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Reges Interesse haben die Pforzheimer an den Plänen der beiden verbliebenen Investoren für das Großprojekt in der östlichen City gezeigt. Bei der Informationsveranstaltung im Theater präsentierten sich die Bietergruppen erstmals und standen für Fragen zur Verfügung. 
Reges Interesse haben die Pforzheimer an den Plänen der beiden verbliebenen Investoren für das Großprojekt in der östlichen City gezeigt. Bei der Informationsveranstaltung im Theater präsentierten sich die Bietergruppen erstmals und standen für Fragen zur Verfügung.  © Meyer
Erläutert sein Modell: Hans-Jürgen Birk, Geschäftsführer der Activ-Group, der unter anderem den Handel in die östliche Innenstadt zurückholen möchte. Foto: Meyer
Erläutert sein Modell: Hans-Jürgen Birk, Geschäftsführer der Activ-Group, der unter anderem den Handel in die östliche Innenstadt zurückholen möchte. Foto: Meyer
Setzt auf klare Strukturen: Andreas Kern, Geschäftsführer der TBB Ten Brinke-Projektentwicklungs-GmbH, mit Baudezernentin Sibylle Schüssler. Foto: Meyer
Setzt auf klare Strukturen: Andreas Kern, Geschäftsführer der TBB Ten Brinke-Projektentwicklungs-GmbH, mit Baudezernentin Sibylle Schüssler. Foto: Meyer
16.05.2018

Zwei Investoren übrig: Gestatten, wir wollen Innenstadt-Ost bauen

Pforzheim. Es ist das große Tourneefinale: Nachdem die Stadt in den vergangenen Wochen mit den drei Modellen zum Projekt Innenstadt-Ost durch die Ortsteile getingelt ist, bildet die Bürgerinformationsveranstaltung an diesem Mittwochabend im Theater vor rund 200 Zuhörern den Abschluss der Öffentlichkeitskampagne. Erstmals stellen sich dabei die beiden verbliebenen Bietergruppen vor.

Das sagen die Investoren:

„Es war eine besondere Herausforderung, im Herzen der Innenstadt zu planen“, sagt Andreas Kern von der Ten Brinke Group aus Regensburg. Mit ihren Plänen wolle die Bietergruppe „ein großes Stück der Pforzheimer Innenstadt revitalisieren“, ergänzt der Stuttgarter Architekt Jens Wittfoht (Wittfoht Architekten BDA). In dem Modell, das Rathausspitze, Jury und Projektbeirat bereits im November favorisiert hatten, setzt der Investor auf klare Strukturen. Geplant sind neben Handel und viel Wohnraum auch ein Hotel und zwei Kindergärten. Der Clou: Die Andienung soll unterirdisch stattfinden. Und während die Östliche hier als Verlängerung der Westlichen integriert wird, soll die Schloßbergtrasse lediglich zurückgebaut und künftig von Radfahrern und Fußgängern genutzt werden. Beide Investoren setzen auf viel Grün.

Das Leben und den Handel in die Innenstadt zurückholen, das möchte auch Hans-Jürgen Birk von der Activ-Group aus Schemmerhofen: „In Pforzheim hat sich bislang viel in den Randlagen abgespielt.“ Für das geplante „Innenstadtzentrum“ soll das Technische Rathaus einem neuen Carré aus kleinteiligen Gebäuden weichen. Das war nicht von Anfang an so geplant: „Ich bin kein Freund davon, das Technische Rathaus abzureißen“, gesteht der Münchener Architekt Klaus Kehrbaum (Kehrbaum Architekten AG). So habe er das Gebäude lange Zeit in den Entwürfen berücksichtigt. Auch ein ökologisches Energiekonzept liegt vor. Optisch präsentieren sich die Fassaden hier mit Bögen. Auch an eine Markthalle denkt der Investor. „Die größte Disziplin ist es, das Modell am Ende mit Leben zu füllen“, weiß Birk. Aufgrund des langen Prozesses seien potenzielle Mieter wie Edeka abgesprungen. Auch einer der Investoren hat sich zuletzt zurückgezogen. Besondere Gründe habe er nicht genannt, so Baudezernentin Sibylle Schüssler. Vielleicht sei ihm der Zuschlag zu ungewiss gewesen – bei hohen Kosten.

Das sagt die Stadt: Schüssler spricht von einem Marathon, der hinter den Beteiligten liege. Zumindest gut zwei Drittel der Strecke. OB Peter Boch sieht das „Fortschrittsprojekt“ Innenstadt-Ost als große Chance. Hier entstehe ein „neues Quartier im Herzen der Stadt, das nach unseren Wünschen gestaltet wird“. Boch gesteht auch, anfangs skeptisch gewesen zu sein – ihm habe die Transparenz gefehlt. Längst ist der Projektstopp für ihn keine Alternative mehr: „Dann haben wir viele Grundstücke in der Innenstadt, aber keinen, der bereit ist, dort zu investieren.“ Zumal die Stadt einen Eigenanteil von gerade einmal zehn Millionen aufbringen müsse. Dem gegenüber stehen über 100 Millionen Euro, die die Bieter investieren wollen. Ohne Schließung der Schloßbergauffahrt gehe das aber nicht, so Boch.

Das meinen die Experten:

Professor Theo Brenner erläutert, wie man als Planer einen Stadtraum repariert und eine Innenstadt attraktiv macht. Pforzheim beschreibt er als „Stadt, die ihre Mitte zwischen dem Schloßberg und dem Wasser hat und das noch nicht gemerkt hat, weil man nur mit dem Auto dort hochfahren kann.“ Ralf Huber-Erler, Diplom-Ingenieur für Verkehrsplanung, analysiert die Verteilung der Verkehrsströme nach der Sperrung des Schloßbergs, die von allen beteiligten Planern und Architekten für unumgänglich gehalten wird. Innerhalb von 24 Stunden passierten rund 12.500 Autos den Schloßberg, hat er ermittelt. Mit Computersimulationen stellt er die Neuverteilung der Verkehrsströme dar: Die meisten zusätzlichen Fahrzeuge hätten demnach die Achsen Jahnstraße/Goethestraße (plus 2500) und die Parkstraße (plus 3000) als Teile des Innenstadtrings aufzunehmen. Alles weitere verteile sich in kleineren Tranchen auf weitere Routen bis hin zur Autobahn. Der Innenstadtring könne den zusätzlichen Verkehr akzeptabel bewältigen, wenn Ampelschaltungen angepasst und Spurführungen optimiert würden. Offen bleibt die Frage nach Auswirkungen auf den Linienbusverkehr.

Das wollen Bürger wissen:

Die meisten konkreten Fragen drehen sich um die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes, die Größe, Vermarktbarkeit (aus Investorensicht rentabel) und Miethöhe („orientiert am Pforzheimer Mietspiegel“, so die Investoren des neu entstehenden Wohnraums) – und die Kosten für die Stadt. Netto zehn Millionen Euro – ohne die spätere Schloßbergbebauung. Diese Kosten bestehen aus 30 Millionen Euro für Immobilienankauf, Abbruch und Infrastruktur, dem stehen 20 Millionen Euro an Fördermitteln und aus dem Grundstücksverkauf gegenüber.

So geht es jetzt weiter:

Bis Oktober sollen die vertraglichen Verhandlungen abgeschlossen sein. Noch in diesem Jahr rechnet Schüssler mit einem Gemeinderatsbeschluss. Dann gehe es 2019 in die Vorbereitungen. Baureferent Marc-Tell Feltl schätzt, dass die Bagger 2021 rollen – „vorausgesetzt, es läuft alles nach Plan, und es gibt kein Bürgerbegehren“. Das Aktionsbündnis „Pro Bäder, Schulen, Kitas – statt Innenstadt-Ost“ will einen solchen und hat für heute ab 19 Uhr in die Bergdorfhalle Büchenbronn geladen.

Meiricher
17.05.2018
Zwei Investoren übrig: Gestatten, wir wollen Innenstadt-Ost bauen

Diese sogenannten Verkehrsexperten haben ihre Hausaufgaben offensichtlich nicht ordentlich erledigt. Was hier nicht erwähnt wird, ist die belastung zu Stoßzeiten. 12500 Autos in 24h. Und wie sieht das morgens und abends aus? Hier wird dem Bürger bewußt etwas vorgegaukelt! Der Innenstadtring funktioniert schon heute nicht. Der Schloßberg ist die kürzeste Verbindung zwischen PF-Nord und Süd. Sankt Georgen Steige zur Nordstadt. Die B463 führt über den Schloßberg. Die Strecke Pf-Süd-Sankt georgen ...... mehr...

OB-Kandidat
17.05.2018
Zwei Investoren übrig: Gestatten, wir wollen Innenstadt-Ost bauen

Auch beim Thema Innenstadt-Ost hat Herr Boch nach der Wahl eine 180 Grad Kehrtwende vollzogen. All diejenigen, die nun sauer sind, als Wutbürger zu beschimpfen, ist ziemlich lächerlich. mehr...