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Vor den Augen vieler Fahrgäste auf den Bahnsteigen ist im Hauptbahnhof Pforzheim eine Frau von einem Zug überrollt worden. Der Hauptbahnhof musste für die Zeit der Unfalluntersuchung und Bergung der Leiche für den Zugverkehr gesperrt werden. © Ketterl
Keine Chance, den Unfall zu vermeiden, hatte der Führer dieses Zuges. Beim Einrollen in den Hauptbahnhof Pforzheim stürzte eine Frau vor dem Zug auf die Gleise. © Ketterl
15.01.2013

Zug überrollt Frau: Bahnhof Pforzheim gesperrt

Todesfall am Hauptbahnhof Pforzheim: Gegen 12.30 Uhr ist am Dienstag eine etwa 40-jährige Frau vor einen einfahrenden Zug gefallen und dabei getötet worden. Der Hauptbahnhof musste zuerst ganz und dann in Teilen für rund zwei Stunden gesperrt werden. Dies hatte Auswirkungen auf Hunderte Bahnreisende. Da sich das Unglück in der Mittagszeit ereignete, traf es vor allem viele wartende Schüler.

Ingesamt waren nach Angaben eines Bahnsprechers 17 Züge von der Sperrung betroffen und hatten im Durchschnitt eine Verspätung von 20 Minuten. Zwei Züge seien über Bruchsal umgeleitet worden, fünf Züge seien komplett ausgefallen, elf Züge konnten ein Teilstück ihrer Strecke nicht befahren. Auch der IC endete wegen des Unglücks am Hauptbahnhof und konnte nicht weiter in Richtung Karlsruhe fahren.

Ab 13 Uhr wurde ein Busersatzverkehr in Richtung Mühlacker und Wilferdingen-Singen eingerichtet und die Sperre für den kompletten Zugverkehr eine halbe Stunde später wieder aufgehoben. Die Gleise 3 und 4 waren jedoch noch eine weitere Stunde blockiert. Erst danach normalisierte sich der Bahnverkehr wieder.

Das Unglück hatte sich gegen 12.30 Uhr am äußeren Ende von Gleis 3 ereignet. Dort ist der Bahnsteig abgesenkt, um eine Gleisüberquerung für Rollstuhlfahrer zu ermöglichen, die aber nur in Begleitung von Bahnpersonal erlaubt ist. Laut Polizeisprecher Frank Otruba ließ sich dort eine etwa 40 Jahre alte Frau, deren Identität bisher noch nicht feststeht, vor einen aus Karlsruhe kommenden Regional-Express fallen. Dabei wurde sie getötet. Obwohl der Zug nur noch mit rund 60 Stundenkilometern in den Hauptbahnhof einfuhr, konnte ihn der Zugführer trotz einer Notbremsung erst 50 Meter weiter zum Stillstand bringen.

Gegen 14 Uhr nahm das Fahrzeug eines Bestattungsunternehmens die Leiche auf, verborgen durch ein großes Tuch, das Feuerwehrmänner hoch hielten. Für die weiteren Ermittlungen ist nicht wie sonst auf dem Territorium der Bahn die Bundespolizei (früher Bahnpolizei) zuständig, sondern bei Personenschäden die Landespolizei, in diesem Fall die Kripo Pforzheim.

Der Lokführer stand nach dem Unfall unter Schock und musste von einem Notfallseelsorger betreut werden. Obwohl sich der Unfall am äußersten Ende des Gleises zutrug, mussten einige Bahnreisende das Unglück mit ansehen. Nicht nur bei den Zugführern, auch bei den Umstehenden könne dies eine Traumatisierung auslösen, weiß Hans-Jürgen Köhl, Mitgründer der Notfallnachsorge des Deutschen Roten Kreuzes und Initiator der von Ehrenamtlichen getragenen „Anlaufstelle“ – Hilfe in Lebenskrisen und bei Suizid-Gefahr in Pforzheim. „Manchmal kann dieses Trauma ein ganzes Leben lang nicht mehr aus der Seele ausgelöscht werden“, sagt er.

Er bezweifelt, dass es für das Umfeld sichtbare Anzeichen für einen solchen Vorfall gibt. „Ob sich jemand an der Bahnsteigkante herumdrückt, sich eher im Hintergrund hält oder auf niemanden zu warten scheint, jedoch auch nicht in einen Zug einsteigen will – es gibt kein spezielles Muster“, sagt Köhl.

Trotzdem bedauere er die allgemeine Achtlosigkeit der Gesellschaft. „Viele haben kein Auge mehr für ihre Mitmenschen“, sagt er. Es brauche eben auch Mut, auf jemanden zuzugehen, der vielleicht Hilfe brauchen könne.

Menschen in der Krise können Hans-Jürgen Köhl in der „Anlaufstelle“ – Hilfe in Lebenskrisen und bei Suizid-Gefahr telefonisch unter (0171) 8025110 erreichen. tok/gk/jtm/ola/bel

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