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26.09.2008

Anders als im PZ-Interview: Ex-SPD-Chef Kurt Beck frei von der Leber weg

BERLIN/PFORZHEIM. Hätte man es vor kurzem noch für möglich gehalten, dass Kurt Beck so frische Interviews geben kann, wie diese Woche im Stern? „Halbverrückte“ dürften künftig nicht mehr die Arbeit der SPD kaputt machen, schimpfte der Ex-SPD-Chef frei von der Leber runter. Manche Parteifreunde hätten ihm „Backsteine statt Brot in den Rucksack gepackt.“

Wenn man über eine Frau so geschrieben hätte wie über ihn, wäre es „blanker Sexismus“ gewesen, schimpfte er. Früher kamen seine Interviews viel matter daher. Der Grund: Jetzt bearbeiten seine Interviews die eigenen Leuten, früher wurden sie in der SPD-Zentrale von SPD-Sprecher Lars Kühn entschärft. Kühn jetzt zur PZ: „Wir haben oft nichts stehen lassen, von dem, was er gesagt hat.“ Als Beispiel nannte er ein PZ-Interview mit Beck vom Juni. Was er davon halte, wurde er gefragt, dass SPD-Umweltminister Gabriel vorschlage, die Steuervergünstigungen für Dienstwagen zu kappen. Das sei kein „akkurater Weg.“ antwortete Beck. Daraus gemacht wurde der Satz: „In Deutschland sind viele auf einen Dienstwagen angewiesen.“ Beck fügte an: Er glaube nicht, „dass der von Gabriel vorgeschlagene Weg vernünftig ist.“ Die SPD-Zentrale machte daraus: „Die meisten fahren ja nicht aus Spaß einen Dienstwagen.“ Wie man sieht, bringt das Absegnen von Interviews keinen Segen.