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Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke bedeuten nach Meinung vieler kommunaler Versorger und Stadtwerke einen Wettbewerbsnachteile für kleinere Stromanbieter. Am Ende könnte der Kunde über den Strompreis die Atomzeche zahlen.
Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke bedeuten nach Meinung vieler kommunaler Versorger und Stadtwerke einen Wettbewerbsnachteile für kleinere Stromanbieter. Am Ende könnte der Kunde über den Strompreis die Atomzeche zahlen. © dpa
07.09.2010

Stadtwerke fordern finanziellen Ausgleich

BERLIN. Nach dem schwarz-gelben Atomkompromiss fordern Stadtwerke und kommunale Versorger einen finanziellen Ausgleich für mögliche Milliardenschäden durch die längeren Laufzeiten für Kernkraftwerke. Sie befürchten eine Gefahr für ihre Investitionen in umweltfreundliche Energieerzeugung. Am Ende könnte der Verbraucher mit einem höheren Strompreis die Zeche zahlen.

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In der Nacht zum Montag hatten sich die Spitzen von Union und FDP auf eine Laufzeitverlängerung um 14 Jahre für neuere Kernkraftwerke - ab Baujahr 1980 - verständigt. Die letzten Meiler dürften damit 2040 oder sogar später abgeschaltet werden. Die Atomindustrie soll langfristig bis zu 15 Milliarden Euro für einen Fonds zum Ausbau erneuerbarer Energien beisteuern. Dazu kommt die neue Atomsteuer.

Die geplante Brennelementesteuer bringt dem Bund nach Angaben der „Berliner Zeitung“ (Dienstag) jedoch weniger ein als geplant. Statt mit 2,3 Milliarden Euro pro Jahr könne Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nur mit 1,5 Milliarden Euro rechnen. Das Bundesfinanzministerium räumte nach Angaben des Blattes auf Anfrage diese Verringerung ein.

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Die Stadtwerke erwarten durch die Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke einen Milliardenschaden. Albert Filbert, Chef des Darmstädter Versorgers HSE, sagte dem Blatt, die Auslastung des Kraftwerksparks der Unternehmen sinke durch die längeren AKW- Laufzeiten deutlich. „Den Schaden für kommunale Versorger durch die zwölfjährige Laufzeitverlängerung schätzen wir auf 4,5 Milliarden Euro.“ Die kommunalen Versorger strebten nun Kompensationszahlungen an, sagte Filbert, der der Stadtwerkevereinigung 8KU vorsteht.

Städtetags-Präsidentin Petra Roth sagte der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag): „Die Städte und ihre Unternehmen investieren in großem Umfang in umweltfreundliche Energieerzeugung.“ Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke dürften diese Investitionen nicht gefährden. Deshalb brauchten die Stadtwerke eine Kompensation. „Eine Laufzeitverlängerung ohne Ausgleich verbessert ausschließlich die Wettbewerbsposition der großen Energieversorger.“ Nach Angaben von Roth rechnen die städtischen Haushalte durch die Brennelementesteuer mit jährlich 300 Millionen Euro weniger Gewerbesteuereinnahmen.

Auch die Länder wollen an den Mehreinnahmen des Bundes aus der Verlängerung der Kernkraft beteiligt werden. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte in einem Interview mit „Focus Online“, der Bund sei bei der Sanierung des maroden Atommülllagers Asse in der Pflicht. „Ich poche darauf, dass die Asse saniert wird. Die Kernkraftbetreiber sind an den Kosten in erheblichem Maße zu beteiligen.“ Ein Bundesland, das die Lasten der Kernenergie trage, müsse anders behandelt werden.

Umweltminister Röttgen will sich um das Problem der Endlagerung von Atommüll kümmern. In einem Interview der ARD-„Tagesthemen“ versicherte er am Montagabend, er sehe sich hier in der Pflicht.

Die deutsche Windindustrie sieht die Laufzeitverlängerung für AKWs und das neue Energiekonzept als „Sargnägel für die erneuerbaren Energien und für die Windkraft“. Die Potenziale der Windenergie seien systematisch kleingerechnet worden, um die Laufzeitverlängerungen scheinbar notwendig zu machen, sagte der Chef des Bundesverbands der Windindustrie, Hermann Albers, der „Berliner Zeitung“. dpa