nach oben
Traurige Jugendliche: Zwei junge Mädchen sitzen eng beieinander auf der Rückenlehne einer Parkbank und schauen auf das Display eines Mobiltelefon. Foto: Armin Weigel dpa
Traurige Jugendliche: Zwei junge Mädchen sitzen eng beieinander auf der Rückenlehne einer Parkbank und schauen auf das Display eines Mobiltelefon. Foto: Armin Weigel dpa © dpa
10.04.2013

Teenie-Tristesse in Deutschland: Zu viel Druck oder zu verwöhnt?

Köln. Kinder und Jugendliche in Deutschland werden immer unglücklicher, sagt eine Studie. Doch was steckt hinter den Zahlen: Jammern auf hohem Niveau oder tiefergehende Probleme?

Umfrage

Ist unsere Jugend zu verwöhnt?

Ja 74%
Nein, der Druck ist zu groß 25%
Weiß nicht 1%
Stimmen gesamt 359

Ihre Lebensbedingungen sind wesentlich besser als in vielen anderen Ländern der Welt - und doch ist die junge Generation in Deutschland zunehmend unglücklich. Das zeigt zumindest eine Studie der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef. Demnach ist jeder siebte Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren mit seiner persönlichen Situation unzufrieden. Die Gründe deckt die Erhebung nicht auf, sie enthält nur die Zahlen. Jammert die Jugend auf hohem Niveau?

„Oh ja“, meint Jugendforscher Klaus Hurrelmann. „Man vergleicht sich als Kind nicht mit Gleichaltrigen in Russland oder gar Afrika, sondern mit dem direkten Umfeld“. Dennoch müsse man die Ergebnisse sehr ernst nehmen und handeln.

Das sieht auch Hans Bertram so, Professor an der Berliner Humboldt-Universität und Mitglied des Deutschen Unicef-Komitees. „Die deutschen Mädchen und Jungen stellen sich und ihrer Umgebung ein erschreckendes Zeugnis aus, das uns nachdenklich machen muss“, sagte Bertram. Über die Gründe, warum die Generation unglücklich ist, könne man aber nur spekulieren.

Objektiv betrachtet stehen die Jugendlichen in Deutschland gar nicht mal so schlecht da - zumindest im Vergleich zur letzten Unicef-Studie von 2010: In den fünf Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Sicherheit, Verhalten und Risiken, Wohnen und Umwelt sowie materielles Wohlbefinden belegte das Land damals zusammengefasst Platz acht. Diesmal liegt es im Vergleich mit 29 Industrienationen auf Rang sechs.

Die Fassade erscheint solide, doch das Innenleben nicht: Beim zweiten großen abgefragten Bereich - die subjektive Lebenszufriedenheit der Kinder - landete Deutschland auf dem hinteren 22. Rang. Früher lag es einmal auf Platz 12.

Doch drücken nur fehlende Smartphones und Play-Station bei der jungen Generation auf's Gemüt oder sitzen die Probleme tiefer?

„Wie EU-Studien zeigen, sind die materiellen Existenzbedingungen für Kinder in Deutschland gar nicht so gut, wie sie in dem eigentlich reichen Land sein könnten“, meint Bertram. Über die Frage, ob ein Kind Computer und Fahrrad brauche, könne man natürlich streiten, sicher sei aber: „Die einseitige Konzentration auf Leistung führt dazu, dass sich viele Kinder und Jugendliche einfach von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen.“

Und was sagt die Jugend? „Englisch ab der ersten Klasse, mehr Ganztagsschulen - klar ist da der Druck höher als früher“, meinen die Kölner Abiturientinnen Nadja (18) und Denise (19). Die 16-jährige Gymnasiastin Özge glaubt dagegen: „Wir sind einfach zu verwöhnt und müssen für nichts mehr kämpfen. Da wird einem schnell langweilig.“