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09.12.2016

PZ-Redakteurin Nadine Schmid im Plätzchenfieber

Vanille-Herzen, Zimt-Nikoläuse, Nougat-Sterne, Marmeladen-Tannenbäume und Kokos-Plätzchen – da liegen die kleinen Racker. Drei Stunden hätte es dauern sollen, bis die rund 150 Kekse – oder Bredle wie mir dohoim saget – gebacken sind. Pustekuchen. Fast sieben Stunden stand ich in dem Raum, der vorher meine Küche war. Aber der Reihe nach.

Es braucht nur einen Teig, um fünf Plätzchensorten zu kreieren. Wahnsinn, das ist genau meine Backecke – schnell und einfach. Unzählige Rezepte geistern durchs Internet und haben eins gemeinsam: Man rühre einen Mürbeteig zusammen. Dann verfeinert man den auf fünf verschiedene Arten, steche Figürchen aus den ausgerollten Teigplatten, schiebe sie in den Ofen und erfreue die Mitmenschen in der zimtig duftenden Küche mit süßen Leckereien. Das klingt lecker und klappt bis zum Abwiegen der Zutaten auch reibungslos. Die Küchenmaschine knetet selbstständig den Teig und der lässt sich leicht in fünf zumindest ähnlich große Stücke teilen. Ich habe zwar keine fünf Rührschüsseln, aber der Teig weiß ja nicht, dass er in kleinen Töpfen mit ordentlich Schokocreme, gemahlenen Haselnüssen, Mandeln oder Zimt vermischt wird. Fünf Teiglinge, sauber und zumindest äußerlich unfettig in Frischhaltefolie verpackt, wandern in den Kühlschrank. Knapp anderthalb Stunden sind da vergangen. Was allerdings auch der Tatsache geschuldet ist, dass ich ungeachtet der rohen Eier lieber Teig nasche – Zimtrohteig ist mein Favorit – als zügig zu arbeiten. Und außerdem muss der Kater erstmal in Ruhe die Teigkleckse von den Dielen schlecken, bevor die erste Aufräumrunde inklusive den Boden nass rauswischen eingeläutet wird.

Über Nacht bleibt der Teig in der Kühlung und nach dem Frühstück mache ich mich um acht Uhr voller Elan an die Feinarbeit. Die Kokos- Plätzchen würde ich gerne als erstes probieren, also rolle ich den gekühlten Teig zur Schlange, schneide 36 Stücke ab, rolle sie zu Kugeln und backe die. Erster Effekt: Die Kugeln gehen auseinander und nehmen Macaronform an – damit macht auch der nächste Schritt im Rezept „bestreichen sie die Unterseite der Hälfte der Plätzchen mit weißer Schokolade“ Sinn. Weil sich ja von Kugeln so schlecht die Unterseiten hätten bestreichen lassen. Schwupps sind die Kokos-Plätzchen fertig.

Schweißtreibend gestaltet es sich danach, die vier übrigen vom langen Kühlschrankaufenthalt doch noch recht harten Teiglinge auszurollen, aber zu warten bis die weicher werden – ach nee. Die Vanille-Herzen sind die nächsten. Also steche ich den Teig mit gemahlenen Mandeln mit einer Herzform aus, knete die Reste zusammen, rolle sie wieder aus und steche erneut Herzen aus. Knete die Reste zusammen, rolle sie wieder aus und – als der Rest endlich klein genug ist, wandert er einfach in den Mund. Als nächstes sind die Zimt-Nikoläuse dran und der Zeiger der Uhr wandert stracks auf elf zu. Die Nikoläuse sind recht hartnäckig, weil die Zipfelmützenzipfel beim Ausstechen immer am Brett kleben bleiben und der Teig deshalb noch öfter ausgerollt und ausgestochen werden muss. Puh, schnell noch Eigelb draufgepinselt und Zucker und Zimt draufgestreut – sieht nicht so schön aus – ändert sich aber bestimmt beim Backen. Zehn Minuten später ist klar – nein, die bleiben so hässlich. Okay, möglicherweise schmecken sie ja gut. Zum Probieren habe ich mit jeder Menge Teig und warmen Plätzchen im Magen, aber mittlerweile keine Lust mehr – mir ist schwer nach saurer Gurke. Aber erst müssen die Schokosterne ausgewellt, ausgestochen und gebacken werden. Die Sternform ist bisher die beste, kann man schön auf Lücke ausstechen und spart sich zumindst ein paarmal das wieder und wieder ausrollen. Durch die Schokocreme ist der Teig auch ohne Backen schon schön dunkel, da macht es nichts, dass die Ladung eine Minute länger im Ofen bleibt, weil ich noch schnell hartnäckige Eigelbflecken von der hölzernen Arbeitsplatte kratze. Die Marmeladen-Tannenbäume sind dann leider viel zu lang im Ofen – denn als nach acht Minuten die Eieruhr bimmelt, befinde ich sie noch als zu hell und schiebe sie zurück ins Warme. Leider fehlt dann das akustische Signal und erst als ich beim Wohnzimmersaugen plötzlich etwas Verbranntes rieche, fällt mir die letzte Plätzchenladung wieder ein. Die Tannenbäume, die am äußeren Rand auf dem Blech liegen, wandern schweren Herzens sofort in den Müll, die übrigen bestreue ich, nachdem sie mit Marmelade gefüllt sind, großzügig mit Puderzucker. Am Ende ist es fast halb zwei und ich bin nicht mehr in besinnlicher Stimmung, als ich die Marmelade vom Kochfeld wische, die Kokosflocken aus der Besteckschublade sauge und die Schrankgriffe vom Fettfilm befreie. Gleichzeitig steigt der Respekt für meine Schwiegermutter. Seit ich sie kenne, backt sie jedes Jahr um die zwölf Plätzchen-Sorten mengenmäßig für drei Familien und das Ganze in einem über 40 Jahre alten Backofen. Trotzdem stelle ich ihr einen Teller mit meinem Backwerk auf die Treppe. Und siehe da: So schlimm ist es gar nicht. Die Kokos-Plätzchen will sie sogar nachbacken. Und damit räume ich in Erwartung einer Adventszeit voll untadelig leckerer Weihnachts-Bredle den Platz am Backofen für die wahren Könner.

Die Rezepte:

900 Gramm Mehl, 300 Gramm Zucker und drei Messerspitzen Salz in einer Schüssel mischen. 600 Gramm Butterwürfel zugeben und verrühren. Vier Eier dazu und zu einem glatten Teig verkneten. In fünf Teile teilen, je nach Rezept verfeinern, in Frischhaltefolie wickeln und mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Backofen auf 200 Grad Ober-/Unterhitze (180 Grad Umluft) vorheizen. Teig zwischen zwei Lagen Backpapier dünn ausrollen, je nach Rezept Plätzchen ausstechen, auf mit Backpapier belegte Bleche setzen und im Ofen 8 bis 10 Minuten backen.

Für die Vanille-Herzen:

100 Gramm gemahlene Mandeln unterkneten. Sterne ausstechen, backen und noch warm in Vanillinzucker und Zucker wenden.

Für die Zimt-Nikoläuse:

2 Teelöffel Zimt und einen Vanillinzucker unterkneten. Zimt und Zucker mischen. Kekse mit verquirltem Eigelb bestreichen, mit Zimtzucker bestreuen und backen.

Für die Nougat-Sterne:

50 Gramm Nuss-Nougat-Creme und etwas Mehl unterkneten. Herzen ausstechen und backen. Schokolade schmelzen mit einer Gabel eintauchen und über den Herzen wedeln.

Für Kokos-Plätzchen:

Den Teig zu Bällchen formen und in Kokosflocken wälzen. Im Ofen zehn bis zwölf Minuten backen und abkühlen lassen. 250 Gramm weiße Schokolade überm heißen Wasserbad schmelzen. Die Hälfte der Kekse auf der Unterseite mit Schokolade bestreichen, die übrigen Kekse darauf drücken.

Für Marmeladen-Tannenbäume:

Vier Esslöffel gemahlene Haselnüsse unter den Grundteig kneten, ausstechen und nach dem Backen abkühlen lassen. 150 Gramm Johannisbeergelee erwärmen. Die Hälfte der Plätzchen auf der Unterseite damit einstreichen und die andere Hälfte darauf setzen. Mit Puderzucker bestäuben