nach oben
Thomas Satinsky, Geschäftsführender Verleger der Pforzheimer Zeitung.
Thomas Satinsky © Meyer
11.05.2018

Kommentar: Die CDU-Frau der Zukunft hatte den richtigen Riecher

Annegret Kramp-Karrenbauers Start als Parteichefin ist geglückt. Sie zeigt, dass Sie mehr ist, als nur "Merkels Mädchen". Ein Kommentar von Thomas Satinsky, Geschäftsführender Verleger der "Pforzheimer Zeitung".

Sie hatten den richtigen Riecher mit Annegret Kramp-Karrenbauer - und natürlich auch ein bisschen Glück. Gemeint ist die knappe Mehrheit der CDU-Delegierten des Hamburger Parteitages, die AKK als Parteivorsitzender den Vorzug vor Friedrich Merz gaben. Denn AKK (die Abkürzung hat sich im Volksmund wegen der Länge ihres Namens durchgesetzt) bringt das mit, was die CDU über Jahrzehnte hin ausgemacht hat: Sie ist volksnah und eine Frau der politischen Mitte.

Umfrage

Trauen Sie Annegret Kramp-Karrenbauer zu, Deutschlands nächste Bundeskanzlerin zu werden?

Ja 22%
Nein 71%
Weiß nicht/Mir egal 7%
Stimmen gesamt 1122

In der Regel gewinnen solche Politiker heutzutage Wahlen. Nur konservativ und Unternehmer-freundlich sein, wie AKKs ehemaliger Widersacher Friedrich Merz, wird bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht ankommen. Wahlsieger müssen mehr denn je den Nerv der Otto-Normal-Menschen treffen. Und dafür ist AKK genau die richtige Wahl.

So langsam merkt auch der konservative Flügel der Union, dass sie nicht „Merkels Mädchen“, also der verlängerte Arm der Kanzlerin, ist. Wenn Annegret Kramp-Karrenbauer auftritt, ist sie selbstbewusst, aber ohne Allüren. Sie kommt nicht spröde rüber. AKK nimmt die Menschen mit, spricht ihre Sprache und konzentriert sich auf die wesentlichen Punkte der Politik. Sie redet verständlich über Klimaschutz, Dieselfahrverbote oder das Verhältnis der Union zu den Grünen.

Wer ihr zuhört, kapiert zügig, dass AKK eine CDU will, die sich auf der Seite der Mehrheit der Gesellschaft befindet. Und genau dort wird die CDU-Vorsitzende in den Clinch mit der AfD gehen müssen. Denn in Sachen Flüchtlingspolitik punktet die AfD gegenüber der Union immer noch. Zu deutlich treten die Ungereimtheiten unserer Wohlfahrtspolitik zu Tage. Um das zu verstehen, braucht es keine journalistischen Enthüllungen über die Ausbeutung unseres Sozialstaates durch libanesische Clans in Berlin. Man muss nur sein Umfeld in Städten wie Pforzheim, Heilbronn oder Karlsruhe analysieren. Schnell kommt man zu dem Schluss, dass es einfach ungerecht ist, wenn Menschen, die sich beruflich abrackern und mit ihrem Einkommen gerade so über die Runden kommen, letztlich finanziell schlechter gestellt sind als Arbeitslose.

Arbeit muss sich wieder lohnen. Dafür braucht es mehr Gerechtigkeit im Sozialbereich. Daran muss Annegret Kramp-Karrenbauer mit ihrer CDU arbeiten. Unser Land hat eine Gerechtigkeits-Debatte bitter nötig. Dies wiederum hat auch viel zu tun mit einem durchsetzungsfähigen Staat. Konservativer oder rechter muss die Union deswegen wahrlich nicht werden. Die Menschen dürfen also gespannt darauf sein, was die Erbin von Angela Merkel konkret in diesem für Europa und Deutschland so wichtigen Wahljahr plant. Und dann wird es auch schnell eine Antwort auf die Frage geben, ob AKK Kanzlerin kann.

Ihre Meinung zum Kommentar an: thomas.satinsky@pz-news.de