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01.09.2009

Zehn Jahre Haft für Vergewaltiger

PFORZEIM. Der 28-jährige Rädelsführer, der im Oktober 2008 einen Mann mit einem Vibrator vergewaltigt hatte, wurde am Dienstag nach sechs Verhandlungstagen von der Auswärtigen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe zu zehn Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Sein Gehilfe, der dem Opfer den Fluchtweg versperrt hatte, erhielt eine siebeneinhalbjährige Freiheitsstrafe. Der dritte Angeklagte wurde wegen Beihilfe zur Nötigung zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt.

Das Opfer, ein damals 26 Jahre alter psychisch Kranker, war von den Angeklagten in der Nacht vom 22. Oktober aus seiner Wohnung in der Durlacher Straße getrieben worden. Die drei wollten ihn zu einer Party der ganz besonderen Art einladen, eine Party der Qual: Bereits zuvor hatte der Rädelsführer, ein mehrfach einschlägig vorbestrafter Gewalttäter, dazu aufgerufen, eine Frau einzubestellen, um sie zu misshandeln.

Doch ein Gerücht machte die Runde, dass das spätere Opfer homosexuell sei. Grund genug für die sadistische Runde, den psychisch Erkrankten zur Demonstration seiner angeblichen Orientierung zu zwingen – vor aller Augen mit einem Vibrator. Anscheinend reichte das dem Rädelsführer aber noch nicht: Er trat im wahrsten Sinne des Wortes nach. Einige Wochen nach dem Vorfall sprang das Opfer aus dem Fenster.

Eindeutig der Haupttäter

Zuvor machte der Mann, der unter anderem unter dem Borderline-Syndrom litt, Angaben bei der Polizei, die den 28-Jährigen Angeklagten als Haupttäter beschrieben. Dieser versuchte am letzten Verhandlungstag das Ruder herumzureißen: Ein anderer habe die ganze Zeit von Gewalt und Misshandlungen gesprochen, er selbst habe alles verhindern wollen. Mit seiner Erscheinung – Hemd und Pullover, gewählte Ausdrucksweise – hätte man ihm die Geschichte fast abkaufen können, wären da nicht die Aussagen sämtlicher Zeugen und vor allem die des Opfers gewesen. Als alles nichts mehr zu nützen schien, erzählt der Angeklagte, wie viel Alkohol und Drogen er an diesem Abend genommen haben will: Zwei Flaschen Wodka, Kokain und Liquid Ecstacy.

Eigens für diese Aussage musste am letzten Verhandlungstag der schon entlassene Sachverständige nochmals bemüht werden, der aus diesen Angaben – sollten sie überhaupt der Wahrheit entsprechen – keine verminderte Schuldfähigkeit oder ein eingeschränktes Schuldbewusstsein schloss.

Der Rädelsführer hatte bei seiner Geschichte nämlich einen Satz nicht bedacht: Am Ende der Misshandlung bläute er laut eigener Aussage seinem Opfer ein, bloß niemanden etwas zu erzählen. Sonst sei er „weg“, so sein Jargon. So etwas sagt niemand, so der Sachverständige, der aufgrund von Alkohol und K.O.-Tropfen nicht mehr weiß, was Recht und Unrecht ist.