nach oben
Knobeln musste Landrat Bastian Rosenau am Thema Gustav-Heinemann-Schule. Foto: Thomas Meyer
Knobeln musste Landrat Bastian Rosenau am Thema Gustav-Heinemann-Schule. Foto: Thomas Meyer
Im Landratsamt mit seinen über 1000 Mitarbeitern fühlt er sich gut aufgenommen. Foto: Thomas Meyer
Im Landratsamt mit seinen über 1000 Mitarbeitern fühlt er sich gut aufgenommen. Foto: Thomas Meyer
Klare Ziele nimmt Rosenau mit dem Kreistag und auch mit Pforzheim in den Blick. Foto: Thomas Meyer
Klare Ziele nimmt Rosenau mit dem Kreistag und auch mit Pforzheim in den Blick. Foto: Thomas Meyer
An der neuen Wirkungsstätte angekommen: Rosenau im Gespräch mit PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht (links) und Redakteur Alexander Heilemann (Mitte) im Landratsbüro. Foto: Thomas Meyer
An der neuen Wirkungsstätte angekommen: Rosenau im Gespräch mit PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht (links) und Redakteur Alexander Heilemann (Mitte) im Landratsbüro. Foto: Thomas Meyer
10.05.2018

Landrat Bastian Rosenau 100 Tage im Amt: „Am Miteinander muss man immer arbeiten“

Bastian Rosenau hat den Schritt vom Bürgermeister Engelsbrands und Kreisrat der Freien Wähler an die Spitze der riesigen Kreisverwaltung vor 100 Tagen vollzogen. Und wie ist der Landrat in seinem neuen Amt angekommen? Darüber hat die PZ mit Rosenau gesprochen – nachdem der 37-Jährige seine erste politische Herausforderung mit der Weichenstellung für eine Übergangslösung bei der wegen Baumängeln geschlossenen Gustav-Heinemann-Schule bestanden hat. Und die PZ wollte wissen, wie der Mensch Bastian Rosenau seine neue Aufgabe empfindet.

PZ: Herr Rosenau, wie viele Ihrer 100 Amtstage haben Sie gebraucht, um jedem der über 1000 Mitarbeiter des Landratsamts „Hallo“ zu sagen?

Bastian Rosenau: Ich bin gerade erst durch alle Abteilungen durch – zuletzt bei den IT-Spezialisten. Nun fehlen noch Besuche in Außenstellen wie der Straßenmeisterei Maulbronn, wobei ich deren Beschäftigte schon kennengelernt habe, und beispielsweise die Hamberg Deponiegesellschaft.

Hat die Zeit schon gereicht, um sich als Chef eines derart großen Hauses an den Unterschied zum fast familiären Verwaltungsteam der Gemeinde Engelsbrand zu gewöhnen?

Das ist schon eine starke Veränderung. In Engelsbrand habe ich alle Mitarbeiter näher gekannt, habe an ihrem Leben wirklich Anteil genommen. Im Landratsamt geht das nur im näheren Umfeld. Dabei erlebe ich, dass hier eine schöne Kultur im Miteinander herrscht. Aber ein persönlich geprägtes Verhältnis ist natürlich nicht bei allen der über 1000 Mitarbeiter möglich. Engelsbrand und der Enzkreis – das sind schon unterschiedliche Lebenswelten. Da kommen sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen. Aber das kann sehr fruchtbar sein, wenn man das Positive beider Blickwinkel nutzen kann.

Die Kreispolitik hat Ihnen ja nicht gerade viel Anlaufzeit gegeben. Der Druck war groß, bei der Gustav-Heinemann-Schule im Interesse der Schüler schnell zu handeln. Zufrieden mit dem Ergebnis?

Ich fand‘s super. Wirklich alle haben engagiert an einer Übergangslösung für das komplizierte Problem durch die geschlossenen Schulräume gearbeitet. Die Mitarbeiter hier haben fast buchstäblich nächtelang gepowert. Auch die Kreisräte haben sich voll eingebracht. Am Ende mit dem Lerncampus auf Zeit an der Pestalozzischule ein Ergebnis, das von allen getragen wird – auch in der Überzeugung, dass es keine Alternative gibt.

Genau die Prüfung solcher Alternativen hat der Kreistag von der Verwaltung ja eingefordert. Kein Problem, dass die letztlich allesamt verworfen wurden?

Nein, das war für den Prozess wichtig, um zu sehen, was in einem ersten Schritt gleichzeitig möglichst gut für die betroffenen körperbehinderten Kinder und dann auch möglichst wirtschaftlich ist. Aus den Prüfungen ist ein Miteinander entstanden.

Trägt da Ihr Wir-Wahlkampf für die Landratswahl Früchte?

Nein, es ist mir zwar sehr wichtig, alle bei wichtigen Entscheidungen mitzunehmen, aber bei der Gustav-Heinemann-Schule hätten nicht alle an einem Strang gezogen, wenn sie nicht am Ende von der Lösung überzeugt gewesen wären.

Für Ihren Kommunikationsstil haben Sie jede Menge Lob von allen Fraktionen erhalten. Ist das fürs Erste eine sichere Basis oder etwas, das man bei jedem Thema neu erarbeiten muss?

Kommunikation klappt nur dann gut, wenn beide Seiten konstruktiv sind. Man muss immer daran arbeiten, dass es dabei bleibt. Dass man zusammenarbeitet, auch wenn die Meinungen über ein Thema auseinandergehen. Wenn der Weg gut war, wird auch eine Entscheidung gemeinsam getragen, die durch einen knappen Mehrheitsbeschluss zustande gekommen ist.

Kommt es das nächste Mal zum Schwur, wenn die Frage einer Fusion der beiden Kreisberufsschulen in Mühlacker ansteht?

Ja, das wird wohl das nächste große Thema. Einen einstimmigen Beschluss wird es da kaum geben. Umso wichtiger war es mir, früh mit den beiden betroffenen Schulleitern ins Gespräch zu kommen, von denen der eine entschieden eine Fusion will, der andere genauso entschieden nicht. Beide haben dafür gute Gründe. Beide sollen die Chance haben, ihre Sicht in einer Stellungnahme den Kreisräten darzulegen.

Ob Berufsschulen oder Gustav-Heinemann – beides sind Themen, für die der Kreis mit der Stadt Pforzheim reden muss. Wie erleben Sie bisher den Austausch?

Durchweg positiv. Das gilt sowohl fürs persönliche Gespräch mit Oberbürgermeister Peter Boch als auch für kurze Kontakte am Rande von Veranstaltungen. Das Ziel ist, dass wir strategisch zusammenarbeiten und einige Themen gemeinsam weiterentwickeln. Dafür würde ich OB Boch gerne einen strategischen Austausch auf Dezernatsebene vorschlagen.

Gefordert wird immer wieder ein Kontakt auf Augenhöhe. Das scheint nicht immer zu klappen.

Ich habe tatsächlich als Bürgermeister in Engelsbrand erlebt, dass die Stadt sehr selbstbewusst der kleinen Gemeinde gegenüber aufgetreten ist. Mit dem damaligen OB Gert Hager war das aber immer gut. Und als Landrat erlebe ich Stadt und Kreis bislang auch auf Augenhöhe. Allerdings ist das Verhältnis seither noch nicht durch ein strittiges Thema auf die Probe gestellt worden. Spannend wird es mit dem Miteinander, wenn wir uns mal nicht einig sind.

Bei den städtischen Gewerbeplänen im Klapfenhardt zum Beispiel?

Grundsätzlich würden die Pläne unterschiedliche Enzkreis-Gemeinden betreffen. Wir gehen davon aus, dass wir zu gegebener Zeit als Träger öffentlicher Belange beteiligt werden. Aber ich kann Klapfenhardt noch nicht beurteilen, will abwarten, was die Stadt konkret machen würde.

Nicht getroffen haben Sie die Pforzheimer Verwaltungsspitze ja beim Spatenstich für die A 8. Aber mit welchem Auto sind Sie eigentlich zu dem Termin gefahren? Es gab ja um den Fuhrpark im November Streit im Kreistag.

Ich bin zur Autobahn in einem Audi Q7 gekommen, der sich seit über einem Jahr im Fuhrpark des Landratsamts befindet. Das Fahrzeug wird in Kürze aber verkauft. Mein Dienstfahrzeug ist bisher das von meinem Vorgänger Karl Röckinger beschaffte, ein Audi A 8. Wenn es wohl im Herbst um einen Ersatz geht, schauen wir abhängig vom Preis, was dem Audi folgt. Persönlich wäre mir ein Hybrid-Auto sympathisch – und ich könnte auch mit einer Fahrzeugklasse tiefer gut leben.

Als Rathauschef in Engelsbrand waren Sie nie weit weg von Frau und Kindern. Wie kommt der Familienmensch Rosenau mit dem neuen Amt zurecht?

Da hat sich viel für uns verändert. Ich war früher über Mittag daheim, konnte die Kinder von der Schule abholen. Jetzt haben wir die Mittagspause am Dienstag für uns als Familie reserviert. Das heißt, alle kommen hierher und wir essen gemeinsam zu Mittag. Aber die gemeinsame Zeit ist deutlich zurückgegangen. Mal sehen, wie es sich entwickelt, wenn ich weniger Kennenlerntermine haben werde als jetzt zum Start als Landrat.

Und wie viel Kreisrat steckt denn noch im Landrat Rosenau? Ihre früheren Freie-Wähler-Kollegen haben Sie in der letzten Sitzung dabei erwischt, wie Sie instinktiv mit abgestimmt haben.

Ausgerechnet in meiner ersten öffentlichen Kreistagssitzung (lacht). Dabei hatten wir nicht-öffentlich schon getagt und in Ausschüssen – und nie bin ich davor aus meiner neuen Rolle als Landrat gefallen. Meine Erfahrung im Gremium hilft mir, weil ich noch aus verschiedenen Perspektiven auf eine Sache schauen kann. Umgekehrt kann ich nun aus Landratssicht besser nachvollziehen, warum die Verwaltung manches auf eine bestimmte Art angepackt hat.

Holen Sie sich noch Rat bei Vorgänger Karl Röckinger? So von Engelsbrander zu Engelsbrander?

Ja. Das hilft mir besonders, wenn es um Vorgeschichten oder Hintergründe von Entscheidungen geht. Das rein fachliche Wissen ist in einer so großen Verwaltung wie dem Landratsamt durch den Wechsel an der Spitze nicht verlorengegangen. Das ist in einer kleinen Gemeinde wie Engelsbrand anders, wo auch wichtige Fachinformationen mit mir als Bürgermeister fehlen. Da werde ich mit meinem Nachfolger Thomas Keller eine gründliche Übergabe machen.