nach oben
Als „Wildwuchs an unterschiedlichen Formen und Farben“ bezeichnet die Stadtverwaltung die zunehmende Anzahl an privaten Bänken, die an den Gräbern aufgestellt wurden. Foto: Ketterl
Als „Wildwuchs an unterschiedlichen Formen und Farben“ bezeichnet die Stadtverwaltung die zunehmende Anzahl an privaten Bänken, die an den Gräbern aufgestellt wurden. Foto: Ketterl
Einheitliches Bild: Die Stadt befürchtet, dass zu viele Privat-Bänke die Friedhofslandschaft zu stark verändern. Foto: Bechtle
Einheitliches Bild: Die Stadt befürchtet, dass zu viele Privat-Bänke die Friedhofslandschaft zu stark verändern. Foto: Bechtle
Immer mehr Bänke in verschiedenen Farben und Materialien wurden an Gräbern aufgestellt.
Immer mehr Bänke in verschiedenen Farben und Materialien wurden an Gräbern aufgestellt.
09.08.2015

Zwist um private Bänke an Gräbern auf dem Hauptfriedhof

Die Nachricht hat der älteren Frau die Tränen in die Augen getrieben. „Wo soll ich mich denn nun hinsetzen“, fragt sich nicht nur sie. Denn auch andere Besucher des Hauptfriedhofs haben dieser Tage Post von der Stadt bekommen. Mit der Aufforderung, die vor den Gräbern ihrer Angehörigen aufgestellten privaten Bänke bis Ende August zu entfernen.

„Bislang wurden einzelne dieser Bänke aus Baumärkten, die von der Verwaltung nicht genehmigt wurden, toleriert“, sagt der städtische Pressesprecher Michael Strohmayer. In der letzten Zeit hätten diese Bänke in unterschiedlichen Farben und Formen jedoch überhand genommen und veränderten die Friedhofslandschaft. Etliche Friedhofsbesucher hätten sich über den Anblick bereits beschwert, zudem seien die Bänke ein Hindernis beim Rasen- und Heckenschnitt.

Laut Strohmayer ist daher in 16 Fällen ein Anschreiben mit der Bitte um Entfernung der Bank herausgegangen, neun Bänke seien bereits abgeholt worden. „Es wird nicht nur versucht, ein unansehnliches Allgemeinbild auf dem Friedhof zu verhindern. Vielmehr möchten wir auf das generelle Verhalten auf dem Friedhof, wie es in der Friedhofssatzung geregelt ist, aufmerksam machen“, verdeutlicht Strohmayer die städtische Sichtweise.

Auch Stadtrat Axel Baumbusch weiß, dass die Stadt mit ihrem Vorgehen recht hat und die Bänke illegal aufgestellt sind. Dennoch kann er die Betroffenheit der zumeist älteren Friedhofsbesucher nachvollziehen. Viele Anrufe hat er deswegen schon erhalten. „Die Leute sind meist nicht mehr gut zu Fuß unterwegs“, sagt Baumbusch. Sie würden gerne in der Nähe ihrer Angehörigen sitzen, um mit ihnen in einen Dialog zu treten – und nicht etwa 30 Meter vom Grab entfernt auf einer der regulären Friedhofsbänke. Er weiß aber auch um das Dilemma der Stadt: „Schließlich soll es ja auch keine Auswüchse annehmen, so dass hier jeder Plastikbänke ohne jegliche Qualität aufstellt“, sagt er.

Er fragt sich jedoch, warum für die nicht mehr ganz so rüstige Bevölkerung keine alternative Lösung gefunden wird. „Wir sind doch eine alternde Gesellschaft und werden gebrechlicher, da muss man diesem Bedarf doch auch Rechnung tragen“, sagt Baumbusch. Um Wildwuchs zu vermeiden, könnte die Stadt seiner Ansicht nach beispielsweise eine bestimmte Produktpalette an Bänken anbieten, die Interessierte dann kaufen und in der Nähe der Gräber aufstellen könnten.

Doch hier zeichnet sich keine Lösung ab. „Wir haben 120 Bänke auf dem Hauptfriedhof, von denen der überwiegende Teil nicht befestigt ist“, sagt Strohmayer. Auch diese losen Bänke würden ständig von Friedhofsbesuchern von ihrem vorgesehenen Plätzen entfernt und müssten vom technischen Personal gesucht und zurückgestellt werden. „Die Problematik würde sich verstärken, wenn Bänke von der Stadt an Grabnutzer verkauft würden und diese verschwinden würden.“ Möglicherweise könne eine Aufstockung der Bänke helfen, dennoch bleibe die Problematik der eigenmächtigen Versetzung der Bänke bestehen. „Leider ist es nicht möglich, für jeden Grabnutzer in unmittelbarer Nähe eine Bank aufzustellen. Ähnlich verhält es sich bei den Wasserschöpfstellen und den Abfallentsorgungsbehältern“, sagt Strohmayer.

Leserkommentare (0)