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Die Polizei setzte am Donnerstag in Metzingen (Kreis Lüchow-Dannenberg) Wasserwerfer gegen Atomkraft-Gegner ein, die als Protest gegen den Castor-Transport die B216 blockierten. Am kommenden Wochenende wird im Wendland der 13. Castor-Transport mit deutschem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitung erwartet. © dpa
25.11.2011

Castor-Atommülltransport hat Deutschland erreicht

Saarbrücken. Der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll hat Deutschland erreicht. Der mit elf Spezialbehältern beladene Zug kam bei Saarbrücken an. Der Zug bringt deutschen Atommüll aus La Hague nach Gorleben.

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Nach eintägigem Zwischenstopp kurz vor der deutschen Grenze rollt der Castor-Transport mit Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage weiter Richtung Gorleben. Im Saarland planen Atomkraftgegner mehrere Aktionen. Alternativ hätte der Zug auch die Strecke über das pfälzische Berg oder Kehl in Baden-Württemberg nehmen.

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Im niedersächsischen Wendland kam es bereits am Donnerstagabend zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Atomkraftgegnern und der Polizei. In dem Örtchen Metzingen - rund 30 Kilometer von Gorleben entfernt - wurden zwei Wasserwerfer eingesetzt. Atomkraftgegner warfen bei einer Straßenblockade Steine, Farbbeutel und Böller. Es gab Verletzte auf beiden Seiten.

Nach Angaben der Polizei mussten acht Beamte wegen Verletzungen durch Steinwürfe und Reizgas behandelt werden. Atomkraftgegner sprachen von 20 durch Pfefferspray verletzten Demonstranten, eine Frau habe Prellungen erlitten. Vier Castorgegner wurden laut Polizei festgenommen.

Nach dem Vorfall in Metzingen sei die Nacht im Wendland ruhig verlaufen. «Die Lage ist, dass wir keine Lage mehr haben», sagte ein Polizeisprecher am frühen Morgen der Nachrichtenagentur dpa. Atomkraftgegner haben aber bereits weitere Protestaktionen an den Schienen angekündigt, um den Castor-Transport aufzuhalten.

Am Donnerstag protestierten Atomkraftgegner in Rheinland-Pfalz und Hessen friedlich an möglichen Streckenabschnitten gegen den Atomzug. Im pfälzischen Berg versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 250 Demonstranten.

In Nordhessen verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf Signalanlagen der Bahn. Die Flammen beschädigten Leitungen, die für die Steuerungen von Signalen und Weichen zuständig sind. Ob die Tat mit dem Castor-Transport in Verbindung steht, war aber bis zum Freitagmorgen nach Polizeiangaben noch unklar.

Der Atommüll-Zug hatte am Donnerstagvormittag die französische Gemeinde Rémilly rund 65 Autokilometer südwestlich von Saarbrücken erreicht. Nach Greenpeace-Angaben deutete ein ungewöhnlich großes Polizeiaufgebot bereits auf einen längeren Halt hin. Offenbar sollten in Rémilly auch das Zugpersonal und die Lokomotive ausgetauscht werden. Der Zug dürfte jetzt über Neunkirchen Richtung Rheinland-Pfalz weiterfahren.

Der Transport des Atommülls nach Gorleben ist seit Jahrzehnten umstritten. Greenpeace und andere Organisationen halten den Salzstock an der früheren DDR-Grenze für zu unsicher, um hier den Müll für immer in rund 800 Metern Tiefe zu lagern. Seit vielen Jahren gibt es daher Proteste gegen Castor-Transporte in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager, wo der Müll bis zur Endlagerung abkühlen soll.

Der laufende Transport ist der letzte mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich Richtung Gorleben. Bundesregierung und Energieversorger hatten sich bereits vor Jahren darauf verständigt, vom 1. Juli 2005 an keine abgebrannten Brennelemente wieder aufarbeiten zu lassen. Die Bundesrepublik ist jedoch verpflichtet, den bereits früher ins Ausland transportierten Atommüll zurückzunehmen. dpa