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31.05.2008

Zehntausende bestaunen Hochseil-Darbietungen der Trabers - Neu gestalteter Marktplatz eingeweiht

PFORZHEIM. Marktplatz-Einweihung, Hochseil-Darbietungen, lange Einkaufsnacht – Pforzheims Innenstadt platzte am Samstagabend aus allen Nähten. Tausende strömten durch die City, bestaunten die Darbietungen der Trabers oder nutzten die Gelegenheit, spätabends noch einkaufen zu können.

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Jessica Traber kennt das schon: Die 20-Jährige macht ihren Job, und unten kreischen sie, die Leute. Nicht, weil’s so lustig ist in luftiger Höhe, sondern weil sich beim Betrachter, gut 40 Meter weiter unten, das Gefühl – nebst feuchten Handflächen – einstellt: „Spinnt die?“ Und: „Fliegt sie runter?“ Tut sie nicht. Auch nicht an diesem Tag, jeweils um kurz nach halb neun und gegen halb elf in der Nacht am Leopoldplatz.

Zehntausende Menschen kamen am Samstag in die Pforzheimer Innenstadt, um die Darbietungen der Trabers anzusehen, die Marktplatz-Einweihung zu verfolgen (mehr...) oder die Möglichkeit der "Langen Einkaufsnacht" zu nutzen.

Viel zu sehen gab es auch am Rathaus: die Bergung eines Verletzten durch die Berufsfeuerwehr aus dem dritten Stock mittels Drehleiter. Zwei von diesen Spezialfahrzeugen hat die Stadt, jedes 600 000 Euro teuer. Darauf ist die Wehr stolz, ebenso wie auf ihre Ausbildung. Genauso wie die „alten Meister“, jene Spezialisten der Pforzheimer Traditionsindustrie, die im Technischen Museum – und am Tag der Marktplatzeinweihung, dem Tag der offenen Tür im Rathaus und der langen Einkaufsnacht – ihr Wissen und eine Maschine vorführen, auf deren Basis heute noch die Fertigung von „Panzerketten“ in der Schmuckindustrie fußt.

Eisenbahnfreunde machen Lust auf den Weißensteiner Bahnhof; im Foyer steht die Druckerpresse aus dem Heimatmuseum; und im Rathauspavillon zeigen Mitglieder des Bäuerlichen Museums Eutingen, wie man Butter macht, Sensen dengelt oder Honig schleudert. Unweit daneben raunt eine Frau ihrem Mann eine Warnung ins Ohr: „Halt die Kreditkarte fest.“ So weit kommt es nicht – die Schmuckdesigner auf dem oberen Marktplatz akzeptieren in der Regel nur Bargeld.

Im siebten Stock des Neuen Rathauses greift Frank Eichler, Organist der evangelischen Kirchengemeinde Haidach, in die Tasten der Orgel – so entlockt er den vier Dutzend Glocken ihr klingendes Spiel. Mehrmals am Tag wird sich das wiederholen – so hat es Oberbürgermeisterin Christel Augenstein dem Volk bei ihre Einweihungsansprache versprochen.

Bürgernahe Verwaltung

Wer zuvor das Faltblatt des Rathauses gelesen hat – insbesondere die Passage, wonach man eine „ganz andere Stadtverwaltung“ kennenlernen dürfe, „modern, aufgeschlossener, bürgernäher als Sie denken“ –, den zieht es natürlich über die magische Schwelle. Auf sämtlichen Stockwerken präsentieren sich die Abteilungen der einzelnen Dezernate, machen Sozialpolitik und Gewässerschutz, Ausbildungsberufe oder Finanzen, Bebauung oder die Amtskette der Oberbürgermeisterin, Städtepartnerschaften oder Stadtjugendring greif- und nachvollziehbar. Draußen, auf dem Platz, um dem es in erster Linie an diesem Tag geht, spielt die „Penthouse Jazzband“ die Besucher warm.

Später werden die Gruppen „Goldstadtkind“, „Redwood“ und „Nightfly“ folgen; die „Kristalle“ des „Helmnot-Theaters“ ziehen ihre Kreise. Zuvor hat das Ensemble des Stadttheaters bei seinen Evergreens aus Cole Porters „High Society“ mit viel Einsatz gegen akustischen Tücken der Open-Air-Atmosphäre auf dem Marktplatz angekämpft.

„Dirty Dancing“ zum Abschluss

Da ist man in geschlossenen Räumen doch besser aufgehoben – nachzuhören bei ganztägiger lateinamerikanischer Musik in der Stadtbibliothek inklusive „Cubanischer Nacht“ oder im VolksbankHaus, wo nicht nur eine Stunde vor Mitternacht die Abschluss-Show „Dirty Dancing“ stattfindet, sondern schon tagsüber Models der Volksbank über den Catwalk laufen und Frisuren, Brillen und teilweise Bodypainting bieten. Im und vor allem vor dem VolksbankHaus sind diverse Motorräder der Marke Harley Davidson aufgereiht.

Der Himmel hat ein Einsehen, lässt seine Schleusen geschlossen. Bis spät in den Abend bilden sich an den Verpflegungsständen und vor Eisdielen lange Schlangen, sind sämtliche Plätze in den Straßen-Cafés besetzt.