nach oben
Mexikos Mafia bedroht mittlerweile auch Lehrer und Schüler. Hunderte Schulen sind bereits geschlossen, weil die Lehrer aus Angst nicht mehr zum Unterricht kommen. Foto: dpa
mafia © dpa
29.09.2011

Mexiko in Angst: Mafia wirft fünf Köpfe vor Schule

Mexiko-Stadt. Schutzgelderpressung ist zu einem blühenden Geschäftszweig der Kartelle und Banden in Mexiko geworden. Nachtbars, Restaurants, Kasinos und alle möglichen Geschäfte werden in vielen Städten mit brutaler Gewalt zur Zahlung von Schutzgeld gezwungen.

Der fürchterlichste Fall ereignete sich vor zwei Wochen in der nordmexikanischen Stadt Monterrey, wo bei einem Brandanschlag 52 Menschen ums Leben kamen. Jetzt sind von diesem Geschäftszweig der mexikanischen Unterwelt auch Bildungseinrichtungen betroffen.

Seit Ende August sind Hunderte Schulen in der mexikanischen Hafenstadt Acapulco geschlossen. Die Organisierte Kriminalität will die Lehrer zu Schutzgeldzahlungen erpressen. Trotz aller Sicherheitsversprechen sind die Lehrer bis heute nicht in die Schulen zurückgekehrt. Dass ihre Sorgen berechtigt sind, wurde am Dienstag klar, als Kriminelle fünf Menschenköpfe bei einer Schule abwarfen.

An einer anderen Schule fand sich die handgeschriebene Warnung: «Scheinbar habt Ihr nicht verstanden, dass wir 50 Prozent verlangen«, zitierte die Zeitung «Reforma» aus der Botschaft. «Wenn Ihr das nicht macht, werden wir mit der Jagd auf Lehrer und Schüler beginnen. Und bedenkt, dass auch Ihr Familie habt. Mit freundlichen Grüßen, Die Mafia.»

Bisher waren Schulen kein direktes Angriffsziel der kriminellen Banden gewesen. Zu leiden hatten sie dennoch: Vor allem im Norden des Landes waren Kindergärten und Schulen in Gefahr geraten, weil es in ihrer Nähe zu bewaffneten Kämpfen zwischen einzelnen Banden und auch mit Sicherheitskräften gekommen war. Deshalb wurden die Kinder dort speziell auf derartige Vorfälle vorbereitet: Bei Gefahr sollen sie sich auf den Boden legen.

Die Behörden des Bundesstaates Guerrero haben mit großer Nervosität auf die Drohungen in Acapulco reagiert. Bereits Anfang September hatte ein Funktionär zugegeben, dass fünf Prozent der Lehrer bedroht worden seien. Die Regierung erhöhte die Sicherheitsmaßnahmen in der Umgebung von Schulen in zahlreichen Städten und Ortschaften des Bundesstaates, in dem Acapulco liegt.

Polizisten und Soldaten sollen die Sicherheit rund um die Schulen erhöhen, in den Schulen sollen Alarmanlagen installiert werden. «Wenn wir die Schulen schließen, wie sollen wir dann gegen dieses soziale Krebsgeschwür kämpfen?», fragte Gouverneur Angel Aguirre Rivero und forderte die Lehrer auf, ihre Arbeit fortzusetzen.

Viele zweifeln, ob die Maßnahmen ausreichen. «Wir werden erst wieder in die Klassen gehen, wenn die Unsicherheit beendet ist», zitierte die Zeitung «La Jornada» eine Mitteilung der Lehrerschaft. dpa