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Guttenberg räumt Fehler ein, tritt aber nicht zurück © dpa
18.02.2011

Guttenberg lässt Doktortitel ruhen

BERLIN. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nennt sich vorerst nicht mehr Doktor - er tritt aber nach den Plagiatsvorwürfen nicht zurück. Am Freitag gab er eine öffentliche Erklärung zu den angeblichen Schummeleien bei seiner Doktorarbeit ab und löste einen Eklat aus, weil er einen Großteil der Medien ausschloss. Dafür entschuldigte er sich später nach Protesten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehrere andere Unionspolitiker stärkten ihm den Rücken, aus der Opposition wird aber weiter sein Rücktritt gefordert. Bildergalerie: Karl-Theodor zu Guttenberg: So kennen ihn die Deutschen«Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir», sagte Guttenberg. «Sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.» Zu keinem Zeitpunkt sei aber bewusst getäuscht oder der Urheber nicht genannt worden. Er wolle bei der Prüfung mithelfen, um festzustellen, ob es sich um wissenschaftliches Fehlverhalten handle.

Bildergalerie: Karl-Theodor zu Guttenberg soll noch mehr abgeschrieben haben

Der 39-Jährige entschuldigte sich: «Sollte sich jemand hierdurch oder durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid.» Den Doktortitel wolle er bis zum Ende der Untersuchungen der Universität Bayreuth nicht verwenden. «Anschließend würde ich ihn wieder führen.» Er betonte: «Die Menschen in diesem Lande erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere, und das kann ich auch.» Als Beleg nannte er einen weiteren toten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Dies wurde zeitgleich zu Guttenbergs Erklärung bekannt.

Guttenberg soll in seiner Dissertation zahlreiche fremde Textstellen ohne korrekte Quellenangabe verwendet haben. Plagiatsjäger listeten inzwischen mehr als 80 Textstellen im Internet auf. Im schlimmsten Fall kann dafür der Doktortitel aberkannt werden. Die «Berliner Zeitung» schrieb, dass sich der CSU-Politiker auch bei der Hausarbeit eines Studienanfängers bedient haben soll, die anonym im Netz steht. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll er zudem Textpassagen des Göttinger Rechtsprofessors Thomas Schmitz ohne korrekten Hinweis verwendet haben - auf mehr als 10 Seiten verteilt.

Für die Opposition ist Guttenberg nicht aus dem Schneider. Er wird nach Ansicht von Linksfraktionschef Gregor Gysi über die Affäre stürzen. «Vor irgendwelchen Forderungen warte ich die Entscheidung der Universität Bayreuth ab, aber ich glaube, dass er es nicht überstehen wird», sagte Gysi der Nachrichtenagentur dpa. Ein Hauptgrund sei, dass er sich das Image der Wahrheitsliebe gegeben habe. SPD-Fraktionsvorstandsmitglied Sebastian Edathy forderte den Rücktritt von Guttenberg bei «Handelsblatt Online».

SPD und Grüne verlangten eine Erklärung Guttenbergs im Bundestag. Für den Fall, dass er dies in der nächsten Woche nicht zufriedenstellend liefere, schloss Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin eine Rücktrittsforderung nicht aus. Co-Fraktionsvorsitzende Renate Künast sprach von einer «halbgaren Geschichte» wegen des ruhenden Doktortitels. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte, es gehe um den Vorwurf systematischer Täuschung und des Betruges und nicht um einzelne Zitierfehler

Merkel steht dagegen trotz der Affäre zu ihrem Verteidigungsminister. Sie habe «volles Vertrauen», hieß es in Regierungskreisen. Die Kanzlerin hatte Guttenberg am Donnerstagabend zum Gespräch gebeten. Auch CSU-Chef Horst Seehofer sicherte Guttenberg «volle Solidarität und Unterstützung» zu. «Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit seiner heutigen Erklärung eine sehr respektable Haltung gezeigt.» Der Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Stefan Müller, sprach von einer «Hetzjagd». Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nahm Guttenberg im Deutschlandfunk in Schutz. «Jedem passiert auch mal vielleicht ein Fehler.»

Guttenberg düpierte mit seiner Erklärung einen Großteil der Hauptstadtpresse. Er gab eine Stellungnahme zu der Affäre ab, schloss dabei aber einen Großteil der deutschen Medien aus, deren Vertreter zeitgleich in der Bundespressekonferenz (BPK) saßen. Nach einem scharfen Protestbrief des BPK-Vorsitzenden Werner Gößling entschuldigte sich Guttenberg ein weiteres Mal. Er verwies darauf, dass in Afghanistan ein weiterer Bundeswehrsoldat getötet wurde.

Gegen Guttenberg wurden zwei Strafanzeigen gestellt. Bei der ersten gehe es um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht, sagte der Leitende Bayreuther Oberstaatsanwalt Thomas Janovsky der dpa. Die zweite Anzeige zum Vorwurf falscher eidesstattlicher Versicherung sei kein Grund für Ermittlungen, da die Promotionsordnung der Jura-Fakultät keine solche Abgabe vorsehe. Guttenberg hat von der Universität Bayreuth am Donnerstag eine Frist von zwei Wochen bekommen, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

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