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Weil’s so schön ist: Noch älter als der Leerstand des „Ratskeller“ ist dieses Bild. Jürgen Klopp holte als Spieler des 1. FC Pforzheim 1987 den Pokal des Badischen Fußballverbands. Foto: PZ-Archiv
Weil’s so schön ist: Noch älter als der Leerstand des „Ratskeller“ ist dieses Bild. Jürgen Klopp holte als Spieler des 1. FC Pforzheim 1987 den Pokal des Badischen Fußballverbands. Foto: PZ-Archiv
12.05.2019

Kolumne: Chancenverwertung mangelhaft - Leerstand im alten „Ratskeller“

Pforzhzeim. Irgendwie sind wir hier ja schon Champions League. Dass aber der frühere Spieler des 1. FC Pforzheim, Jürgen Klopp, nicht der einzige großartige Trainer in der Geschichte des Finalisten FC Liverpool ist: Dies zu erwähnen, halten wir nicht nur aus Gründen einer gewissen Pforzheimer Bescheidenheit für dringend geboten. Denn da gab es auch noch Bill Shankly (1913-1981) mit seinem berühmten Zitat: „Einige Leute halten Fußball für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!“ Wie gut also, dass es sich beim alten „Ratskeller“ im Pforzheimer Rathaus nicht um so etwas Ernstes wie Fußball handelt, sondern nur ums städtische Vermögen.

Und um einen Leerstand, der durch den Umzug des Lokals „Ratskeller“ aus seinen früheren Räumen am Platz des 23. Februar nach vorne zur Fußgängerzone der Östlichen Karl-Friedrich-Straße entstand. Schwuppdiwupp, kaum sind sechs Jahre vergangen (das ist in diesem Jahrtausend allerdings mehr als die Halbwertszeit der Pforzheimer Oberbürgermeister, aber das Jahrtausend ist ja noch jung), schon befasst sich am kommenden Mittwoch mit dem Bauausschuss erstmals ein gemeinderätliches Gremium mit Perspektiven für eine Nachnutzung des alten „Ratskellers“.

Wollen wir mal den kleinen Nebenaspekt vernachlässigen, dass die Stadt diesen Gebäudeteil aus der Brandschutzsanierung herausgenommen hatte. Dann nämlich könnte vor sechs Jahren die Kaltmiete etwa sieben Euro je Quadratmeter – 450 davon hat das Lokal – betragen haben. Und bei einer durchschnittlichen jährlichen Mieterhöhung von einem Prozent währen dann seitdem rund 230.000 Euro zusammengekommen. Entgangene Einnahmen. Oder anderswo für Miete getätigte Ausgaben. Ganz wie man es sehen will.

Keine zwei Meinungen kann es allerdings dazu geben, dass an dieser Stelle eine Vergeudung öffentlichen Vermögens stattfindet. So mag man dem Bauausschuss eine glückliche Hand wünschen, wenn auf der Tagesordnung endlich, endlich der Punkt „Umnutzung Alter Ratskeller/Machbarkeitsstudie“ aufgerufen wird. Kinderbetreuung, Verpachtung als Plüschcafé, Kulturraum, Jugendtreff – der Möglichkeiten gibt es so viele, dass man sie nur nach Legionen zählen kann.

Es muss ja nicht gerade ein Döner-Shisha-Friseur-Ein-Euro-Shop sein – auch in diesem Sektor sind wir schon Champions League.