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Pöbeleien, Grimassen, offensichtliche Lügen - der Wahlkampf von Donald Trump lässt nichts Gutes für seine Präsidentschaft erahnen.
Pöbeleien, Grimassen, offensichtliche Lügen - der Wahlkampf von Donald Trump lässt nichts Gutes für seine Präsidentschaft erahnen. © dpa
09.11.2016

Kommentar: Trump siegt - Clinton hat versagt

Ein Kommentar von PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht zur US-Präsidentenwahl und zum Sieg von Donald Trump.

Die Amerikaner haben gewählt, und die Welt steht unter Schock. Donald Trump, diese exotische und beängstigende Entgleisung US-amerikanischer Politik, hat das Rennen ums Weiße Haus für sich entschieden. Was das für Amerika und die Welt bedeutet, kann nach dieser nächtlichen Nervenschlacht und bei Licht betrachtet noch niemand wirklich abschätzen. Trumps Wahlkampf lässt allerdings wenig Gutes erahnen.

Die leise Hoffnung besteht dennoch, dass selbst ein Donald Trump als US-Präsident von der Realität eingeholt wird. Genauso wie es Barack Obama erging. Obama, der als eine Mischung aus Popstar und Heilsbringer den USA mit "Yes we can" einen neuen Spirit verlieh, wurde schnell entzaubert. Umso größer muss acht Jahre nach "Obamania" bei vielen Amerikanern die Enttäuschung über den Zustand der USA gewesen sein. Nur so lässt sich erklären, dass der Anti-Politiker Trump ins wichtigste und mächtigste politische Amt der Welt gewählt werden konnte - und am Ende Hillary Clinton keine Chance ließ. Clintons Niederlage ist auch Obamas Niederlage.

Clinton selbst geht als vielleicht größte Enttäuschung in die US-Wahlkampfgeschichte ein. Sie ist das Gesicht des verheerendsten Wahldesasters, das das linksliberale Establishment in den USA jemals erlebt hat. Dem Populismus von Donald Trump konnte sie viel zu wenig entgegensetzen. Ihr mangelndes Charisma, ihre angekratzte Glaubwürdigkeit, ihre wenigen politischen Erfolge und ihre blasierte Überheblichkeit wurden ihr zum Verhängnis. Um es flapsig zu sagen: Clinton und die Demokraten haben es verbockt. Übrigens auch deshalb, weil sie Trump als jemand, der den Sorgen und Nöten vieler, vor allem älterer, Amerikaner so gnadenlos und tabulos eine Stimme verlieh, zu lange unterschätzt und belächelt haben.

Folgerichtig zieht der Milliardär Donald Trump mit all seinen kruden Wertvorstellungen und seinem besorgniserregenden Weltbild ein ins Weiße Haus. In weltumspannende und langanhaltende Depressionen muss man trotzdem nicht verfallen. Denn Trump wird nichts tun, was ihm und seinem Milliarden-Imperium schaden wird. Das lässt seine Eitelkeit nicht zu. Mit der Kongress-Mehrheit im Rücken wird er aber Amerika nach innen wie nach außen verändern. Es gehört zur Demokratie, dies zu akzeptieren. Es gehört aber auch zur Demokratie jetzt schon darauf zu hoffen, dass er spätestens in vier Jahren das Weiße Haus wieder verlässt - ohne all zu viel Schaden angerichtet zu haben.

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