15 Maschinenpistolen beschafft, erwies sich als falsch. Der Prozess wird morgen fortgesetzt.

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