nach oben
Kunsthistorikerin Christina Klittich berichtet in der stadtgeschichtlichen Soiree im PZ-Forum über beliebte Ausflugsziele vergangenen Zeiten. Foto: Tilo Keller
Kunsthistorikerin Christina Klittich berichtet in der stadtgeschichtlichen Soiree im PZ-Forum über beliebte Ausflugsziele vergangenen Zeiten. Foto: Tilo Keller
16.09.2016

Zeitreise an Ausflugsziele von damals im PZ-Forum

Pforzheim. Beliebte Ausflugsziele vergangener Zeiten in Pforzheim und Umgebung standen im Mittelpunkt der stadtgeschichtlichen Soiree, zu der die Löbliche Singergesellschaft Pforzheim ins PZ-Forum eingeladen hatte. Unter dem Motto „Raus ins Grüne“ erinnerte Kunsthistorikerin Christina Klittich an schöne Orte, die heute teilweise ganz anders aussehen oder in Vergessenheit geraten sind.

Den Menschen blieb früher, mit Arbeitstagen von zehn bis zwölf Stunden, kaum Zeit für Unternehmungen blieb. „Freizeit bestand meist aus dem Sonntag“, so Klittich. „Spaziergänge gehörten zu den kostengünstigsten Vergnügen.“ Um zu verdeutlichen, wie beliebt kleine Ausflüge einst waren, zitierte Klittich aus einem Bericht: „Die Pforzheimer sind wanderfrohe Leute und besonders ist ihnen ihr Schwarzwald an das Herz gewachsen.“

Die Kunsthistorikerin führte beliebte Ausflugsziele an und unterstrich ihre Erzählungen mit alten Fotografien, Stichen und Postkarten. So zog es die erholungssuchenden Stadtbürger und Industriearbeiter ins Würm- oder Enztal, zu Burgruinen oder Aussichtstürmen und zu den zahlreichen Schank- und Gartenwirtschaften, wie „Goldener Anker“, „Brauhauskeller“ oder „Kupferhammer.“ Heute kaum noch vorstellbar, dass man einst Honigbrote als Spezialität in einem Ausflugslokal angeboten hat. Auch der Alpengarten, der 1927 von Familie Carl angelegt und ab 1933 für die Öffentlichkeit zugänglich wurde, war beliebt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es keine ausgewiesenen Bademöglichkeiten an Pforzheims Flüssen. Badende galten schlichtweg als unschicklich anzusehen. 1855 wurden zunächst Badeplätze freigegeben, die streng nach Geschlechtern getrennt ausgewiesen wurden. Die städtische Freibadeanstalt Benckiserbad wurde erst 1921 eröffnet, Mitte der 1930er-Jahre entstand mit dem Nagoldbad das erste Freibad.

Klittich berichtete, dass der im Jahr 1868 gegründete Pforzheimer Verschönerungsverein sich die Einrichtung von Aussichtstürmen und die Erschließung von Wanderwegen zur Aufgabe gemacht hatte, um der Bevölkerung die Schönheit der Natur ins Bewusstsein zu rufen. Bald erschlossen ausgeschilderte Wanderwege die Naherholungsgebiete. Dazu gehörte im Jahr 1883 der Davosweg nach Dillweißenstein und der Büchenbronner Aussichtsturm, der sechs Jahre vor dem Pariser Eiffelturm in neuartiger Stahlbauweise entstand. Zu den beliebtesten Ausflugszielen gehörte auch Dillstein und Weißenstein mit der Bogenbrücke und den Burgen. „Das war ein melancholischer und erfrischender Rückblick“, sagte Obermeister Christoph Mährlein abschließend.