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Norbert Bernhard, Leiter des Grünflächenamts, Denkmalpfleger Christoph Timm, Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler sowie Fritz Sinzenich und Jürgen Ruf, erster und zweiter Vorsitzender des Bürgervereins Weststadt (von links) besichtigen die neu gestaltete Grabstätte. Foto: Späth
Norbert Bernhard, Leiter des Grünflächenamts, Denkmalpfleger Christoph Timm, Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler sowie Fritz Sinzenich und Jürgen Ruf, erster und zweiter Vorsitzender des Bürgervereins Weststadt (von links) besichtigen die neu gestaltete Grabstätte. Foto: Späth
23.09.2016

Würdige Gedenkstätte für Zwangsarbeiter auf Brötzinger Friedhof

Dichtes Efeu, Unkraut und überwucherte Steinbrocken gehören auf dem südöstlichen Teil des Brötzinger Friedhofs der Vergangenheit an. Auf Initiative des Bürgervereins Weststadt wurden die Gräber für Zwangsarbeiter neu gestaltet. Das Gräberfeld ist in der Denkmaltopografie Baden-Württemberg als denkmalwerte, historische Grabstätte aufgeführt und bedarf deshalb besonderer Sorgfalt. Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler freute sich sehr über das gelungene Projekt und dankte dem Weststadt-Bürgerverein für das Engagement.

Im Jahr 2013 begann die Planung für die Neugestaltung. „In fremden Ländern werden die Gräber unserer Soldaten gepflegt, wir sollten das gleiche tun“, sagte Fritz Sinzenich, der Vorsitzende des Bürgervereins. Das rund 10 000 Euro teure Konzept für die Neugestaltung wurde vom Weststadt-Bürgerverein in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege und der Stadt Pforzheim erarbeitet. Die Grundidee war, dass jeder der Bestatteten ein eigenes Grabmahl erhält. Als Symbol für die vergangenen Holzkreuze wurden Stahlkreuze gewählt, die den Schatten der ehemaligen Holzkreuze darstellen sollen. Die vier erhaltenen Grabsteine wurden in die zwei Reihen der Schattenrisse integriert.

In Pforzheim arbeiteten während des Zweiten Weltkrieges rund 6000 Zwangsarbeiter und deportiere Kriegsgefangene in der Rüstungsindustrie. Auch im Brötzinger Tal befand sich während dieser Zeit ein Barackenlager für die Arbeiter und ihre Kinder. Im Gräberfeld sind laut der Gräberliste 32 Personen bestattet, die Hälfte von ihnen Säuglinge und Kinder. „Die meisten Zwangsarbeiter stammten aus der Ukraine, Polen und Russland“, erläuterte Denkmalpfleger Christoph Timm. Sie seien zwar vom Anstaltsleiter meist fair behandelt worden, aber die medizinische Versorgung sei schlecht und die Kindersterblichkeit hoch gewesen.

Der Amtsleiter des Grünflächenamts, Norbert Bernhard, hat das Projekt betreut und ist mit dem Ergebnis zufrieden. „Die Gedenkstätte erinnert an das Schicksal der Bestatteten und ist eine sowohl würdige als auch pflegeleichte Ruhestätte.“

Die Arbeiten am Gräberfeld wurden von der Ausbildungskolonne des Grünflächen- und Tiefbauamts ausgeführt.