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Margot Wagner weiß auch mit 90 Jahren noch, wie man Gäste verwöhnt. Für ihre Tochter Anette, die aus Amerika zu Besuch ist, hat sie einen Philadelphia-Lemon-Cake gebacken.
Margot Wagner weiß auch mit 90 Jahren noch, wie man Gäste verwöhnt. Für ihre Tochter Anette, die aus Amerika zu Besuch ist, hat sie einen Philadelphia-Lemon-Cake gebacken.
Das „Café Wagner“ an der Bahnhofstraße war lange Zeit die erste Adresse in der Stadt. Fotos: Privat
Das „Café Wagner“ an der Bahnhofstraße war lange Zeit die erste Adresse in der Stadt. Fotos: Privat
Margot Wagner (rechts), ihr Mann Karlheinz Wagner und ihre Schwägerin Anneliese Wagner im Jahr 1987.
Margot Wagner (rechts), ihr Mann Karlheinz Wagner und ihre Schwägerin Anneliese Wagner im Jahr 1987.
07.09.2018

Zeitreise beim Kaffeekränzchen: Margot Wagner feiert ihren 90. Geburtstag

Pforzheim. Das Meißner Porzellan steht auf dem Kaffeetisch: Blumenmuster mit Goldrand. Dazu ein schweres Zuckergefäß nebst Zange – beides aus Silber. Die Servietten sind liebevoll in die Gabeln gesteckt. Es gibt frisch geschlagene Sahne. Den Kuchen hat Margot Wagner selbst gebacken.

„Ein Philadelphia-Lemon-Cake“, sagt sie. Zitronen-Käsekuchen hätte er wohl zu jener Zeit geheißen, als sie mit ihrem Mann das beliebte „Café Wagner“ führte – die erste Adresse in der Stadt.

Seit mittlerweile 30 Jahren gibt es die beliebte Konditorei nicht mehr. Doch Margot Wagner, die am Samstag ihren 90. Geburtstag feiert, hat nichts verlernt. „Es kann kommen, wer will: Bei mir gibt es immer Kaffeekränzchen“, sagt sie. Auch wenn es heute nicht mehr der Kammersänger Gottlob Frick oder die Schauspieler Theo Lingen und Karl Ludwig Diehl sind.

Trotzdem hat sie sich an diesem Nachmittag schick gemacht. Sie trägt ein weißes Kleid mit braunen Punkten, dazu Perlenschmuck. Margot Wagner ist noch immer eine attraktive Frau: eine gepflegte Erscheinung mit wachen, blauen Augen. Ihr Alter sieht man ihr nicht an. „Ich habe gute Gene“, sagt sie und lacht. „Man muss sich dessen aber auch bewusst sein und sie wirken lassen.“ Die Liebe zur Musik wurde ihr ebenfalls förmlich in die Wiege gelegt. Ihr Vater war ein Konzertmeister in Dresden. Ihre Mutter Mina Wielandt Schleißing-Stahl eine leidenschaftliche Sängerin. „Musik und Gesang haben mich ein Leben lang begleitet“, sagt Wagner, um ihr Talent wenig später auch direkt am Klavier unter Beweis zu stellen. Dazu singt sie mit fester und lauter Stimme. 43 Jahre lang war sie bei der Chorvereinigung Liedertafel aktiv, hat viele Konzerte gegeben – auch als Solistin. Doch vor allem eines, das sie kurzfristig absagte, wird ihr wohl für immer in besonderer Erinnerung bleiben. Denn damals intervenierte Karlheinz Wagner. „Die nutzen Dich doch nur aus“, behauptete er. Nur um dann an eben jenem Abend – in der Nacht zu ihrem Geburtstag, kurz vor 24 Uhr – zu ihr in die Mansardenwohnung zu kommen und ihr einen Heiratsantrag zu machen. Eine Überraschung für die junge Frau. Denn sie habe ihn zwar schon lange bewundert. Doch er sei ihr eher freundschaftlich zugetan gewesen. „Er kam bei den Frauen gut an und hat mir immer seine Sünden gebeichtet“, erinnert sich Wagner und lacht.

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