nach oben
Drei Stiftzähne – das bleibt einer Rentnerin nach der Behandlung bei einem Zahnarzt, gegen den die Pforzheimer Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat.
Drei Stiftzähne – das bleibt einer Rentnerin nach der Behandlung bei einem Zahnarzt, gegen den die Pforzheimer Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hat. © Ketterl
15.07.2017

Zahn um Zahn - Ausländische Zahnärztekammer will Mediziner bremsen

Pforzheim. „Man muss doch Vertrauen haben zu seinem Arzt!“, sagt Hermine K. (Name geändert) entrüstet. Sie zeigt ihre Zähne – oder das, was davon übrig geblieben ist. Die obere Reihe besteht aus dem mit Silber überzogenen kümmerlichen Rest, der als Aufhängung für eine Prothese dienen soll. So etwas sollte auch auf der anderen Seite vorhanden sein.

Ist es aber nicht. Nach Angaben der Rentnerin (77) hatte der Mann, der ihr in einer Sitzung – nicht vorangekündigt, sondern stillschweigend im Zuge einer Behandlung – acht Zähne gezogen und plante, diese durch sieben Implantate zu ersetzen. Kostenvoranschlag für die Implantate: 32 000 Euro. Die Patienten von damals fragen sich, weshalb die Auswärtige Große Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim – die im übrigen „nur“ von einfacher Körperverletzung ausgeht – den Strafprozess noch nicht terminiert hat. Dies wurmt nicht nur die Ermittler. „Ich kann seit Jahren nicht mehr richtig essen, habe Schmerzen, keine Prothese passt – und nichts passiert“, sagt Hermine K.

Andreas Heidrich, der Vorsitzende Richter der Kammer, weiß um die persönliche Betroffenheit der Opfer der mutmaßlichen Fehlbehandlung. Doch das Gericht sei aus rechtlichen Gründen gebunden, erst die Haftsachen zu verhandeln, dann die Fälle, bei denen es wegen Gefährdung der Öffentlichkeit um eine Unterbringung in der Psychiatrie geht – und irgendwann ist dann der Fall des Zahnarztes dran.

Nachdem die PZ in einem Fachblatt eines Nachbarlands auf zwei Neueintragungen des betreffenden Arztes, der von der Zahnärztekammer die Zulassung entzogen bekommen hatte, gestoßen war, hatte die „Pforzheimer Zeitung“ nachgehakt. Der Chef der ausländischen Kammer hatte auf Anfrage angekündigt, man werde umgehend über das interne Informationssystem der zuständigen Behörden in der EU die Anfrage stellen, ob sich an der Berufseignung beziehungsweise Unbescholtenheit des betreffenden Zahnarzts etwas geändert habe – der hatte ein bis dahin einwandfreies Leumundszeugnis vorgewiesen.

Mehr zum Thema:

Pforzheimer Zahnarzt hat trotz Ermittlungen zwei Praxen in einem Nachbarland aufgemacht

Mehr lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.