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Zu Tisch: Kulturamtsleiterin Angelika Drescher (links) und Kuratorin Chris Gerbing zeigen in der Ausstellung, dass auch feines Geschirr, Schnapsgläser und Löffel aus Pforzheimer Manufakturen stammten. Foto: Bechtle
Zu Tisch: Kulturamtsleiterin Angelika Drescher (links) und Kuratorin Chris Gerbing zeigen in der Ausstellung, dass auch feines Geschirr, Schnapsgläser und Löffel aus Pforzheimer Manufakturen stammten. Foto: Bechtle
Fingerhüte für den Weltmarkt: Darin war Pforzheim führend. Foto: Bechtle
Fingerhüte für den Weltmarkt: Darin war Pforzheim führend. Foto: Bechtle
19.05.2017

usstellung „Echt-Unecht ?!“ eröffnet am Sonntag im Stadtmuseum

Pforzheim. Welthauptstadt der Fingerhüte, und älteste Trauring-Maufaktur: Wer durch die neue Ausstellung „Echt unecht?! Schmuck aus Pforzheimer Industrieproduktion“ mit ihren 400 Exponaten im Stadtmuseum schlendert, lernt etwas über die schiere Masse der Schmuckstücke, Taschengebrauchsartikel und edlen Gebrauchsgüter, die die Stadt bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verließen.

Nach der Ausstellung „Frühe Schmuck- und Bijouterie Manufakturen: Hanau, Pforzheim, Schwäbisch Gmünd“ umfasse die neue Schau den Zeitraum von 1880 bis heute, erklärt Kuratorin Chris Gerbing. Um 1900 beherrschte Pforzheim den internationalen Markt mit hochwertigem und trotzdem preisgünstigem Schmuck und bediente damit eine neue Nachfrage. Denn es entstand eine neue aufstrebende Schicht der Angestellten, die Kleidung und Schmuck der herrschenden Schicht imitierten.

Doublé, Markasit und Simili, synthetische Edelsteine, Alpaka und Tombak hielten als Materialien und Verfahren Einzug, und ermöglichten jedermann, sich zu schmücken. Unecht meinte keinesfalls billig produzierten Modeschmuck, sondern Ideenreichtum und Tüftlergeist. Die Patente erzählen die Geschichte der Innovationen „made in Pforzheim“, mit denen die Unternehmen zum Teil bis heute in aller Welt erfolgreich seien. Die Schmuckstücke seien so perfekt gearbeitet, dass häufig Lupe und Waage notwendig seien, um zwischen „echt“ und „unecht“ zu unterscheiden, klärt Gerbing auf.

Die bis zum 10. September laufenden Schau wird am Sonntag um 11.30 Uhr von Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler und Kuratorin Chris Gerbing eröffnet. Die musikalische Untermalung übernehmen Dieter Huthmacher, Matthias Hautsch, Klaus Dusek und Salome Tendies. Am Montag, 29. Juni, ab 18.30 Uhr, gibt es eine Diskussion zum Thema „Ist echt unecht Luxus“ mit Thomas Hensle von der Hochschule, Schmuckkünstlerin Iris Bodemer und Gerhard Renaud, Ex-Geschäftsführer von Lutz & Weiss.