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Für alte und kranke Bewohner der Obdachlosensiedlung: Einer von zwei Häuserblocks im Unteren Enztal am Wendehammer wird entrümpelt. Die Stadtbau als Eigentümerin will sie auf eigene Kosten mit Heizung und Sanitärbereich herrichten.
28.06.2010

Zwei Blocks in Obdachlosensiedlung bekommen Heizung

PFORZHEIM. Die Stadtbau will zwei Blocks in der sanierungsbedürftigen Obdachsiedlung Unteres Enztal für Alte und Kranke umbauen. Der Gemeinderat hatte kürzlich entschieden, die Notunterkünfte zu erhalten.

Bildergalerie: Leben in der Obdachlosensiedlung im Eutinger Tal

Bildergalerie: Obdachlosensiedlung im Unteren Enztal

Gieso Wege, Sozialarbeiter vom Wichernhaus, ist seit einigen Monaten im Auftrag der Stadt einige Stunden in der Woche in der Siedlung unterwegs und hat nur zu einem Teil der Menschen Kontakt. Da sind zum einen die relativ normal lebenden Familien. Er hat aber auch 14 Frauen und Menschen getroffen, die Krebs, Diabetis oder eine Lungenkrankheit haben oder an Krücken laufen.

Er hat 13 Bewohner registriert, die über 70 Jahre alt sind und teilweise an Altersgebrechen wie Demenz leiden. Sie leben zum Teil schon Jahrzehnte ohne Dusche, mit Treppen und Schwellen sowie mit unzureichender Heizmöglichkeit.

Umbau auf eigene Kosten

Für einige von ihnen könnte der Umbau der beiden Blocks am Wendehammer der Siedlung eine Verbesserung der Wohnsituation bedeuten. Dort sollen bis zum Herbst im ehemaligen Kindergarten 16 Wohneinheiten entstehen mit Zentralheizung und Bad.

Das kostet 300 000 Euro, schätzt Ulrich Füting, Chef der Stadtbau. Die Baugesellschaft möchte den Umbau auf eigene Kosten bewerkstelligen. Sie ist Eigentümer der Siedlung aus den 50er-Jahren. Den Umbau der Blocks muss lediglich der Aufsichtsrat beschließen. Zwei marode Gebäudeblocks sollen außerdem innerhalb der Siedlung abgerissen werden. Von einer weiteren Verkleinerung des Quartiers ist allerdings keine Rede mehr.

„Für die Sanierung aller Häuser und der Außenanlagen“, so Füting, „brauchen wir eine Förderung durch einen Landestopf oder das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt. Die Stadt muss den Antrag stellen.“ Dann könnte man auch einige Bewohner mit Mietverträgen ausstatten. Füting will sein städtebauliches Konzept dem Gemeinderat in den nächsten Monaten vorlegen.

Um den Betroffenen besser helfen zu können, so eine Überlegung der Stadt, könnten die Einweisungsfälle künftig direkt beim Sozialamt angesiedelt sein. Eine Fachstelle könnte sich um weitere Fragen wie Verschuldung und neue Wohnungen der Betroffenen kümmern. Denn eigentlich sollen die Betroffenen möglichst schnell wieder raus aus dem Getto. Bislang klappt das in einigen Fällen, in vielen aber nicht. Es fehlt an intensiver Betreuung vor Ort.

Da die Stadt auf die Siedlung nicht verzichten möchte, schickt sie weiterhin von Obdachlosigkeit Bedrohte ins Eutinger Tal, bestätigt Martina Dann vom städtischen Ordnungsamt. Und die Kommune läuft Gefahr, dass die Menschen dort hängenbleiben. Die Folge: Die wenigsten sind nach Jahrzehnten bereit, die Siedlung wieder zu verlassen, resümiert Wege. Ihnen soll er beim Umziehen helfen.

Die Versorgung der Neuankömmlinge mit Öfen, wie sie Oberbürgermeister Gert Hager vor Weihnachten angeordnet hatte, ist bislang vom Ordnungsamt zurückgestellt worden. Solange, bis es eine Entscheidung über die Zukunft der Siedlung gibt, sagt Dann. Und so sind jüngst wieder zwei Menschen in Wohnungen im Eutinger Tal untergebracht worden, in denen kein Ofen steht.

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