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Amtsinhaberin: Angela Merkel
Amtsinhaberin: Angela Merkel
29.08.2017

Politikexperte Wagschal: „Ein Sieg im TV-Duell kann eine Rolle spielen“

PZ-Interview mit Professor Uwe Wagschal über die Fernsehdebatten und das Debat-O-Meter, mit dem PZ-Leser während der Sendung ihre Bewertungen abgeben können.

Alle Augen sind auf das große TV-Duell am kommenden Sonntag zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Martin Schulz (SPD) gerichtet. Die Live-Sendung wird als der Höhepunkt des Bundestagswahlkampfs gewertet. Doch bereits am morgigen Mittwoch, 22.30 Uhr, wird auf Sat.1 das „Duell vor dem Duell“ ausgestrahlt mit Vertretern der kleinen Parteien: Linke, Grüne, FDP und AfD. Was haben beide Sendungen gemeinsam? PZ-Leser können die Auftritte der Politiker im Internet in Echtzeit bewerten. Wie das funktioniert und was TV-Duelle ausmacht, darüber hat sich die PZ mit Professor Uwe Wagschal unterhalten, der das Debat-O-Meter mitentwickelt hat.

PZ: Herr Wagschal, welche Bedeutung haben TV-Duelle für den Wahlausgang?

Prof. Uwe Wagschal: TV-Duelle sind ein Element in einem oft wochenlangen und intensiven Wahlkampf. Es gibt viele Mythen, die sich um den Einfluss von TV-Duellen auf den Wahlausgang ranken. Am prominentesten ist sicher das TV-Duell zur Präsidentschaftswahl in den USA 1960 als ein jugendlich und frisch wirkender Kennedy den kränkelnden und ungepflegt aussehenden Kandidaten der Republikaner Nixon im TV-Duell zu übertrumpfen schien und dann auch die Wahl für sich entscheiden konnte. Bei einem unserer letzten Einsätze im Frühjahr in Schleswig-Holstein hat der Herausforderer Daniel Günther von der CDU das TV-Duell klar gegen den Ministerpräsidenten Torsten Albig gewonnen und später eben auch die Wahl. In England hat im Frühsommer Theresa May durch schlechte Debatten ihren vermeintlich sicheren Sieg wieder fast verloren. Ein Sieg im TV-Duell kann also eine Rolle spielen. Oft ist es auch die wohl größte Chance für den Herausforderer zu punkten, weil der Amtsinhaber einen Amtsbonus besitzt.

Wer profitiert am meisten von einem Fernsehduell? Der Amtsinhaber oder der Herausforderer?

In der Regel der Herausforderer. Der Amtsinhaber kann, weil er einen Amtsbonus hat, fast nur verlieren – es sei denn, er liegt stark zurück. Man sieht dies etwa bei der kommenden Bundestagswahl. Kanzlerin Merkel liegt deutlich vorne und will nur ein Fernsehduell gegen Schulz, der zwei Debatten wollte. Im Frühjahr in Schleswig-Holstein war es ähnlich: Ministerpräsident Torsten Albig von der SPD wollte auch nur eine Debatte. Der Herausforderer muss sich bekannter machen. Gerade auch für die kleinen Parteien ist dies übrigens auch eine wichtige Gelegenheit, ihre Spitzenkandidaten und ihr Programm bekannter zu machen. Zudem gilt auch: Je näher das TV-Duell am Wahltermin liegt, desto größer wird der Einfluss sein. Da die Debatte zwischen Angela Merkel und Martin Schulz drei Wochen vor der Bundestagswahl stattfindet, kann auch danach noch einiges passieren.

In den Umfragen liegt Angela Merkel zurzeit weit vor ihrem Herausforderer Martin Schulz. Kann der SPD-Kanzlerkandidat durch einen gelungenen Fernsehauftritt das Blatt noch wenden?

Wir wissen aus der Vergangenheit, dass der Kandidat immer wichtiger wird. Gerade, wenn es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinausläuft und der Abstand zwischen zwei Parteien relativ gering ist, kann eine solche Debatte den Ausschlag geben. Merkel scheint jedoch in den aktuellen Umfragen einen großen Vorsprung zu haben. Für Schulz muss es also darum gehen, den Abstand zu verkürzen. Immerhin werden wohl wieder über 15 Millionen Menschen das TV-Duell sehen. Aber in Deutschland gilt auch: Es regieren zumeist Koalitionen, weshalb die Koalitionsfrage die große Unbekannte beim Wahlausgang sein wird. Auch deshalb ist die Wahl spannend. Und in der Vergangenheit gab es mitunter noch kurz vor der Wahl deutliche Bewegungen, wie etwa 2002, als Schröder den weit vorne liegenden Stoiber noch überholte.

Sie haben bereits viele Fernsehdebatten ausgewertet. Welches Politikerverhalten kommt bei den Zuschauern besonders gut an – und welches besonders schlecht?

Wir merken mit dem Debat-O-Meter, dass emotionale Argumentationen gut ankommen – jedenfalls deutlich besser, als wenn jemand nur Fakten herunterleiert. Der Zuschauer von heute will Emotionen und Engagement sehen. Das bloße Herunterbeten von Zahlen und Leistungen kommt eher schlecht an. Aggressivität wird ebenso eher negativ bewertet. Schlagfertigkeit kommt dagegen immer gut an – ein gutes, witziges Gegenargument bringt Punkte. Der rhetorisch Begabte hat hier klare Vorteile. Und natürlich ist Empathie wichtig, also ein überzeugendes Mitfühlen mit benachteiligten Gruppen. Aber eines sollte auch klar sein: Gut eine Regierung zu führen ist nicht gleich zu setzen mit einer Redebegabung.

Die Teilnahme von Zuschauern am Debat-O-Meter ist freiwillig. Wie repräsentativ können dann die Ergebnisse sein?

Dazu muss man sich zunächst Gedanken machen, auf wen sich die Repräsentativität beziehen soll, wen also unsere Teilnehmerschaft abbilden soll. Natürlich interessieren wir uns besonders für die Wähler, aber man weiß ja leider nur im Nachhinein, wer dann tatsächlich wählen gegangen ist. Und auch die konkret Wahlberechtigten, also jene, die auch wirklich wählen dürfen, kann man streng genommen erst am Wahltag endgültig kennen. Wir verfolgen daher einen Ansatz, den vergleichbar auch der Bundeswahlleiter bei seinen Prognosen der Wahlberechtigten macht und stellen auf die deutsche Bevölkerung im Wahlalter ab, auch wenn natürlich immer alle im Debat-O-Meter mitmachen können, auch Minderjährige oder Ausländer in Deutschland. Um unsere Ergebnisse repräsentativ zu gewichten greifen wir dann konkret auf die Kriterien Alter, Geschlecht, Bundesland und Bildung zurück. So können wir Ungleichgewichte bei den Teilnehmern dann rechnerisch ausgleichen.

Was heißt das konkret?

Nehmen etwa weniger Frauen teil, dann gewichten wir deren Meinung höher und die der Männer, die überrepräsentiert sind, etwas niedriger. Je nachdem wie viele mitmachen sind diese Anpassungen dann eventuell gar nicht so gravierend, in Schleswig-Holstein lagen wir bei der Altersverteilung der Teilnehmer zum Beispiel schon ziemlich gut an der tatsächlichen Bevölkerung. Unser Vorteil ist, dass wir in ganz Deutschland über die Regional- und Lokalzeitungen zur Teilnahme am Debat-O-Meter werben. Wir rechnen mit etwa 20 000 Teilnehmern und damit kann man dann auch einiges herausfinden.

Das „Duell vor dem Duell“ der kleinen Parteien wird am Mittwoch um 22.30 Uhr auf Sat.1 ausgestrahlt. Das „TV-Duell“ Merkel vs. Schulz kommt am Sonntag, 3. September, um 20.15 Uhr parallel auf Sat.1, RTL, ARD und ZDF. Die „Schlussrunde“ wird am Donnerstag, 21. September, um 22 Uhr auf ARD und ZDF übertragen.

So funktioniert das Debat-O-Meter:

- Gehen Sie vor den Debatten auf www.pz-news.de/debatometer.

- Loggen Sie sich ein. Jeder kann teilnehmen.

- Füllen Sie die Vorbefragung aus.

- Das Debat-O-Meter zeichnet die Bewertungen sekundengenau auf.

- Wenn Sie eine Bewertung über einen längeren Zeitraum mitteilen wollen, können Sie mehrfach drücken. Das Debat-O-Meter zeichnet pro Sekunde aber nie mehr als eine Bewertung auf.

- Warum Sie eine Person bewerten und was genau Sie als gut oder schlecht ansehen, bleibt völlig Ihnen überlassen.

- Wird kein Knopf gedrückt, werden keine Daten übertragen. Dies wird als „neutrale“ Bewertung interpretiert.

- Die Knöpfe brauchen nicht gedrückt werden, wenn die Moderatoren gerade sprechen.

- Die Bewertungen werden vertraulich behandelt und nur anonymisiert ausgewertet.

- Füllen Sie nach der Debatte den Fragebogen der Nachbefragung aus.

Isis
29.08.2017
Politikexperte Wagschal: „Ein Sieg im TV-Duell kann eine Rolle spielen“

Diese Sprechblasentante ist Minimum 4 Jahre zu lang im Amt. Kann Deutschland nicht ein einziges mal von andern Ländern lernen??? Sogar die USA und Argentinien haben 2 x 4 Jahre und finito. Die Alte hat alle ins Koma genickt. mehr...

Faelchle
29.08.2017
Politikexperte Wagschal: „Ein Sieg im TV-Duell kann eine Rolle spielen“

Wenn Maddin eine GROKO kategorisch ausschließt, hat er meine Stimme, obwohl ich dabei etwas Bauchgrimmen habe. mehr...

helmut
29.08.2017
Politikexperte Wagschal: „Ein Sieg im TV-Duell kann eine Rolle spielen“

Da wird es keinen Gewinner geben. Bei den öden Themen die noch übrig geblieben sind lässt sich schwer jemanden überzeugen. Was diese gut honorierten Politikexperten, Armutsforscher und sonstige Dr. und Professoren vor der Wahl so alles von sich geben bleibt einem der Bissen im Mund stecken. Gestern hatte ich die Zuschauer Redaktion der ARD angeschrieben und mich über die unvollständige Berichterstattung moniert. Dazu hatte ich mein Mail an die Teilnehmer bei Anne Will angefügt. Bereits heute ...... mehr...