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Fans von Alemannia Aachen protestierten am Freitag vor der Zentrale (Foto) des insolventen Fußballvereins und zofften sich am Samstag auf der Autobahn-Raststätte Pforzheim untereinander.
Fans von Alemannia Aachen protestierten am Freitag vor der Zentrale (Foto) des insolventen Fußballvereins und zofften sich am Samstag auf der Autobahn-Raststätte Pforzheim untereinander. © dpa
18.11.2012

Zoff auf Raststätte Pforzheim unter Fans von Aachen

Man kennt das ja leider zur Genüge. Sich selbst als Fußballfans bezeichnende Schläger, die einäugig durchs Leben gehen und auf alles, was nicht die eigenen Vereinsfarben trägt, einprügeln, treffen sich mit den nicht minder einseitig veranlagten Rowdys von der Gegenkurve, um im Kreis der Kommunikationsgestörten die Fäuste sprechen zu lassen. Selten jedoch schlagen sich die Fans eines Vereines untereinander. Eine Ausnahme haben Fans von Alemannia Aachen gemacht, die sich auf der Tank- und Rastanlage Pforzheim-Ost gestritten haben.

Zur Ehrenrettung der Aachener Fans muss man sagen, dass sie in diesen Tagen viel zu leiden haben und viel Frust abbauen müssen. Zuerst hat ihr Verein, von 1967 bis 1970 und 2006/7 in der Fußball-Bundesliga aktiv, Insolvenz anmelden und damit den Abstieg in die Regionalliga ankündigen müssen, dann verlieren die ohnehin nach dem vergangenen Abstieg aus der Zweiten Liga am Tabellenende in der Dritten Liga herumdümpelnden Aachener mit 1:2 beim VfB Stuttgart II.

Für Fußballfans ist das Grund genug, den Frust auf gewohnte Fan-Art rauszulassen. Nur in Aachen klopft man sich anscheinend untereinander. So soll am Samstag gegen 17 Uhr ein mit Mitgliedern der „Aachen Ultras“ und des Aachener Fanprojektes besetztes Auto auf dem Pforzheimer A8-Rastplatz von Mitgliedern des Fanclubs „Karlsbande“ angegriffen worden sein. Was genau passiert ist, muss die Polizei noch klären. An einem Auto entstand ein Sachschaden in Höhe von 1500 Euro durch Glasbruch an Windschutzscheibe und Scheinwerfern, was den Fahrer wohl zur schnellen Flucht veranlasst hat. Aber: Laut Polizei wurde niemand verletzt.

Solche Aktionen sind unter den Aachener Fußballfans anscheinend der Normalfall. In der „Karlsbande“-Gruppierung scheinen sich die Rechtsaußen besonders wohl zu fühlen. Die „Aachen Ultras“ darf man eher links verorten. Zuletzt sollen die gewalttätigen Aktionen von der „Karlsbande“ ausgegangen sein. Aber auch das ist im Fußball ja nicht unbedingt etwas Neues, dass Rechtsextreme den Fußball mit kruden Mitteln als Vehikel für ihre einäugige Weltsicht nutzen.

"Aus Angst vor weiteren Übergriffen wurde der Bus der Karlsbande nach dem Zwischenfall nach "Welt"-Informationen von Polizeikräften durch drei Bundesländer bis nach Aachen eskortiert. Bei der Ankunft in der Stadt stellten Aachener Beamte die Personalien der Insassen fest", schreibt Welt.de.

Auf dem Platz haben die Fußballspieler von Alemannia Aachen einen Tag nach dem Insolvenzantrag trotzdem Siegeswillen gezeigt und beim VfB Stuttgart II nur knapp mit 1:2 verloren. Die Spieler haben also den Charaktertest bestanden. Davon sind die Fans anscheinend weit entfernt. pol/tok

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