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Justizminister will heimliche Aufnahmen nackter Kinder verbieten. Foto: dpa
Justizminister will heimliche Aufnahmen nackter Kinder verbieten
12.04.2014

Justizminister will heimliche Aufnahmen nackter Kinder verbieten

Verschärfter Kampf gegen Kinderpornografie: Justizminister Maas will Aufnahmen verbieten, die posierende nackte Kinder zeigen. Eltern müssen aber nicht fürchten, dass sie ihren Nachwuchs künftig nicht mehr fotografieren dürfen.

Berlin (dpa) - Nacktbilder von Kindern sollen nach Vorstellung von Justizminister Heiko Maas (SPD) künftig verboten sein - sofern sie heimlich oder gegen den Willen des Kindes gemacht oder verkauft wurden. Das geht aus einem Referentenentwurf des Justizministeriums hervor, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Samstag vorlag. Maas hatte seine Vorschläge am Freitag anderen Ministerien zur Abstimmung weitergeleitet.

In Deutschland ist es verboten, kinderpornografische Schriften herzustellen, zu verbreiten oder zu beziehen. Das steht in Paragraf 184b des Strafgesetzbuchs. Maas will in diesen Paragrafen nun ausdrücklich das sogenannte Posing aufnehmen. Geht sein Vorschlag durch, ist es künftig auch strafbar, nackte Kinder in einer unnatürlich geschlechtsbetonten Körperhaltung zu fotografieren - sofern die Aufnahme unbefugt gemacht wird.

Ein Beispiel: Im Internet wird ein Video von einem nackten Mädchen verbreitet. Der heimlich oder gegen den Willen des Mädchens angefertigte Film zeigt zum Beispiel, wie sich das Kind nach einem Spielzeug bückt. In so einem Fall macht sich der Vertreiber des Films strafbar und muss mit drei Monaten bis fünf Jahren Haft rechnen. Ebenfalls strafbar macht sich, wer solche Videos oder Bilder aufnimmt oder sie bezieht.

Bislang sind laut Paragraf 184b nur solche Aufnahmen ausdrücklich verboten, die sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern zeigen - «Posing» ist eine Grauzone. Maas will nun Klarheit schaffen. Das ist auch im Sinne von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). «Die Ministerin begrüßt die Vorschläge des Bundesjustizministers zur Verschärfung der strafrechtlichen Regelungen», ließ sie am Samstag mitteilen.

Straffrei bleiben sollen nach wie vor Eltern, die ihre nackten Kinder beim Spielen fotografieren - denn diese Aufnahmen geschehen in der Regel nicht unbefugt. «Wir sollten nichts kriminalisieren, was zum Alltag vieler Eltern gehört, wie zum Beispiel das Fotografieren ihrer Kinder am Strand», hatte Maas bereits früher klargestellt.

Hintergrund der Gesetzesreform ist neben einer EU-Richtlinie, die Deutschland noch umsetzen muss, die Edathy-Affäre. Der SPD-Politiker Sebastian Edathy hatte im Internet Bilder nackter Kinder gekauft. Die Aufnahmen zeigten allerdings keine expliziten sexuellen Handlungen. In der anschließenden Debatte über Kinderpornografie forderten Kritiker, auch Bilder von posierenden Kindern zu verbieten.

Maas' Eckpunktepapier sieht außerdem vor, dass bloßstellende Aufnahmen und Nacktaufnahmen von Erwachsenen verboten sind. Auch hier gilt: Die Fotos oder Videos müssen unbefugt gemacht worden sein. Wer einen Betrunkenen gegen dessen Willen fotografiert, könnte künftig dafür bestraft werden. Wer seine angeheiterten Freunde mit deren Wissen auf einer Party knipst, dürfte hingegen kein Problem bekommen.