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Freude bereiten den Flüchtlingskindern die Spiele, die Nina Baier (Dritte von rechts) vom Stadtjugendring ins Eutinger Tal mitgebracht hat. Es werden in den nächsten Monaten 80 weitere Kinder erwartet. Für sie fehlen solche Projekte. Foto: Seibel
Freude bereiten den Flüchtlingskindern die Spiele, die Nina Baier (Dritte von rechts) vom Stadtjugendring ins Eutinger Tal mitgebracht hat. Es werden in den nächsten Monaten 80 weitere Kinder erwartet. Für sie fehlen solche Projekte. Foto: Seibel
Besonders die Kinder von Flüchtlingen können Hilfe gebrauchen. Foto: dpa
Besonders die Kinder von Flüchtlingen können Hilfe gebrauchen.
11.09.2015

Zeit, Arbeit, Wohnraum, Spenden: So helfen Sie Flüchtlingen vor Ort

Ob in Facebook-Gruppen oder in Vereinen, ob auf der Straße oder am Telefon: Überall ist es in der Region derzeit eine der meistgestellten Fragen - "Wie kann ich Flüchtlingen helfen?" Aus diesem Grund hat die "Pforzheimer Zeitung" die Hilfsmöglichkeiten für Pforzheim und jede einzelne Gemeinde in der Region aufgelistet.

Hier können Sie das im September 2015 erschienene Handbuch für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Baden-Württemberg herunterladen.

PFORZHEIM:

Zentraler Ansprechpartner für die Flüchtlingsbetreuung in Pforzheim ist die Diakonie. Wer Kleidung, Geld oder Zeit spenden möchte, ist hier richtig aufgehoben. Anfragen gehen an Daniela Salzer, E-Mail: daniela.Salzer@diakonie-pf.de; telefonisch unter (07231)37 87 18. Wer sehr gut Arabisch, Kurdisch, Farsi, Dari, Serbisch, Albanisch, Chinesisch, Tigrinja oder Französisch spricht, kann etwa als Sprachmittler bei Arzt- und Behördenterminen helfen. Mit weniger Kenntnissen können Lernpatenschaften für Schüler oder Erwachsene übernommen werden. Ehrenamtliche für die Flüchtlingsarbeit in Vereinen und für Ämtergänge werden unter der Telefonnummer (07231) 378723 vermittelt. Wer Geld spenden möchte, kann dies bei der Diakonie mit dem Verwendungszweck „Flüchtlingshilfe“ über die IBAN DE72 6669 0000 0002 3779 97 tun. Damit könnten Projekte unterstützt werden, die noch im Aufbau sind – wie die Sprachförderung für Kinder und Erwachsene. Kleidung, Schuhe, Haushaltstextilien, Küchenutensilien sowie Kinderwagen nimmt die Diakonie in der Kleiderkammer (Am Schloßberg 10) entgegen – und zwar montags von 10 bis 13 Uhr (07231) 378723. Größere Gegenstände wie Fahrräder sind dort falsch. Dies ist bei der Gesellschaft für berufliche Eingliederung anders. Sie hat zwei Einrichtungen, die Flüchtlingen zugute kommen: Die Tafelläden und der Secondhand Palast. Letzterer bestückt Flüchtlingsunterkünfte. „Wir holen Möbel auch ab, überprüfen aber, ob sie tauglich sind,“ sagt GBE-Chef Matthias Kremer. Der Secondhand-Palast, ist telefonisch unter (07231)393470, die Pforzheimer Tafel unter (07231)393472 erreichbar.

Und wer Praktika oder gar eine Ausbildungsstelle für Asylbewerber mit den entsprechenden Voraussetzungen wie Arbeitserlaubnis und Vorrangprüfung bereitstellen will? Der kann sich zwar ebenfalls bei Daniela Salzer von der Diakonie melden. Doch diese vermittelt wie auch die Gesellschaft für berufliche Eingliederung Beschäftigung projektbezogen im Einzelfall, hält aber keinen Pool vor, in den man Angebote einspeisen kann. Das Projekt Netzwerk zur Integration von Flüchtlingen in Arbeit sucht für Teilnehmer je nach Qualifikation Arbeitsmöglichkeiten, telefonisch unter (07231)392432. Die IHK Nordschwarzwald kann da dagegen nicht weiterhelfen. Und auch beim Arbeitsamt Pforzheim-Nagold ist der potenzielle Arbeitgeber an der falschen Adresse. Es gelte das Gleichstellungsprinzip, erklärt Pressesprecher Stefan Gauss. Es sei nicht zulässig, nur einer Personengruppe Arbeit anzubieten. Seit 1995 unterstützen die PZ-Leser über die Hilfsaktion „Menschen in Not“ Bedürftige in der Region. Das Geld kommt zum Beispiel bedürftigen Senioren und Familien zugute, zum Teil aber auch Projekten, die sich Flüchtlingskindern widmen. Spenden können Sie über die IBAN DE72 6665 0085 0000 8888 77. Beim Stadtjugendring gibt es momentan keine Möglichkeit, sich ehrenamtlich oder auch mit Spenden für Flüchtlinge einzusetzen. Der Träger betreut momentan nur ein einziges Projekt mit Hilfe der PZ-Aktion „Menschen in Not“, nämlich für Kinder im Eutinger Tal. „Uns Trägern fehlt die vernetzte Struktur für eine Willkommenskultur mit vielen Angeboten“, bedauert Stadtjugendring-Chef Hartmut Wagner. Er könnte sich im Haus der Jugend gut Sprachkurse für junge Flüchtlinge vorstellen.

Das Forum Asyl kümmert sich um Flüchtlinge, telefonisch erreichbar unter (07231) 6 24 40. Bei der Stadtverwaltung können Bürger freien Wohnraum melden, Adressbogen und Kontakt unter www.pforzheim.de/asyl. Wer eine Schulpatenschaft übernehmen möchte, meldet sich beim Amt für Bildung und Sport telefonisch unter (07231)394231. Bei Deutschkursen ist Hilfe nötig, Ansprechpartnerin ist die Integrationsbeauftragte Anita Gondek telefonisch unter (07231)392117. Der Sportkreis Pforzheim-Enzkreis freut sich über Sportgeräte und Bälle. Wer möchte, kann ihn bei der Spielgruppe für Kinder oder der Jogginggruppe unterstützen. Die Geschäftsstelle ist in der Habermehlstraße 20, telefonisch erreichbar unter (07231) 33500.

 

REGION:

Was die Diakonie in Pforzheim ist, ist der Verein miteinanderleben im Enzkreis: Sein Fachdienst Asyl betreut die Asylbewerber, unterstützt sie bei diversen Anträgen und hilft auch, ehrenamtliche Hilfe zu koordinieren. Ansprechpartnerin ist hier Elena Schwegler, die per E-Mail an elena.schwegler@miteinanderleben.de oder per Telefon unter (0 72 31) 58 90 21 03 zu erreichen ist. „Hier hilft Begleitung und Hilfe beim Übersetzen, bei Ämtern, Schule, Arzt, und Unterstützung bei der Organisation des täglichen Lebens“, erklärt Jürgen Hörstmann vom Landratsamt Enzkreis. Dies reiche von günstigen Einkaufsmöglichkeiten über Erkundungen der Umgebung und der Bahnnutzung bis zum System der Mülltrennung. Sinnvoll seien auch Angebote zur Freizeitgestaltung, zum Deutsch lernen und zur Hausaufgabenhilfe. 

Wer eine Initiative gründen will - oder dies schon getan, aber noch Fragen hat - wendet sich am besten an Laura König (Telefon: 0176-45809591). Die Sozialpädagogin koordiniert die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit im Enzkreis unter dem Dach der Diakonie (www.diakonie-muehlacker.de).

 

Was in den einzelnen Kommunen benötigt wird, wissen oft die Ehrenamtlichen vor Ort am besten. Deswegen hat die PZ alle Gemeinden gefragt, in welchen Bereichen Flüchtlinge mit Zeit, Geld, Arbeit, Dingen und/oder Wohnraum unterstützt werden können. Die Antworten lesen Sie, wenn Sie auf die Pfeile auf der Karte klicken:

Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sollen weitere Angebote aufgenommen werden, können diese an Simon Walter (simon.walter@pz-news.de oder per Twitter an www.twitter.de/pzsimwal) gemeldet werden. 

In der PZ-Umfrage in den Gemeinden zeigte sich, wie unterschiedlich die Bedürfnisse sind. Werden etwa in Kieselbronn derzeit besonders Jugendliche gesucht, die sich den 15- bis 17-jährigen Flüchtlingen annehmen (Kontakt über Christine Albl, ggk-info@t-online.de) nennt der Freundeskreis Asyl in Illingen eher Sprachhilfe und Hilfe bei den täglichen Dingen des Lebens (Kontakt zum Beispiel über Ingrid Vogt, ingridvogt05@web.de).

Doch fast überall gilt: Dringender als Kleidung und Geld werden Ehrenamtliche benötigt, die Zeit mitbringen. „Da weder im Landratsamt noch beim Verein miteinanderleben derzeit die personellen und räumlichen Kapazitäten vorhanden sind, um Hausrat, Möbel oder Spielsachen einzulagern, ist es in jedem Fall sinnvoll, Sachspenden zuvor mit der jeweiligen Wohnheimleitung zu besprechen“, sagt Jürgen Hörstmann vom Landratsamt. Ähnlich lauten die Antworten aus fast allen Enzkreis-Kommunen. Derzeit laufen zudem Überlegungen, eine Spendenbörse im Internet aufzubauen. Damit ließe sich eine passgenaue Spende besser koordinieren. Wer Wohnungen oder auch ganze Häuser an Flüchtlinge vermieten möchte, kann sich an das Ordnungsamt im Landratsamt Enzkreis wenden. Dieses ist unter der Telefonnummer (07231)308-9603 und der E-Mail-Adresse Ordnungsamt@enzkreis.de zu erreichen. Die Kommunen Birkenfeld, Engelsbrand, Friolzheim, Keltern, Kieselbronn, Königsbach-Stein, Maulbronn, Neuenbürg, Neulingen, Straubenhardt Tiefenbronn, und Unterreichenbach teilten zudem mit, dass sich potenzielle Vermieter auch direkt an die Gemeindeverwaltung wenden können. Diese könne dann als Vermittler helfen. Ein eventueller Mietvertrag käme nicht mit dem Flüchtling, sondern mit dem Landratsamt zustande.

In Sachen Ausbildungs- oder Praktikumsstelle rät der Enzkreis: „Bei unseren Jobcentern hier im Landratsamt und in Mühlacker ist der Arbeitgeberservice zuständig – am besten erreichbar über unsere Zentrale (07231/308-0).“ Jedoch verweist Stefan Gauss, Pressesprecher der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim auf begrenzte Möglichkeiten (siehe obenstehender Text zu Pforzheim). Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Enzkreises sucht zudem Unterstützer von Jugendlichen, die ohne Eltern geflohen sind. Am 17. November um 19 Uhr sich Interessierte einen Einblick über das Leben als Pflegefamilie verschaffen. Dies findet in der Hohenzollernstraße 34 in Pforzheim statt, Anmeldungen unter der Nummer (0 72 31) 3 08 70 oder per Mail an beratungsstelle.pforzheim@enzkreis.de. Auch viele Kommunen bieten Infoabende für potenzielle Helfer – etwa Niefern-Öschelbronn am 21. September, Friolzheim am 23. September und Eisingen am 24. September.

Einen sehr lesenswerten Wegweiser für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit hat der Verein miteinanderleben hier veröffentlicht.

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