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Zeitzeugen im Pforzheimer DDR-Museum: das Autorenpaar Annette Hildebrandt und Lothar Tautz aus Thüringen. 

Zeitzeugen im DDR-Museum über die deutsche Trennung vor der Wende

Pforzheim. Authentische Zeitzeugen im Pforzheimer DDR-Museum: Bereits im Vorfeld des 26. Tags der Deutschen Einheit war das Autorenpaar Annette Hildebrandt (62) und Lothar Tautz (66) aus Thüringen nach Pforzheim gekommen – mit dem Anliegen, gerade bei den Jüngeren, nach der Wiedervereinigung Geborenen das Demokratiebewusstsein zu fördern.

Bei einem gemeinsamen Leseabend im gut besuchten DDR-Museum schilderten sie prägende Details ihres Werdegangs und ihrer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur. Annette Hildebrandt wurde 1961 zwar im Wedding eingeschult, stammt aber aus Berlin-Mitte und hat die Grenzziehung 1961 an der Bernauer Straße aus nächster Nähe miterlebt. „Zehn Prozent der Kirchengemeinde meines Vaters lagen im Osten“, erinnert sie sich, „90 Prozent im Westen“. Die Gemeinde war hierdurch de facto nicht mehr existent – dennoch überragte „sein“ Gotteshaus, die Versöhnungskirche, bis 1985 den Todesstreifen. Dann wurde sie unter Geheimhaltung gesprengt, die Regierenden haben für ihre Grenzsoldaten „freies Schussfeld“ gewollt.

Lothar Tautz wuchs „als Arbeiterkind“ im thüringischen Erfurt auf und fand „den antifaschistischen Schutzwall“, nach eigenen Worten, „bis 1961 richtig“. Drei Jahre später, beim Besuch seines Bruders in Berlin, der als Parteimitglied im Mauerstreifen wohnen durfte, bemerkte er jedoch, dass „die Mauer verkehrt herum stand“. Zu Hause in Erfurt, 1970, ist er dabei, als die Menge den Platz vor dem Erfurter Hof stürmt und „Willy Brandt ans Fenster“ skandiert. Trotz der, so Tautz, „unauffällig grau bejackten Jungs“ von der Stasi.

Im Rahmen eines konzertierten Schulprojekts vor ihrer abendfüllenden Multimedia-Veranstaltung im DDR-Museum hatten Hildebrandt und Traut ihr detailreiches Wissen eine Woche lang an Schüler der Otterstein Realschule, des Reuchlin Gymnasium Pforzheim und des Theodor-Heuss-Gymnasium Mühlacker weitergegeben. Organisiert und finanziert haben die Veranstaltung sowohl der Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie e.V.“, als auch die Bundesstiftung „Aufarbeitung der SED-Diktatur“ sowie die Stiftung „Lernort Demokratie – Das DDR-Museum Pforzheim“. Teil der komplexen Veranstaltung war auch die, (am 27. September vom Kölner Regisseur Stefan Weinert im Kommunalen Kino begleitete), Vorführung des 2014 mehrfach international ausgezeichneten DDR-Dokumentarfilms „Die Familie“.

Weitere Infos:

www.pforzheim-ddr-museum.de

www.diefamilie-derfim.de